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Matthias Mitlöhner erzählt über Glaube und Spiritualität

Erst Kirchenaustritt, dann Azubi mit 50 und jetzt Diakon in Kolbermoor

Im Bibelgarten der Stadtkirche Kolbermoor steht der neue Diakon Matthias Mitlöhner.
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Im Bibelgarten der Stadtkirche Kolbermoor steht der neue Diakon Matthias Mitlöhner.

Kolbermoor – Als Jugendlicher ist Matthias Mitlöhner aus der Kirche ausgetreten. Nun wurde der 50-Jährige aus Bad Feilnbach zum Diakon geweiht. Ein Gespräch über den ungewöhnlichen Weg aus der Versicherungsbranche in die Stadtkirche Kolbermoor, den Glauben und wie sich ein Lebensentwurf so radikal ändern kann.

Wie war die Weihe?

Matthias Mitlöhner: Das ist schon ein besonderes Ereignis, fünf Jahre Ausbildung lagen davor. Dann vor dem Bischof zu stehen – es war nicht so, dass ich voller Vorfreude war. Die Anspannung hat überwogen. Nachher ist der Ballast abgefallen. Die Freude kam und auch Stolz, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Neuanfang in höherem Berufsalter

Auf was sind Sie stolz?

Mitlöhner: Ich war die letzten Jahre Praktikant, Azubi – eine komische Berufsbezeichnung im Alter von 50. Jetzt habe ich meine erste „richtige“ vollwertige Stelle, bei der ich mich im Team einbringen kann und nicht nur nebenbei mitlaufe, sondern auch vollwertige Aufgaben bekomme.

Welche Aufgaben?

Mitlöhner: Als Diakon darf ich taufen und bei den Hochzeiten assistieren. Ich mache Wortgottesdienste, Beerdigungen und bin zuständig für die Ministrantenarbeit. Gemeinsam mit unserer Pastoralassistentin Veronika Gosling mache ich die Vorbereitungen für die Erstkommunion.

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Was gefällt Ihnen am besten?

Mitlöhner: Ich konnte schon zwei Mal taufen. Das zählt für mich zu den Highlights. Es ist wirklich schön, wenn man kleine Kinder hat, sie taufen und in die Kirche aufnehmen darf. Generell ist für mich der Kontakt mit den Menschen wichtig und zu versuchen – ich weiß, das ist in der heutigen Zeit schwierig – eine Begeisterung für den Glauben zu wecken. Das ist meine Motivation: Gott den Menschen näher bringen und mit ihnen beisammen sein.

Wie machen Sie das?

Mitlöhner: Es ist wichtig, dass man eine Sprache findet, die die Menschen verstehen. Ich glaube, dass man in Predigten nicht mit hoch theologischen Themen kommen kann. Das versteht eine verschwindend geringe Minderheit. Man muss niederschwellig ansetzen. Ich kann bei einer Taufe nicht erwarten, dass das Glaubensbekenntnis von allen mitgesprochen wird. Sogar das Vaterunser ist heute nicht mehr präsent bei den Menschen. Ehe man zehn Gebete spricht, die kein Mensch mitsprechen kann, sollte man in einen Dialog kommen und den Glauben und die Begeisterung für Gott in einfachen Worten rüberbringen.

Noch auf der Suche

Fällt Ihnen das leicht?

Mitlöhner: Das ist natürlich sehr schwer, gerade wenn man wie ich noch am Anfang ist. Ich nehme noch sehr viele vorgefertigte Texte, merke aber, dass ich stark von dem Abweichen muss, was manche Bücher vorgeben. Weil ich dann immer nur spreche, spreche, spreche und mein Wortanteil zu hoch ist. Da muss man den Wortanteil reduzieren. Ich bin noch ein bisschen auf der Suche und habe meinen Weg noch nicht ganz gefunden. Aber ich versuche es.

Wie haben Sie Ihren Weg als Diakon begonnen?

Mitlöhner: Ich war mein ganzes Berufsleben in der Versicherungsbranche und hatte nie was mit dem Glauben am Hut. Ich bin in der Pubertät sogar aus der Kirche ausgetreten, habe fröhlich mein Leben gelebt und geschaut, dass es mir gut geht. Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, dass es noch etwas anderes im Leben gibt. Mein Lebensentwurf ist ins Wanken geraten, da war ich 35. Ich bin von Schicksalsschlägen in meinem Leben weitestgehend verschont geblieben, aber dann ging es los mit Krankheits- und Todesfällen bei Verwandten und Freunden. Das war für mich der Anlass nachzudenken.

Über was?

Mitlöhner: Gibt es Gott überhaupt? Was ist wichtig im Leben? So habe ich den Glauben dann Schritt für Schritt für mich entdeckt. In München gibt es einen ausführlichen Wiedereintrittskurs bei den Jesuiten, den ich besucht habe. Ich bin wieder in die katholische Kirche eingetreten, in Gottesdienste gegangen, wollte aber immer noch mehr wissen. Wenn ich etwas mache, möchte ich es zu 100 Prozent machen. Ich habe dann Theologie im Fernkurs studiert. Den Abschluss hätte ich eigentlich erst später als Eintrittskarte für meine Diakonenausbildung gebraucht.

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Wann haben Sie entschieden, Diakon zu werden?

Mitlöhner: Ich bin mit meinem Sohn und meiner Frau von München nach Bad Feilnbach gezogen und Mesner geworden. So bin ich immer mehr in die Kirche und den Glauben hineingewachsen. Vor gut fünf Jahren habe ich entschieden, mich auf den Weg zum Diakon zu machen. Die Ausbildung erfolgt nebenberuflich. Vor drei Jahren stand die Entscheidung an, ob ich den Diakon hauptberuflich oder nebenberuflich mache. Ich konnte mir schwer vorstellen das nur ein paar Stunden in der Woche zu machen. Mein Wunsch war ganz eindeutig: Ich möchte das im Hauptberuf machen. Seit zwei Jahren bin ich aus der Versicherungsbranche raus. Dann war ich Azubi in den Pfarrverbänden Prutting/Vogtareuth und Miesbach/Hausham. Als Diakon wurde ich Kolbermoor zugeteilt. Nun will ich eine Beziehung zu den Kolbermoorern aufbauen, Gespräche führen und Menschen kennenlernen. Besonders um alte, kranke und einsame Bürger will ich mich kümmern.

In fünf Jahren bis zur Weihe

Wie lange dauert die Ausbildung?

Mitlöhner: Es sind fünf bis sechs Jahre bis zur Weihe, das ist immer unterschiedlich. Bei mir waren es gute fünf Jahre. Jetzt bin ich in der Phase der Berufseinführung. Ich muss noch die zweite Dienstprüfung ablegen. Die ist in drei Jahren. Ich werde auch als Religionslehrer geprüft und im Predigen.

Welche Fähigkeiten braucht ein Diakon noch?

Mitlöhner: Die Person braucht Begeisterung für den Glauben und muss kommunikativ sein. Man muss für sich schon eine gewisse Spiritualität gefunden haben und tief im Glauben verankert sein. Ich halte mich zum Beispiel viel in Klöstern auf. Eine Voraussetzung ist noch, dass man verheiratet oder zölibatär lebt. Ein Single, der in einer losen Partnerschaft lebt, kann nicht Diakon werden. Man muss sich auch auf die Menschen einlassen können – von der Seelsorge im Seniorenheim bis zu kleinen Kindern und alles dazwischen. Man muss eine Flexibilität und Sympathie für die Menschen mitbringen.

Freuen Sie sich darauf?

Mitlöhner: Ja, sehr. Ich bin in einem tollen, funktionierenden Team und die Aufgaben machen mir sehr viel Freude. Weihnachten steht vor der Tür. Ich freue mich darauf, die besonderen Gottesdienste mitzuerleben. Auch auf meine erste Trauung und viele Taufen freue ich mich.