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Geldwäsche oder Betrug

13.000 Euro für nichts - Wie ein Kolbermoorer Opfer eines dreisten Betrugs wurde

Wurde ein Kolbermoorer im Jahre 2017 Opfer eines Betrugsdeliktes oder von Geldwäsche?
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Wurde ein Kolbermoorer im Jahre 2017 Opfer eines Betrugsdeliktes oder von Geldwäsche?

Weil er glaubte, ein Schnäppchen machen zu können, überwies ein Kolbermoorer im Jahr 2017 13.000 Euro nach England. Doch das gewünschte Motorrad wurde nie zu ihm geliefert. Nun musste sich der Täter vor Gericht verantworten.

Kolbermoor – Im September 2017 dachte ein Kolbermoorer, er könne im Internet ein echtes Schnäppchen machen. Damals wurde auf einer Verkaufsplattform ein Motorrad für 13 000 Euro angeboten, das sonst eigentlich nur für mindestens 23 000 Euro zu haben war. Es sollte aus England geliefert werden. Doch nachdem der Mann aus Kolbermoor den Betrag in zwei Raten an ein Konto bei der Bank of Scotland überwiesen hatte, wartete er vergeblich auf die Lieferung.

Überwiesenes Geld in Thailand abgehoben

Doch wie konnte das passieren? Die Erklärung ist einfach und schmerzhaft zugleich: Er war Betrügern aufgesessen, die ihn um den Betrag geprellt hatten. Denn anschließen wurde es abenteuerlich: Sein Geld war zwar bei der angegebenen Bank eingegangen, jedoch in Thailand umgehend wieder abgehoben worden. Der Kontoinhaber, der seit 2015 in England lebte, war zwar bekannt, hielt sich jedoch offensichtlich in Thailand auf und war für die Justiz deshalb nicht greifbar.

Als er jedoch nach England zurückkehrte, wurde er dort wegen eines Haftbefehls aus dem Jahre 2020 im Januar dieses Jahres festgenommen und im Februar nach Deutschland ausgeliefert. Der nun hier wegen Betrugs Angeklagte ist ein 48-jähriger Rumäne. 2017 sei er laut eigenen Aussagen von England über Rumänien nach Thailand geflogen, um dort eine Thailänderin zu heiraten. Während seines Aufenthaltes habe er im Hotel zwei Russen kennengelernt, die ihn gebeten hätten, er möge für sie eine Überweisung auf sein Konto entgegennehmen. Der vermeintliche Grund: Ihre Konten seien aus politischen Gründen gesperrt. Aus Gefälligkeit habe er eingewilligt, nicht wissend, dass er damit in einen Strudel von Erpressung, Überwachung und Bedrohung geraten konnte.

Angeklagter gesteht letztlich

Er habe – obwohl ihm inzwischen klar geworden sei, dass es sich um illegale Geschäfte handeln musste – sein Konto weiterhin unter Zwang zur Verfügung gestellt. Weit über 30 000 Euro seien so über sein Konto geflossen und er habe für die Russen unter deren Kontrolle die Beträge jeweils sofort wieder abheben und aushändigen müssen. Nachdem der Vorsitzende Richter des Schöffengerichtes Matthias Knoblauch dem Angeklagten erklärt hatte, dass es sich womöglich zwar nicht um einen Betrug durch ihn gehandelt habe, man ihm aber dann die Straftat der Geldwäsche zum Vorwurf machen müsse und dafür eine gleich hohe Strafe drohe, gestand der Angeklagte diesen Vorwurf unumwunden ein.

Die Bedrohung durch die beiden Russen habe erst geendet, als die Bank in England, eben wegen des Verdachtes der Geldwäsche, sein Konto sperrte und er für die beiden nicht mehr von Nutzen sein konnte. Er sei dann unmittelbar nach England zurückgekehrt. Auch habe er dort eine Anwältin kontaktiert, die ihm die Situation erklärte, aber zunächst zum Stillhalten geraten habe. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dieter Stödtke, bestätigte diesen Kontakt, die Londoner Anwältin habe ihn daraufhin hier eingeschaltet. Damit wurde der Vorwurf „Betrug“ aus der Anklage in den Vorwurf der „Geldwäsche“ umgewandelt. Dies ist laut Europäischem Gerichtshof innerhalb der EU durchaus möglich und steht dem Spezialitätengrundsatz nicht im Wege. Der Staatsanwalt erklärte, dass dem Angeklagten tatsächlich nicht bewiesen werden könne, dass er die Verkaufsanzeige für das Motorrad geschaltet habe. Aber jedenfalls Geldwäsche für die Betrüger getätigt hatte.

13 000 Euro zurückerstatten

Weil geständig und nicht vorbestraft, könne er bei einer Haftstrafe von zwölf Monaten bleiben. Die Strafe könne hier auch zur Bewährung ausgesetzt werden. Dennoch müsse er selbstverständlich die 13 000 Euro als Wertersatz dem Geschädigten zurückerstatten. Der Verteidiger verwies darauf, dass sein Mandant überhaupt nicht vorbestraft sei und der Käufer doch sehr blauäugig gehandelt habe, wenn er im Internet von Unbekannten ein solches Motorrad für die Hälfte des wahren Wertes kaufen wollte. Er beantragte eine Strafe von zehn Monaten Haft, mit der Chance, diese auf Bewährung auszusetzen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten letzlich zu elf Monaten Gefängnis, die es zur Bewährung aussetzte. Die 13 000 Euro wird er dem Käufer zurückerstatten müssen.

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