Ohne Schüler macht es keinen Spaß

Das vermissen die Hausmeister an Kolbermoors Schulen während des Lockdowns

Die Schüler und Lehrer wissen, was sie an ihren Hausmeistern haben. Carola Vodermaier, Rektorin der Adolf Rasp Schule, zum Beispiel sagt über Stefan Limmer: „Er ist wie ein Sechser im Lotto.“
+
Die Schüler und Lehrer wissen, was sie an ihren Hausmeistern haben. Carola Vodermaier, Rektorin der Adolf Rasp Schule, zum Beispiel sagt über Stefan Limmer: „Er ist wie ein Sechser im Lotto.“

Für die drei Hausmeister der drei Kolbermoorer Schulen ist es derzeit bei der Arbeit still – kein Kinderlachen, kein ratschen, kein Toben auf den Gängen. Dennoch klingeln ihre Handys und sie haben jede Menge zu tun.

Kolbermoor – Jeder, der ein Haus mit Garten hat, weiß es: zu tun ist immer was. Umso mehr gilt das, wenn die Liegenschaften etwas größer sind. Alfred Ehmann (57) zum Beispiel hat nicht nur ein paar Räume, um die er sich kümmern muss, sondern 200, auch Stefan Limmer (45) insgesamt 5000 Quadratmeter Raumfläche und Alfred Lax (60) gleich gar mehrere Häuser zu betreuen.

Die drei sind die Hausmeister der Kolbermoorer Schulen und gut beschäftigt, wobei ihr wichtigstes Arbeitsutensil fast das Handy ist. Immer wieder klingelt es, selbst jetzt wo in den Schulen nur eine Handvoll Schüler unterrichtet werden. Gerade deshalb sind aber oft Handwerker in den Häusern, die Fragen haben oder Unterstützung brauchen.

Alltag im Lockdown

Daneben derzeit immer wieder Anrufe, dass hier eine Lampe ausgefallen oder dort der Kopierer auf Störung gegangen ist. An normalen Tagen aber seien derartige Meldungen so häufig, meint Ehmann von der Pauline-Thoma-Schule, dass er sich in der Zeit kurz vor und nach Unterrichtsbeginn sowieso keine größere Arbeit vornehmen würde: Man käme schlicht nicht dazu.

Alles was mehr Zeit braucht, bedarf einer ausgefuchsten Zeitplanung oder muss gleich in die Ferien verlegt werden, wie etwa das Streichen der Klassenzimmer. Dafür war, so sagt Lax von der Mangfallschule der Lockdown jetzt gerade recht. Und Ehmann war froh, sich neben vielen anderen Wartungsarbeiten auch einmal um die zahlreichen Pflanzen kümmern zu können, die in der Aula und in den Gängen der Pauline-Thoma-Schule stehen. Blatt für Blatt hat er sie entstaubt und mit Prilwasser abgewischt.

„Das ist wichtiger als Düngen, weil die Pflanzen atmen können müssen.“ Das prächtig gedeihende Grün zeigt, dass er weiß, wovon er spricht. Bevor er als Hausmeister in der Schule anfing, war er Gärtner bei der Stadt. Auch bei Limmer an der Adolf-Rasp-Schule schlägt der einstige Beruf durch: Er war gewissermaßen der Installateur der Stadt und sein „Hobby“ ist es, das Blockheizkraftwerk der Schule im Verbund mit zwei mächtigen 200 kW-Heizkesseln so zu steuern, dass möglichst wenig Gas verbraucht wird.

Bei Lax hingegen wird immer wieder mal der gelernte Schreiner wach, etwa wenn es darum geht neues Mobiliar aufzubauen oder altes herzurichten. Häufiger ist es aber der „Kinderbetreuer“, denn er war, bevor er bei der Schule anfing, einer der städtischen Busfahrer und hatte damals einen hervorragenden Draht zu den Kleinen.

Alfred Lax ist wie seine Kollegen „Mädchen für alles“ und muss von allem eine Ahnung haben, auch von der Neuverkabelung die in der Mangfallschule für den Distanzunterricht per Computer notwendig wurde.

Diese Erfahrung zahlt sich jetzt aus, denn „der Fredl“ wie die Kindern ihn nennen, ist auch die Anlaufstelle bei den kleinen Wehwechen, die man sich zum Beispiel beim Toben auf dem Pausenhof zuziehen kann und wenn der Fredl hilft, dann ist es bereits nur noch halb so schlimm.

Auch Limmer hat ein richtig herzliches Verhältnis zu seinen Kindern. Schließlich betreut er all diejenigen, die schon vor dem Schulbeginn in die Schule kommen und es kann gut sein, dass das einige nur wegen ihm tun: Schließlich bringt ihnen Stefan Limmer in dieser Zeit Watten oder Neunerln bei.

Welche Früchte ein solch gutes Verhältnis trägt, zeigte sich, als ein Junge einmal mit einem Fluchtwegweiser in der Hand zu Stefan Limmer kam und erst zögerte und druckste bis es aus ihm herausbrach: „Mir ist egal was jetzt mit mir passiert, aber ich kann Sie nicht anlügen, Sie sind immer so nett zu uns: Ich hab das Schild mit meinem Schuh heruntergeschossen.“

Großes Herz für die Kinder

Für den ehemaligen Stadtgärtner Alfred Ehmann sind die Pflanzen in der Pauline Thoma Schule nicht bloß „Inventar“ sondern Lebewesen, um die er sich ebenso sorgsam kümmert wie um den ganzen Rest „seiner“ Schule.

Auch von Ehmann können die Schüler letzten Ende alles haben – wenn sie denn nur mit „seiner“ Schule sorgsam umgehen. Tun sie es nicht, können auch klare Worte fallen. Denn wie seine Kollegen fühlt er sich dem Bau und allem Inventar verpflichtet, als wäre es sein persönliches Eigentum.

Bei einem Unterrichtsumbau die Tische nicht zu tragen, sondern zu schieben und damit Gleitkanten und Boden gleichermaßen zu beschädigen, geht zum Beispiel gar nicht – „schon dieses Krrrrrrrr-Geräusch geht mir durch Mark und Bein“, so Ehmann und lacht. Wohlmöglich wäre aber selbst er im Moment für ein solches „Krrrrrrrrrr“ dankbar, denn da sind sich alle drei Hausmeister einig: Ohne unsere Schüler macht die Schule keinen Spaß. Aber ab Montag startet der Präsenz-Unterricht ja wieder – zumindest teilweise und in kleinem Rahmen .

Kommentare