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Hochwasserschutz in Kolbermoor

Sechs Meter hohe Spundwand entlang der Mangfall

Der Radweg an der Mangfall bei Pullach ist neu asphaltiert.
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Der Radweg an der Mangfall bei Pullach ist neu asphaltiert.

Kolbermoor – Der sechste Bauabschnitt für den Hochwasserschutz Kolbermoor ist in den letzten Zügen. Die Arbeiten sind zügig vorangeschritten und der Deich sowie die Zuführungen nehmen mehr und mehr Gestalt an. Kolbermoors Baurätin Iris Reitinger-Eß erläutert gegenüber dem Mangfall-Boten, was noch zu tun ist.

Was ist seit August an der Baustelle geschehen?

Iris Reitinger-Eß: Der Hochwasserschutzdeich mit Innendichtung wurde im Bereich zwischen Aiblinger Brücke und hinter der Bebauung Pullacher Au bis zur Staatsstraße fertiggestellt – auf eine Höhe des hundertjährlichen Hochwassers plus einen Meter Freibord. Die Böschungen wurden mit Magerrasen begrünt. Die bestehende Weiherkette wurde ertüchtigt. Ein Graben und eine teilweise Verrohrung dienen im Hochwasserfall der Ableitung des Gererbachs, der die Staatsstraße unterquert und bei Normalwasser in den Auwald fließt.

Was ist noch zu tun?

Iris Reitinger-Eß: Es ist noch der zweite Teilabschnitt auszuschreiben und auszuführen. Dieser besteht aus einer Spundwand entlang der Staatsstraße einschließlich Entwässerungsgraben und Schutzplanken. Außerdem wird noch das Teilungsbauwerk für den Gererbach errichtet.

Wo und wie tief wird die Spundwand in den Boden gerammt?

Iris Reitinger-Eß: Die Spundwand wird entlang der Staatsstraße mit einer Tiefe von circa vier bis sechs Metern in den Boden gerammt. Sie ist rund ein bis zwei Meter sichtbar, je nach Geländehöhe.

Wozu dient diese?

Iris Reitinger-Eß: Die Spundwand dient dem Hochwasserschutz der Mangfall und wird in diesem Teilabschnitt als Alternative zu einem Deich gebaut, um weniger Waldfläche in Anspruch nehmen zu müssen.

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Von welchem Zeitrahmen sprechen wir?

Iris Reitinger-Eß: Die Arbeiten werden demnächst ausgeschrieben und sollen im Winter 2021/2022 und Frühjahr 2022 ausgeführt werden. Die Fertigstellung ist für Sommer 2022 geplant.

Kann Frost den Arbeiten etwas anhaben?

Iris Reitinger-Eß: Die Spundwandarbeiten können im Winter durchgeführt werden. Die Erd- und Betonarbeiten werden dann im Frühjahr gemacht.

Warum ist das große Schild abgebaut worden?

Iris Reitinger-Eß: Die Bautafel an der Aiblinger Brücke wurde abgebaut, da dieser Teilabschnitt fertig ist. Die Bautafel an der Staatsstraße bleibt noch stehen.

Wie sieht es an der Kostenfront aus?

Iris Reitinger-Eß: Die Gesamtmaßnahme ist mit 3,35 Millionen Euro veranschlagt. Der erste Teilabschnitt liegt dabei mit circa zwei Millionen Euro voll im Kostenrahmen. Beim zweiten Teilabschnitt muss man die Ausschreibung abwarten.

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Sind die Damm-Spaziergänger verständig gewesen oder haben sie Absperrungen ignoriert?

Iris Reitinger-Eß: Die Spaziergänger haben sich weitestgehend an die Baustellenabsperrung gehalten. Es gab aber immer wieder unvernünftige Fußgänger, Radfahrer und sogar Autofahrer, die die Baustelle als Abkürzung nutzten. Der Weg dient künftig nur für Unterhaltungszwecke und nicht als Fuß- und Radweg, da er an der Staatsstraße endet.

Ist der Hochwasserschutz an der Mangfall nach dieser Maßnahme abgeschlossen?

Iris Reitinger-Eß: Nach Abschluss dieser Maßnahme besteht ein Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser für Kolbermoor. In Rosenheim sind noch Deichabschnitte zu ertüchtigen und das Rückhaltebecken Feldolling muss noch fertiggestellt werden. Diese Maßnahme kann unter hochwasserschutz-mangfall.de begleitet werden.

Der neue Deich hinter der Bebauung ist errichtet.

Sind die bisherigen Maßnahmen noch funktionell?

Iris Reitinger-Eß: Die Maßnahmen, die nach dem Raumordnungsverfahren 2000 geplant und durchgeführt wurden entsprechen dem Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser.

Wird das Augenmerk nun verstärkt auf die Gewässer dritter Ordnung gelegt nach den jüngsten Hochwassern?

Iris Reitinger-Eß: Für die Gewässer dritter Ordnung sind die Kommunen zuständig, die vom Wasserwirtschaftsamt beratend unterstützt werden sowie mit Zuwendungen beispielsweise im Rahmen des Sturzflut-Risikomanagements.

Gibt es heuer noch Bachabkehren?

Iris Reitinger-Eß: In regelmäßigen Abständen, alle zwei bis drei Jahre, werden am Mangfallkanal von den Kraftwerksbetreibern Bachabkehren durchgeführt. Das hängt vom Turnus ab.

Die Maßnahmen im Gesamtüberblick

Als Erstes wurde der Deich entlang der Mangfall westlich der Aiblinger Brücke bis zum Ende der Bebauung verstärkt. Der neue Deich verläuft nördlich der Bebauung an der Grenze zum Auwald bis zur Staatsstraße. Um die Stabilität zu erhöhen, wird er mit einer Innendichtung als Erdbetonwand versehen. Danach wird laut Wasserwirtschaftsamt Rosenheim im zweiten Bauabschnitt entlang der Staatsstraße hin zum Auwald eine Hochwassermauer aus Stahlspundwänden errichtet. Hintergrund der Maßnahme ist, dass aktuell noch eine Hochwassergefährdung für das Gebiet bis zum Kaltenbrunnbach besteht.

Das Wasser am Mangfalldamm – auf der Südseite zwischen Aiblinger Brücke und Mühlbachsiedlung in Bad Aibling – muss während der Bauarbeiten umgeleitet werden.

Seit 2001 wird am Hochwasserschutz Kolbermoor gearbeitet. Angefangen hat alles mit der Erhöhung des bestehenden Deiches im Bereich Spinnereiwehr bis Zugspitzstraße sowie dem Bau einer Binnenentwässerungsleitung. Es folgte eine Deichrückverlegung bis zur Staatsstraße zur Erhaltung des Retentionsraumes und eine Verlegung der Kaltenbrunnbachmündung. Der Mangfall stehen dadurch circa 120.000 Kubikmeter zusätzlicher Rückhalteraum zur Verfügung.

Der dritte Bauabschnitt umfasste den Abbruch der bestehenden Wehranlage (Spinnereiwehr) und den Neubau von zwei naturnahen aufgelösten Rampen.

Spundwände für den Sofortschutz

Nach dem Hochwasser 2013 wurden zum sofortigen Schutz Spundwände eingebracht. Aus statischen Gründen wurden im Teilabschnitt an der Brückenstraße Betonwände auf Bohrpfählen errichtet.

Im Bereich des Alten Friedhofs wurde 2017/2018 die noch verbliebene Lücke im Hochwasserschutz im Innenstadtbereich geschlossen. Dazu wurde auf der Wasserseite des Weges eine auf Bohrpfählen gegründete Betonmauer errichtet. Außerdem wurden am Friedhofsvorplatz Sitzstufen zur Mangfall gebaut. Dieser Bereich wird im Hochwasserfall mit mobilen Elementen geschlossen.

Der Bauabschnitt 05 erstreckte sich vom Walzenwehr bis zum umgebauten Spinnereiwehr. Die Deiche wurden an den Mangfallkanal zurückverlegt und mit einer Innendichtung sowie einer Binnenentwässerung (Aiblinger Brücke bis zur ehemaligen Mündung Kaltenbrunnbach) versehen.

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