Nach Ablehnung von Krematorium in Kolbermoor

Bürgerinitiative vs. Betreiber: Scharfe Argumente von beiden Seiten 

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Kolbermoor - Der Bürgerentscheid am Sonntag, 20. Oktober, hat endgültig Klarheit gebracht: Das geplante Krematorium am Neuen Friedhof wurde von einer deutlichen Mehrheit abgelehnt. Doch wie geht es nun weiter?

Die Stellungnahme der BI: 

Die Bürgerinitiative Kolbermoor reagiert nun auf Kritik und öffentlichen Gegenwind gegen ihre Wahlkampagne: "Wir haben lediglich alle legalen und demokratischen Möglichkeiten genutzt, um unsere Informationen und Fakten, die wir so gut wir konnten recherchiert haben, an die Kolbermoorer Bürger zu übermitteln", erklärt der Sprecher Robert Gerhard König schriftlich in einer Stellungnahme an die Presse. 

Man solle "nicht alles glauben was im Internet steht". Das habe man aus dem Bürgerentscheid von Kolbermoor gelernt. Dies sei in einem Kommentar von BR24 zu hören. "Man solle sich mit etablierten Medien eine objektivere Sichtweise verschaffen."

Weiter heißt es schriftlich: "Es ist eine Frechheit, die Wahrheit für sich in der Form zu beanspruchen. Die SZ suggeriert sogar, dass die Bürgerinitiative unter einer Decke mit der Steinmetz- und Natursteinlobby stecken würde und nach dem Floriansprinzip gehandelt hat. Das Ganze ist nicht gut recherchiert und nur eine Mutmaßung, die in den Raum gestellt wird ohne diese mit Fakten belegen zu können. Der Bedarf ist erwiesener Maßen in unseren Faktenchecks nicht vorhanden. Von dieser etablierten Zeitung hätten wir einen tiefgründigeren Kommentar erwartet."

"Vertane Chance für Kolbermoor"

Die Mitglieder der BI gehen noch weiter: "Der Bürgermeister wirft uns eine Wählerbeeinflussung durch aggressive Agitation, ein Spiel mit der Angst und eine Propanda mit Lügen vor und sagt, dass es eine vertane Chance für Kolbermoor ist. Der gleiche Bürgermeister propagiert aber beispielsweise in den lokalen Medien mit Pro und Contra kurz vor der Wahl und dass die Seelsorger das Projekt befürworten und unterstützen, was jedoch umgehend per Leserbrief durch den Kolbermoorer Seelsorger Maurus Scheurenbrand dementiert wurde, indem er die neutrale Position der evangelischen und katholischen Seelsorgern erneut klar stellte. Wir fragen uns: Wer hat hier tatsächlich eine vermeintliche Chance verpasst? Der Investor die EHG Dienstleistung GmbH an der Spitze mit Herrn Engmann ist verständlicherweise sichtlich enttäuscht über den Ausgang. Da aus unserer Sicht der einzige wahre Bedarf für eine neue Anlage im wirtschaftlichen Interesse des Betreibers begründet ist." 

Die Ablehnung eines Krematoriums habe nun aktuell nach dem Bürgerentscheid in Kolbermoor davor schon die Gemeinden Sauerlach, Feldkirchen-Westerham, Bruckmühl, Bad Aibling, Bad Feilbach und Rosenheim erwirkt. Die Kolbermoorer Bürger würden "als Buhmänner und St. Floriansjünger" dargestellt.

Das Zitat "Wer den Weg der Wahrheit geht stolpert nicht" könne laut BI "eine gute Ausgangssituation für weitere Anfragen des Investors an anderen Standorten" sein. Diese Quellen würden der BI vorwerfen, sie würden "die Stimmung vergiften und auf polemische Art und Weise die Diskussionen anheizen".

Abschließend betonen die BI-Mitglieder: "Wir wollen und werden hier nicht noch weiter darauf eingehen und trauen jedem Bürger zu, sich daraus seine eigene Meinung zu bilden. Wir finden es schade, dass man eine demokratische Entscheidung nicht einfach akzeptieren kann."

Bürgerinitiative Kolbermoor/mb

Statement des Bürgermeisters im Video: 

Die Kolbermoorer hatten mit 4.313 "Nein"-Stimmen gegenüber 2.900 "Ja"-Stimmen ein klares Votum abgegeben. Bereits am Sonntagabend hatten sich die Beteiligten in ersten Stellungnahmen geäußert. "Wir sind absolut erleichtert, dass es ein so eindeutiges Ergebnis geworden ist", sagte Klaus Zirngast, Sprecher der Bürgerinitiative. "Ich bin sehr froh, dass der Bürger sehr eindeutig entschieden hat", erklärte indes Bürgermeister Peter Kloo (SPD) und sagte, dass die Stadt Kolbermoor mit dem Ergebnis "sehr gut umgehen" könne. Kloo sprach zwar auch von einer "vertanen Chance" für Kolbermoor, akzeptierte aber gleichzeitig die Entscheidung der Wähler.

Wie geht es nun weiter?

Die Firma "EHG Dienstleistung GmbH", die bei einem positiven Entscheid das Krematorium betrieben hätte, zeigte sich in einer ersten Reaktion überrascht von der Deutlichkeit des Votums. Inzwischen hat das Unternehmen in einer Pressemitteilung, die mangfall24.de vorliegt, ausführlich Stellung bezogen. Darin heißt es, dass die EHG Kolbermoor mit der Anbindung an den Neuen Friedhof favorisiert hatte, weil dieser Standort alle für den Bau einer Feuerbestattungsanlage erforderlichen Standards erfüllt hätte. 

Da dies nun nicht mehr möglich sein, werde man nun nach Alternativen suchen. "Wir werden nun unsere an anderen Stellen in Südostoberbayern geführten Gespräche zur Lokalisierung geeigneter Standorte wieder aufnehmen, bis ein neuer Standort gefunden ist, weil wir auch in Zukunft im Interesse unserer Kunden und der Angehörigen orts- und zeitnah dem Bedürfnis der Menschen nach Feuerbestattung nachkommen wollen", hieß es.

"Art der Diskussion hat Klima vergiftet"

Das Unternehmen dankte zudem unter anderem neben Bürgermeister Kloo, den Stadträten und Vertretern der Kirchen ausdrücklich den 2.900 Kolbermoorern, die sich "von Angstmacherei, Fehlinformation und Hetze nicht verunsichern" hätten lassen. Zudem wurde all denjenigen gedankt, die sich nach Ansicht der Firma "an den rechtsstaatlichen Weg in einer Diskussion gehalten" hätten. In diesem Zusammenhang wurden auch gefälschte Pressemitteilungen, Drohbriefe, Verunglimpfungen und Fehlinformationen genannt.

Das Resümee fiel deswegen deutlich aus. "Wir waren überrascht und bedauern es, dass die von den Gegnern gewählte Art der Diskussion das Klima in Kolbermoor mehr vergiftet hat, als eine Feuerbestattung mit bestem Umweltstandard durch modernste Technik dies je gekonnt hätte", hieß es unter anderem wörtlich. Noch überraschter sei man jedoch gewesen, dass sich über 4.300 Kolbermoorer, von denen mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens 1.100 die Feuerbestattung als ihre Form der Beisetzung wählen werden, mit dieser Art der Diskussion gegen das Projekt haben mobilisieren lassen.

EHG Dienstleistung GmbH/mw

Quelle: mangfall24.de

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