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Leserbrief

„Wie wollen wir leben?“

Bild von Georg Kustermann
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Georg Kustermann, Jahrgang 1962, Vater zweier erwachsener Söhne, lebt und arbeitet zusammen mit seiner Frau als Zahnarzt in Kolbermoor.

Georg Kustermann aus Kolbermoor verfasste erneut einen Leserbrief zur aktuellen Lockdown-Situation:

Der Leserbrief im Wortlaut:

Jetzt wissen wir es also. Kaum wurde Innenminister Horst Seehofer positiv auf das SarsCov2-Virus getestet, befleißigten sich Regierungssprecher und Medizinjournalisten umgehend zu versichern, dass so ein Test bei einem klinisch Gesunden eigentlich nicht viel zu sagen hat: Bei Herrn Seehofer, bereits einmal geimpft, lägen nur ein paar Viren auf der Schleimhaut, bei fehlenden Symptomen aber keine (Zitat) „beunruhigende Nachricht“! Vielen Dank auch für diese Erklärung. Sie ist Wasser auf die Mühlen der vielgescholtenen Lockdown-Kritiker, die seit 14 Monaten gebetsmühlenhaft wiederholen, dass der PCR-Test lediglich RNA-Fragmente misst, aber nichts über die Ansteckungsgefahr eines positiv Getesteten aussagt.

Leider folgten den Informationen über den Seuchenbefund unseres Innenministers keine Erklärungen, warum dann ebenjener „völlig harmlose positive“ Test seit über einem Jahr zum Erheben von Inzidenzen verwendet wird, auf deren Basis unser Schulsystem, unsere Gastronomie, unser kulturelles Leben, unsere Bewegungsfreiheit, ja schlicht unser gesamtes Leben zum Erliegen gebracht wurde. Und schlimmer noch: Jeder Kritiker dieses gesellschaftszerstörenden Systems wurde pauschal als Corona-Leugner, Reichsbürger oder Rechtsradikaler diffamiert, was einen tiefen Riss in unsere Gesellschaft getrieben hat. Ich selbst komme politisch glasklar aus der linken Ecke: Nato-Doppelbeschluss, Pershing-Nachrüstung, Rechtsstaatlichkeit vor Wackersdorf und Atomausstieg, Klimapolitik insgesamt, das waren die Themen, die mich schon vor 40 Jahren auf die Straße getrieben haben und jahrzehntelang wurde ich dafür ein linker Träumer geheißen. Heute demonstriere ich wieder für Rechtsstaatlichkeit und einen ehrlichen Umgang der Politik mit ihren Bürgern und - welch eine Ironie - plötzlich werde ich ein rechter Reichsbürger oder gar eine Gefahr für unsere Gesellschaft genannt.

Der bekannte amerikanische Historiker Howard Zinn hat einst folgenden bemerkenswerten Satz geprägt: „Historisch gesehen resultieren die schrecklichsten Dinge wie Krieg, Genozid oder Sklaverei nicht aus Ungehorsam, sondern aus Gehorsam.“

In diesem Sinne sehe ich persönlich eher diejenigen als Gefahr, die ängstlich schweigen und vom bequemen heimatlichen Sofa aus dem successiven Abbau unserer Grundrechte zusehen. Diejenigen, die in selbstgefälligem Gehorsam feiernde Jugendliche denunziieren. Diejenigen, die Ihre Kinder ohne medizinischen Grund impfen lassen würden, mit einer Impfung ohne Langzeiterfahrung, welche lediglich die Geldspeicher der Pharmaindustrie weiter füllen wird. Diejenigen, die sich seit 15 Monaten nicht über den eingangs zitierten PCR-Test informiert haben, und die in blindem Gehorsam jeder noch so sinnbefreiten Maßnahme folgen, weil es die Inzidenz so befiehlt.

Ja, ich denke wie so oft in der Geschichte sind nicht diejenigen die Gefahr, die selbständig nachdenken, kritisieren und hinterfragen, sondern vielmehr diejenigen, die kritiklos und blind Regierenden hinterherlaufen, die mehr an Macht, Geld und eigener politischer Karriere interessiert sind als am Wohl der ihnen anvertrauten Bürger.

Geschichte wiederholt sich nie im Detail, aber die Muster sind wiederkehrend. Und deshalb sei allen Ängstlichen eines gesagt: Lebenswerte Gesellschaftssysteme wurden nie von den Mächtigen freiwillig aufrechterhalten, sondern immer von den Bürgern mit Protesten oder gar Revolutionen eingefordert. Oder anders formuliert: Der Rechtsstaat ist kein Selbstläufer, sondern er will immer und immer wieder verteidigt werden.

Zum Abschluss noch einmal eine Geschichte aus unserer Zahnarztpraxis: Zufälligerweise hatte ich binnen einer Woche vier verschiedene Menschen mit aktueller Auslandserfahrung auf dem Stuhl: Eine Dame, die ein Jahr lang in New York verbracht hat, einen Südafrikaauswanderer auf Heimatbesuch, einen befreundeten Arzt aus Norwegen sowie einen Masterstudenten, der drei Monate in London lebte. In einem waren sich alle einig: Nirgendwo werden die Lockdown- Regeln noch so sklavisch eingehalten wie bei uns, nirgends fällt der Weg zurück in ein normales Leben so schwer wie hier.

Wie so oft erstickt Deutschland im Korsett der eigenen Vorschriften und Regulatorien, unfähig dem gesunden Menschenverstand zu vertrauen. Nur dass dieses Mal ebenjene Regulatorien gleichbedeutend sind mit dem Verlust unserer Grundrechte und enorm vieler persönlicher Freiheiten. Und eines ist sicher: Wir werden in 10 Jahren in der Gesellschaft leben, die wir heute schaffen.

Georg Kustermann, Kolbermoor

Zur Person

Georg Kustermann, Jahrgang 1962, Vater zweier erwachsener Söhne, lebt und arbeitet zusammen mit seiner Frau als Zahnarzt in Kolbermoor. Er war 23 Jahre lang als Stadtrat für die Grünen im Kolbermoorer Stadtrat kommunalpolitisch aktiv. Von daher beschäftigen ihn nicht nur die medizinischen, sondern auch die sozialen und gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise.

Weitere Leserbriefe von Georg Kustermann:

„Bilanz nach einem Jahr Corona“

„Höchste Zeit, den zerstörerischen Generallockdown zu beenden!“

„Völlig unsinnig, Privilegien für Geimpfte einzuführen“

„Zwingend notwendig, unsere derzeitige Strategie zu überdenken“

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