Als Teil des neuen Friedhofs Kolbermoor *Mit Voting*

Am Rothbachl soll das zweite Krematorium der Region entstehen

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links: Der geplante Standort. rechts: Thomas Engmann von der Feuerbestattung Südostbayern.
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Kolbermoor - Im Rahmen einer Pressekonferenz zu anstehenden Bauprojekten und Planungen am Mittwochvormittag stellte Bürgermeister Peter Kloo (SPD) auch die Pläne für ein Krematorium vor, das am Rothbachl als Teil des neuen Friedhofs entstehen soll.

"Als wir vor 20 Jahren im Chiemgau nach einem Standort für die sich jetzt in Traunstein befindliche Feuerbestattungsanlage gesucht haben, war so etwas noch ganz undenkbar", berichtete Thomas Engmann von der Feuerbestattung Südostbayern. "Wir kamen zwar immer wieder relativ weit, aber es ist dann stets an Bürgerprotesten gescheitert. Im katholischen Bayern war das damals noch ein Tabu." Erst 2001 sei dann der Bau einer Feuerbestattungsanlage in Traunstein möglich gewesen. 

Dieses erste Konzept zeigt, wie die Anlage aussehen könnte.

Doch inzwischen habe sich die Bestattungskultur drastisch verändert. Deutschlandweit sei der Anteil der Feuerbestattungen auf 60 bis 70 Prozent gestiegen, in Kolbermoor habe er 2018 bei 66 Prozent gelegen, mit stark steigender Tendenz. "Die Friedhöfe in Kolbermoor haben zunehmend freie Kapazitäten durch eine Zunahme von Urnenbeisetzungen und die Auflösung von Grabstätten", erläuterte Bürgermeister Peter Kloo (SPD). Der neue Friedhof am Rothbachl sei im nordwestlichen Teil daher nicht belegt. Dort soll die Feuerbestattungsanlage nun entstehen.

Bürgermeister Kloo im Video zu dem Projekt:

"An uns sind andere Stellen schon 2008 mit so einer Idee herangetreten, doch nun gibt es, im Gegenteil zu damals, auch ein sehr konkretes und überzeugendes Konzept." Daher sei im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Stadtratssitzung eine Änderung des Bebauungsplans für das Gebiet beschlossen worden. Die Nichtöffentlichkeit sei auf Grund von mit den nun anstehenden Vorplanungen nötigen Vertragsabschlüssen nötig gewesen. Als Teil des Verfahrens würde nun auch die Öffentlichkeit informiert und einbezogen.

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Klarer Bedarf

"Wir sehen klar einen Bedarf für die Anlage", betonte Engmann. "Zum einen ist es immer mehr so, dass ein Bedarf nach Feuerbestattungen besteht. Gründe dafür sind beispielsweise, dass Angehörige immer seltener noch am Ort, wo die Verstorbenen bestattet werden wohnen. Viele wollen ihren Nächsten auch Umstände und Kosten eines Erdgrabes ersparen." Die nächstgelegenen Anlagen seien in Traunstein, München, Eggenfelden, Salzburg und Fürstenzell. "Jede der Feuerbestattungsanlagen hat einen Einzugsbereich von etwa 150 Kilometern. Allerdings wollen wir jene in Traunstein nicht noch erweitern und stattdessen hier im Raum Rosenheim einen Neubau errichten, welcher dann dem Bedarf hier im Umkreis nachkommt."

Bilder der Feuerbestattungsanlage in Traunstein:

Bilder der Feuerbestattungsanlage in Traunstein

Bei den Planungen wichtig gewesen sei, dass die Anlage nicht in einem Gewerbegebiet entstehen sollte. "Rein rechtlich wäre das durchaus möglich", so Engmann, "Aber es war uns, auch mit Rücksicht auf die Angehörigen, wichtig, dass sie Teil des Friedhofs wird." Zudem könnte so die bestehende Aussegnungshalle mit genutzt werden, ergänzte Bürgermeister Kloo. Die Anlage werde dann von der Feuerbestattung Südostbayern betrieben, die Bestattungen selbst würden Bestattungsunternehmen übernehmen.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • Das Gebäude soll im nordwestlichen Teil des Friedhofs, zur Straße hin entstehen. 
  • Es soll sich architektonisch an den vorhandenen Gegebenheiten orientieren. 
  • Räume für die Begleitung der Einäscherung durch die Angehörigen sind vorgesehen. 
  • Größere Aussegnungsfeiern könnten in der nahe gelegenen Aussegnungshalle stattfinden.
  • Zunächst soll eine "Ofenlinie" für die Einäscherung von etwa 3500 Verstorbenen im Jahr gebaut werden
  • Nach einigen Jahren soll eine zweite "Ofenlinie" mit derselben Kapazität hinzukommen.
  • Werktäglich würde in ein bis drei Schichten gearbeitet, mittelfristig seien fünf bis sechs Mitarbeiter beschäftigt.
  • Täglich sei mit 10 bis 30 Anfahrten zu rechnen, wobei die Angehörigen mit berücksichtigt sind.
  • Die Betreiber werden sich verpflichten, die Anforderungen des Gesetzgebers nennenswert zu unterschreiten, permanent den Stand der Technik umzusetzen und auch vom Gesetzgeber nicht vorgesehene Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen. 
  • Das Investitionsvolumen wird etwa 3,5 bis 5 Millionen Euro betragen. Die Umsetzung soll zwischen 2021 und 2022 stattfinden.

Anwohner sollen informiert und eingebunden werden

"Uns ist klar, dass das ein sensibles Thema ist und bei den Anwohnern erstmal Fragen aufwerfen wird", betonte Kloo. "Aber schon als uns das Konzept im Stadtrat vorgestellt wurde, konnten Bedenken rasch ausgeräumt werden." Die bereits bestehende Anlage in Traunstein sei eine Referenzanlage für ganz Deutschland, die es in dieser Form nur dort geben würde, betont Engmann. "Es mag makaber sein, in diesem Kontext darüber zu reden, aber natürlich muss man auch an den Umwelt- und Anwohnerschutz denken. Daher wird auch diese Anlage über eine hochmoderne Rauchgasreinigung verfügen." 

Die Anlieger würden sehr transparent informiert werden. Es werde auch am 25. Juni, ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses eine Informationsveranstaltung für alle Anwohner und Interessierte geben. 

Quelle: mangfall24.de

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