Bürgerentscheid zur geplanten Feuerbestattungsanlage

Krematorium Kolbermoor: Stadt und Investor klären auf

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Viele Interessierte waren am 17. September in den Kolbermoorer Mareissaal gekommen, um sich über das geplante Krematorium zu informieren
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Kolbermoor - Über die geplante Feuerbestattungsanlage in Kolbermoor am Neuen Friedhof "Am Rothbachl" werden die Kolbermoorer das letzte Wort haben. Stadt und Investor informierten nun in einer Infoveranstaltung.

Bürgerinitiative und Stadt hielten in Sachen geplantes Krematorium auf dem neuen Friedhof am Rothbachl in Kolbermoor jeweils eine eigene Informationsveranstaltung ab. Zudem lud der Investor, die EHG Dienstleistung GmbH zu einem Pressegespräch am 17. September ein, bei dem Bürgermeister Peter Kloo, Thomas Engmann, geschäftsführender Gesellschafter der EHG Dienstleistung GmbH und zwei Experten Rede und Antwort standen. 

Zum einen war Dr. Jörg Bachmann anwesend. Er ist promovierter Diplomchemiker und seit 30 Jahren in der Umweltanalytik tätig. Seit ca. 20 Jahren ist die Umweltanalytik im Bereich Kremationstechnik sein Spezialgebiet. Des Weiteren ist er Geschäftsführer der Institut für Umweltplanung und Raumentwicklung IFU GmbH in Heitersheim und Messstellenleiter mit Sitz in Leutenberg. Zum anderen Heiko Friederichs, geschäftsführender Gesellschafter der H.R. Heinicke GmbH aus Verden. Er ist langjährig verantwortlich für den Anlagenbau von Feuerbestattungsanlagen mit modernstem Standard und Dozent für die Ausbildung zum Geprüften Krematoriumstechniker.

Historie

"Im Frühjahr 2018 kam schon ein örtlicher Investor auf uns zu mit der Idee, ein Krematorium zu errichten", sagt Bürgermeister Peter Kloo. "Im Herbst dann die EHG." Man habe sich schließlich auf der Karte angesehen, dass es im dichtbesiedelten Raum eine Krematoriumslücke gebe. Laut Kloo habe die Stadt dann auch Gespräche mit Bestattern geführt, die bestätigten, dass Verstorbene zur Einäscherung bis nach Passau gebracht werden und es zu Engpässen komme.

Lage

Kolbermoors Erster Bürgermeister Peter Kloo

Die Feuerbestattungsanlage soll im westlichen Teil des Neuen Friedhofs am Rothbachl entstehen. "Die nächste Wohnbebauung ist etwa 100 Meter entfernt und es bestehen kaum Sichtbeziehungen", so Kloo weiter. "Da wir hier keine direkte und es auch keine heranrückende Wohnbebauung geben wird, haben wir den Standort im Stadtrat intensiver diskutiert. Außerdem habe man den Standort Friedhof mit Seelsorgern besprochen, die ihn auch begrüßen. Kloo bezieht sich zudem auf ein Urteil des BGH, das einen Friedhof als den geeignetsten Standort für eine Feuerbestattungsanlage ansieht. Der Standort Friedhof ermögliche einen pietätvollen und würdigen Umgang mit dem Thema Feuerbestattung. 

"Das Krematorium ist ein Angebot der kommunalen Daseinsvorsorge vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Bestattungskultur. Daher gab es den parteiübergreifenden Mehrheitsbeschluss im Stadtrat, das Projekt in Kolbermoor durchzuführen", so Kloo weiter. "Da dieses Thema aber emotional sehr stark besetzt ist, wird die Entscheidung dem Bürger auf dem Wege eines Bürgerentscheides zur Abstimmung vorgelegt."

Kolbermoorer haben das letzte Wort

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 31. Juli einstimmig beschlossen, einen Bürgerentscheid vorzubereiten. Am Sonntag, den 20.10.2019 werden also die Kolbermoorer von 8 bis 18 Uhr folgende Frage beantworten können:

"Sind Sie dafür, dass die Stadt Kolbermoor die rechtlichen Voraussetzungen dafür schafft, dass auf Teilflächen der Fl.-Nrn. 2699/1 und 2700 im nordwestlichen Teil des Friedhofs Am Rothbachl eine Feuerbestattungsanlage errichtet werden kann?"

14.712 Abstimmungsberechtigte gibt es, das Quorum beträgt 20% was 2.942 Stimmen entspricht. Das heißt, wird von der einfachen Mehrheit das Quorum nicht erreicht, bleibt das Ergebnis ohne rechtliche Bedeutung. Dann muss der Stadtrat darüber abstimmen. Kloo appelliert an die Bürger zur Wahl zu gehen.

Zahlen und Fakten von Seiten der EHG

Thomas Engmann, geschäftsführender Gesellschafter der EHG Dienstleistung GmbH

Im Anschluss an Bürgermeister Kloo referierte Geschäftsführer Thomas Engmann über sein Vorhaben. Laut Engmann erreichen die EHG und die Feuerbestattung Südostbayern GmbH in etwa zwei Jahren in Traunstein die Kapazitätsgrenze der dortigen zwei Ofenlinien. "Die Bestattungskultur hat sich deutlich verändert", sagt Engmann. "Bundesweit entscheiden sich mittlerweile 70 Prozent der Menschen für einen Einäscherung. In Bayern sind es 60 Prozent."

Nach ersten konkreten Planungen in 2018, eine weitere Feuerbestattungsanlage in Rosenheim zu errichten, habe man mangels nachhaltiger Unterstützung ein Alternativstandort zwischen Rosenheim und München gesucht, erklärt Engmann. "Gespräche mit verschiedenen Gemeinden haben zur Präferenz für den Neuen Friedhof der Stadt Kolbermoor zur Realisierung des Projektes geführt. Nach Vereinbarung eines Erbbaurechtsvertrags und Abschluss des Bauleitplanverfahrens soll hier 2022 eine Feuerbestattungsanlage (FB) im Konzept der FB Traunstein errichtet werden.

Vorgesehen sei zunächst eine Ofenlinie für die Einäscherung von 3.500 Verstorbenen pro Jahr gebaut werden. Nach einigen Jahren soll dann eine zweite Ofenlinie für weitere 3.500 Einäscherungen pro Jahr hinzukommen. Das Gebäude soll sich architektonisch an den vorhandenen Gegebenheiten orientieren. Im Krematorium selbst seien Räume für die Begleitung der Einäscherung durch Angehörige vorgesehen. "Größere Aussegnungen erfolgen in der städtischen Aussegnungshalle", so Engmann. 

"Werktäglich wird in ein bis drei Schichten gearbeitet und mittelfristig werden fünf bis sechs Mitarbeiter beschäftigt sein." Laut Investor könne man mit etwa zehn bis 30 Anfahrten pro Tag rechnen. Die Abwärme werde betrieblich genutzt und auch an die Stadt übergeben.

+++ Quecksilber, Radioaktivität, Bedarf, Standort und vieles mehr - alle aus der Bürgerschaft gestellten Fragen, die Antworten der Experten und die in der eigenen Infoveranstaltung dargelegten Argumente der Initiative gegen das Krematorium werden wir in einem gesonderten Artikel behandeln.+++

Quelle: mangfall24.de

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