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E-Autos fordern die Rettungskräfte

Bayernweit erstes Spezialtraining: Feuerwehr übt in Kolbermoor Brandeinsatz am Elektroauto

Weißer Rauch signalisiert, dass die Elektrolyte der Batterie verdampfen. Die Gase sind giftig. Alle Rettungsarbeiten setzen Atemschutzeinrichtung und Pressluft voraus.
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Weißer Rauch signalisiert, dass die Elektrolyte der Batterie verdampfen. Die Gase sind giftig. Alle Rettungsarbeiten setzen Atemschutzeinrichtung und Pressluft voraus.

Weißer Rauch, giftige Gase und orangerotes Kabel – keine guten Vorzeichen bei einem Unfall mit einem E-Auto. Was im Ernstfall zu tun ist, wird den Einsatzkräften der Feuerwehr jetzt mit Spezialtrainings vermittelt.

Kolbermoor – Die im Fahrzeug eingeklemmte Person schreit fortwährend. Nicht nur vor Schmerzen, sondern auch aus Angst: Das noch funktionierende Display am Armaturenbrett zeigt, dass die Temperatur der Batterieanlage des verunglückten Elektroautos fortwährend steigt. Dennoch haben Daniel Rothmaier und Christian Kern eigentlich eine gute Nachricht: Brände von Elektroautos laufen in der Realität so gut wie nie derart extrem ab, wie in manchen Fernsehserien um des Effektes willen dargestellt.

Die beiden wissen, wovon sie sprechen, denn sie schulen mit ihrer Firma Q4Flo bundesweit Feuerwehren zu diesem Thema. Seit April nicht nur in theoretischen Lehrgängen, sondern auch bei praktischen Übungen mit entsprechend aufbereiteten Fahrzeugen. So auch am Samstag, 9. Juli, in Pullach, bei der sich das geschilderte Szenario abspielte.

Christian Kern überprüft, ob der Schalter, mit der die Hochvoltanlage des Fahrzeuges „abgeklemmt“ werden kann, vom Teilnehmer richtig bedient wird.

Realitätsnahes Szenario

Dort fand auf Initiative der Kreisbrandinspektion Rosenheim das erste derartige Training in Bayern statt. 24 Feuerwehrler aus dem Landkreis konnten realitätsnah verschiedene Brandszenarien üben. Ihr Fazit am Ende des Trainings bestätigte, was ihnen Daniel Rothmaier und Christoph Kern zu Beginn versichert hatten: Die Besonderheiten bei den Bränden elektrischer Fahrzeuge lassen sich am Ende auf wenige Punkte herunterbrechen. Darunter sind vor allem zwei Eigenheiten wichtig: Brandeinsätze an elektrischen Fahrzeugen dauern meist deutlich länger als normale Fahrzeugbrände, weil eine Batterieanlage – ob nun schon in Brand geraten oder kurz davor – über längere Zeit und mit großem Wassereinsatz gekühlt werden muss, bis sie nicht mehr als potenzieller Brandherd in Frage kommt.

Süßlicher Geruch steigt auf

Gefährlicher ist die Tatsache, dass bei einem Batteriebrand meist giftige Gase ausströmen, Ursache ist die Vergasung der in den Batteriekomponenten enthaltenen Elektrolyte. Eindeutiges Kennzeichen für diese Vergasung sind weiße Rauchschwaden, die für einen Fahrzeugbrand eigentlich unüblich sind und zudem einen beißend süßlichen Geruch haben. Von daher nähern sich die Feuerwehren, wenn schon bei der Alarmierung klar ist, dass es sich bei dem Einsatz um den Brand eines Elektrofahrzeugs handelt, der Einsatzstelle meist von vornherein nur mit entsprechenden Atemschutzeinrichtungen.

Auch die Tatsache, dass solche Brandeinsätze lange dauern und sehr viel Wasser erfordern können, ist in den entsprechenden Einsatzplänen, in denen Zahl der Einsatzkräfte und Fahrzeuge festgelegt sind, schon jetzt berücksichtigt.

Retter müssen schnell handeln

Realitätsnaher Stress trotz Übungscharakter kam bei dem eingangs geschilderten Szenario vor allem deswegen auf, weil die Retter aus Gründen der Eigensicherung nicht sofort zu der um Hilfe schreienden Person ins Fahrzeug kommen konnten, denn dort war ein orangerotes Kabel zu sehen. Orangerot heißt bei Elektrofahrzeugen immer, dass dies eine Komponente ist, die zur Hochvolt-Anlage gehört.

In der Realität ist ein solches Szenario übrigens eher selten, könnte nur dann auftreten, wenn in Folge des Unfalls Komponenten aus dem Motorraum in die Fahrgastzelle verschoben wurden. Es galt hier – wie prinzipiell bei allen Unfällen mit Elektrofahrzeugen zunächst die Hochvoltanlage abzuschalten. Mit dem Abschalten der Hochvoltanlage ist die Fahrgastzelle sicher, die Batterie selbst aber bleibt ein Brandpotenzial. Um festzustellen, wie nahe an einem möglichen Durchgehen sie ist, wird deshalb während des Einsatzes ihre Temperatur fortwährend mit einer Art Fernthermometer oder auch einer Wärmebildkamera überprüft und versucht, sie gegebenenfalls mit massivem Wassereinsatz zu kühlen.

Schnellstmöglich aus Fahrzeug retten

So auch bei der Übung. Dennoch wurde hier ein Durchgehen der Batterie simuliert, erkenntlich am aufsteigenden weißen Rauch. Für die Einsatzkräfte bedeutete dies eine sofortige Änderung der Einsatztaktik: Keine Versuche mehr, denn Verunglückten möglichst behutsam aus dem Fahrzeug zu bringen, sondern rausholen, und zwar schnellstmöglich.

Der große Praxisnutzen dieses Übungstages, wie etwa Johann Reck, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Thansau feststellte, liege in den Überraschungsmomenten, die eingebaut waren. „Auf die musste schnell reagiert werden.“

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