Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Blick hinter die Kulissen

„Schmutzig, aber glücklich“: So läuft es im Naturnahen Kindergarten in Kolbermoor

Im naturnahen Kindergarten ist der Herbst angekommen – um die Hütten liegen Unmengen an Blättern.
+
Im naturnahen Kindergarten ist der Herbst angekommen – um die Hütten liegen Unmengen an Blättern.

Vor etwa einem Monat sind zwei Gruppen in den naturnahen Kindergarten an der Hölderlinstraße eingezogen. Was machen die Kleinen den ganzen Tag und wie haben sie sich eingelebt?

Kolbermoor – Die Jungen und Mädchen rennen durch die Gegend und wirbeln die herabgefallenen Blätter durch die Luft. Es ist etwas kalt, das ist ihnen aber egal. Sie sind dick eingepackt, tragen Mützen, Jacken, Matschhosen und Gummistiefel. Die wetterfeste Kleidung nutzen die Kinder aus. Sie rutschen durch den Matsch, lachen und kreischen, freuen sich mit ihren Freunden. Es ist ein schöner Ort, die Kleinen wirken gelöst und frei.

Eltern sind „super entspannt“

„Das Warten hat sich gelohnt“, sagt Anna-Maria Wühr, Leiterin des Kindergarten Heilige Dreifaltigkeit. Der Einzug hatte sich wegen Lieferschwierigkeiten von Baumaterial um vier Wochen verzögert. Die Gebäude wurden auch erst mit Ersatzmöbeln ausgestattet. Nun sind die neuen Tische, Stühle, Regale und Garderoben endlich da. Es fehlen nur noch „ein paar Kleinigkeiten“ wie Lampen und Vorhänge.

Wurzeln, Stöcke und Steine – Erzieherin Martina Klingseisen gibt den Kindern Naturmaterialien zum Spielen.

Für die Kinder spielt das keine Rolle. „Wie selbstverständlich“ hätten sie sich eingelebt. Auch die Eltern seien „super entspannt“ und zufrieden mit dem Konzept. Sie vertrauen dem Team, dass alles gut läuft. Diese Rückmeldung habe Wühr beim ersten Elternabend bekommen. „Die Kinder kommen zwar schmutzig, aber glücklich zurück“, sagt die Leiterin. Deshalb brauchen sie wetterfeste Kleidung für ihre Erkundungstouren.

Lesen Sie auch: Lange Lieferzeiten für Baustoffe: Kindergartenneubau in Kolbermoor verzögert sich

Im Matsch buddeln und auf Bäume klettern

Regenfeste Jacken und Schuhe verstauen die Kinder in der Garderobe.

Denn auf dem Gelände um den Tonwerkweiher können die Jungen und Mädchen viel erleben. Die Gruppe des Kindergartens Heilige Dreifaltigkeit hat bereits den Platz um die Häuser erforscht, war am Weiher oder auf dem Spielplatz und hat sogar Eichhörnchen erspäht. Die Kinder haben im Matsch gebuddelt und sind auf Bäume geklettert. Auch Laternen und Drachen haben sie gebastelt und viel gesungen. „Die Kinder fühlen sich auf jeden Fall wohl“, sagt Erzieherin Antonia Meier. Das liege vor allem an dem freien und offenen Konzept.

„Toller Ausgleich“ für die Kinder

Leiterin Wühr ist überzeugt, dass ein naturnaher Kindergarten mehr Möglichkeiten eröffnet, als ein „normales“ Haus. Die viele Zeit draußen, die frische Luft und die Achtsamkeit gegenüber der Natur sei ein „toller Ausgleich“ für die Jungen und Mädchen.

„Kleine Füße machen kleine Schritte“

Eine gemütliche Ecke mit Sitzkissen und Matratzen sowie Tische für die morgendliche Brotzeit.

Neben dem Kindergarten Heilige Dreifaltigkeit ist auch das „Haus für Kinder“ Träger des Projekts. Deren Gruppe hat noch keinen finalen Tagesablauf. Im Moment kommen die Kleinen morgens an und machen Brotzeit. Im Morgenkreis besprechen die Erzieherinnen mit den Kindern, was sie heute machen wollen. Sie singen Lieder wie „Der Herbst ist da“. Dann geht die Gruppe gemeinsam nach draußen – aber noch nicht sehr weit. „Kleine Füße machen kleine Schritte“, sagt Erzieherin Martina Klingseisen. Deshalb erweitern sie den gewohnten Kreis langsam.

Baumstämme als Brotzeittisch

„Wir sind noch mitten in der Eingewöhnung“, bestätigen ihre Kolleginnen Lorna Stephen und Juli Finsterwalder. Momentan begleiten einige Eltern ihre Kinder noch, damit sie gut ankommen. Es scheint, als gelinge das Vorhaben. Die Jungen und Mädchen sitzen auf dem Gitter vor den Hütten – wie die Hühner auf der Stange. Jeder hat einen kleinen Baumstumpf vor sich, als Tisch umfunktioniert. Damit sie ihre Brotzeitboxen abstellen können. Es gibt kleine Brote, Karotten, Gurken oder Äpfel. Praktikantin Paula schenkt Wasser in ihre kleine Tassen ein.

„Lauschspiel“ mit dem Specht

Die Kinder machen gern Brotzeit. „Weil wir viel draußen sind, brauchen sie viel Energie“, sagt Klingseisen. Denn die Kleinen „kraxeln“ fleißig auf Bäume oder besuchen das Hexenhaus aus Stöcken, das eine andere Kindergartengruppe gebaut hat. Sie spielen „Verstecken mit dem Specht“. Dabei klopfen die Kinder auf einen Baumstamm, um einen Specht zu finden. Es ist ein „Lauschspiel“.

„Nicht spielzeugfrei, aber spielzeugarm“

Nicht nur die Spiele sind besonders im naturnahen Kindergarten, sondern auch das Spielzeug. „Wir sind nicht spielzeugfrei, aber spielzeugarm“, sagt Klingseisen. Die pädagogischen Fachkräfte versuchen eine reizarme, ruhige und entspannte Atmosphäre zu schaffen. Studien hätten bewiesen, dass das den Jungen und Mädchen guttut, erzählt die Erzieherin. Deshalb gibt es kein Plastikspielzeug wie Autos oder Puppen. „Manche Eltern überrascht das, aber dann sehen sie, wie kreativ ihre Kinder sind“, sagt die Erzieherin.

Das könnte Sie auch interessieren: Der naturnahe Kindergarten in Kolbermoor öffnet: „Es wird spannend ab Montag“

„Unendlicher Raum für Kreativität“

Die Bastelecke mit bunten Stiften und allerlei Naturmaterialien.

Ein Junge habe sich sogar selbst ein Auto gebastelt – aus Naturmaterialien. Denn die Kleinen spielen und basteln mit Eicheln, Blättern oder Stöcken. Auch Gegenstände des täglichen Alltags gibt es zum Spielen, etwa große Holzlöffel oder Trichter. Pinzetten sind „heiß begehrt“. Die Kinder hätten viele Ideen und noch nie habe eines gesagt: Mir ist langweilig. „Der Raum für Kreativität ist unendlich und hat hier so viel Platz, weil nicht alles vorgegeben ist“, sagt Klingseisen.

Auch den fünf Erzieherinnen und dem Erzieher gefällt es im naturnahen Kindergarten. „Wir fühlen uns willkommen“, sagt Stephen. Die Nachbarn hätten die Gruppen freundlich empfangen und begrüßt. Wenn sie an den grauen Häusern vorbeispazieren, sehen sie, wie viel Freude die Kinder in der Natur haben. „Das zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht.“

Kommentare