Sexuelle Belästigung im Modemarkt?

Kolbermoor - Angeblich für karitative Zwecke kaufte ein Obstbauer aus Meran in Geschäften der Region Kleidung ein. Jetzt landete er vor dem Aiblinger Amtsgericht: Der Grund ist pikant.

Bedeutend billiger als in Italien kann man offensichtlich in Deutschland Bekleidung kaufen. Angeblich für karitative Zwecke kaufte ein Obstbauer aus Meran in Rosenheimer, Kolbermoorer und Aiblinger Geschäften Damen- und Herrenbekleidung ein. Diese verbrachte er dann nach Italien, wo seine Familie die, so seine Angaben, an Bedürftige weiterleitete. Jetzt landete er vor dem Aiblinger Amtsgericht.

Kleidung für Bedürftige - soweit ein lobenswertes Unterfangen. Allerdings erwartete er, wie er sagte, als guter Kunde, etwas zu viel an Toleranz seitens des Verkaufspersonals.

Als er im März dieses Jahres in einem Kolbermoorer Modemarkt die Verkäuferin die Größe seiner Hose kontrollieren ließ, hielt er ihr nicht nur das Größenetikett, sondern auch seinen erigierten Penis entgegen. Die Verkäuferin war nicht amüsiert, schickte ihn aus dem Geschäft und, als er das nicht verließ, rief sie die Polizei. Auf der Wache erklärte er laut Protokoll, es wär nur "a Hetz" (eine Gaudi, ein Spaß) gewesen.

Gegen den folgenden Strafbefehl über 750 Euro erhob er Einspruch.

Nun vor dem Aiblinger Amtsgericht erklärte er im treuherzigsten Südtirolerisch, die Unterhose sei ihm beim Ausziehen nur versehentlich mit hinab gerutscht. Er sei körperbehindert, und da würde das ohne jegliche sexuelle Absicht immer wieder einmal geschehen.

Ganz anders schilderte das die Verkäuferin als Zeugin. Der Angeklagte habe zunächst nur die Hose abgestreift, damit sie das Größenetikett überprüfen könne. Erst später hätte er - fraglos absichtlich - auch die Unterhose zu den Knien hinab gestreift und ihr das eregierte Glied entgegen gehalten. Als sie ihm später Hausverbot erteilt und erklärt habe, sei er dennoch mehrmals wieder in das Geschäft gekommen.

Der Polizeibeamte, der den 62-Jährigen anschließend vernommen hatte, bestätigte dem Gericht, dass der Angeklagte auf seine Frage nach dem Warum geantwortet habe: "zwengs da Hetz" - spaßeshalber. Auf Nachfrage des Gerichtes erklärte der Angeklagte sinngemäß, dass man bei einem guten Kunden wie ihm nicht so pingelig sein müsse.

Die Vorsitzende Richterin, Isabella Hubert schlug ihm daraufhin vor, er möge doch solches Verhalten in Norditalien praktizieren. Da würde die Toleranz gegenüber Kunden wohl auch ganz schnell ein Ende finden. Im Übrigen schlug sie ihm vor, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl nochmals zu überdenken. "Bei einem Strafbefehl geht das Gericht davon aus, dass Sie geständig sind. Diesen Bonus haben sie bei einem Einspruch nicht mehr. Es wird also für Sie keinesfalls billiger. Nach der jetzigen Beweislage gibt es keinesfalls einen Freispruch. Das heißt, es wird für Sie erheblich teuerer werden."

Nachdem dies dem Südtiroler mehrmals erläutert worden war und die Staatsanwältin zudem damit drohte, einer Rücknahme womöglich nicht mehr zuzustimmen, begriff der Mann: "Wann's nit billiger werd, dann nimm i's holt z'ruck". Damit war er gut beraten.

au/Mangfall-Bote

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