Solide Finanzlage: "Gut abgesichert"

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Kolbermoor - Finanzkrise, Schuldenkrise, leere Kassen - europaweit überschlagen sich die schlechten Nachrichten. Doch wie sieht die finanzielle Situation der Stadt Kolbermoor aus?

Dem ging der Deutsche Sparkassen- und Giroverband im Rahmen des Projektes "Kommunale Verschuldungsdiagnose" nach. Das Ergebnis der Analysen von Bayern LB und der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling: Die Gesamtverschuldung von gut 25 Millionen Euro ist überwiegend gut abgesichert, die durchschnittliche Verzinsung liegt unter dem bayernweiten Schnitt.

"Kompliment an den Kämmerer, sehr gut gehaushaltet", war Günther Ippisch von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling bei der Präsentation der Verschuldungsdiagnose für Kolber vor dem Stadtrat voll des Lobes. Das Fazit der Analyse: Die Gesamtverschuldung der Stadt von rund 25,6 Millionen Euro ist zum überwiegenden Teil gut abgesichert, einzig 2013 liefen drei Darlehen gleichzeitig aus, was Handlungsbedarf erfordere.

Im Jahr 2009 hatte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband das bundesweite Projekt "Kommunale Verschuldungsdiagnose" ins Leben gerufen, an dem sich die regionalen Sparkassenverbände mit Unterstützung der Landesbanken einbrachten. Sie analysierten das Kredit- und Derivatportfolio der teilnehmenden Kommunen, darunter auch das der Stadt Kolbermoor (seit 2011), um damit eine Grundlage zur Steuerung der Schulden und Liquidität zu erhalten, wie eingangs Sparkassen-Vertreter Ippisch erklärte. "Wir wollen damit die Risiken für die Kommunen identifizieren und überlegen uns dann Strategien, wie man diese eindämmen kann", so Ippisch weiter. Deutschlandweit hätten sich an die 900 Kommunen an dem Projekt beteiligt, in Bayern etwa 100.

Die Analyse an sich präsentierte schließlich Andreas Gärtner von der Bayern LB, die sich in zwei Schwerpunkte unterteilt: die Analyse des Ist-Bestands und darauf aufbauend dann die Vergleichsanalyse. Im ersten Teil wurde dabei das Schuldenportfolio unter die Lupe genommen, um damit eine Basis für die weitere Entscheidung im Zinsmanagement zu geben, im zweiten Teil des Projektes sollten zusätzliche Erkenntnisse über die Haushaltssituation vor Ort gewonnen werden. Zudem verschaffte der Bayern LB-Vertreter dem Stadtrat einen umfassenden Überblick über die aktuelle Zinssituation, die Bewegung in den Zinsmärkten und die Auswirkungen der Krisen - angefangen mit Portugal 2010, jetzt Griechenland.

Als "gut abgesichert" beurteilte Gärtner die Kredite der Stadt Kolbermoor im Jahr 2012, einzig 2013 sah der Berater Handlungsbedarf: In diesem Jahr liefen drei Darlehen über insgesamt 3,5 Millionen Euro aus, was mit 17 Prozent der Gesamtverschuldung ein gewisses Risiko mit sich bringe - gleichzeitig aber auch eine Chance, wie er weiter ausführte. Denn die Frage sei: Mit welchem Zinssatz könne man rechnen?

Lob hatten die Bankenvertreter für das bisherige Zinsmanagement von Kämmerer Johann Roith, Kolbermoor liege mit einem Durchnittszins von 3,23 Prozent unter dem Schnitt der bayerischen Kommunen. In punkto "Zinsänderungsrisiko" liege die Mangfallstadt im bayerischen Durchschnitt.

Im sich anschließenden nicht öffentlichen Teil der Sitzung führten die beiden Bankvertreter dann die Möglichkeiten für die Stadt in punkto Zinsmanagement und Zinssicherung aus. Über entsprechende Angebote will der Stadtrat in einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden.

Bürgermeister Peter Kloo verwies abschließend auf die vorwiegend langfristigen Investitionen, insbesondere in die Infrastruktur, welche die Stadt tätige. "Wir schaffen Gegenwert, stellen Schulen, Kindergärten und Straßen zur Verfügung", betonte der Rathauschef, was Sparkassen-Vertreter Ippisch unterstrich: "Über 50 Prozent der Schulden sind rentierliche Schulden, die über Gebühren wieder in die Stadtkasse zurückfließen."

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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