Wartezeiten sollen sich halbieren

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Ist bereits ampelfrei gestaltet: die Rechtsabbiegespur aus der Carl-Jordan-Straße in die Staatsstraße. Auch sie hat die so genannten Dreieicksinseln.

Kolbermoor - Gut 26.000 Autos passieren täglich die Staatsstraße Rosenheim-Bad Aibling im Bereich der Kreuzung mit der Carl-Jordan-Straße und der Straße Am Rothbachl. In Stoßzeiten bricht der Verkehr zusammen.

Ein Gutachten, das das Staatliche Bauamt in Auftrag gegeben hatte, kam bereits 2009 zu dem Ergebnis, dieser Abschnitt sei als Qualitätsstufe „E“ einzustufen – der schlechtest möglichen. Mit dem Einbau von zwei ampelfreien und deutlich verlängerten Rechtsabbiegespuren sowie der Verlängerung der Linksabbiegespur Richtung Zentrum soll die Lage verbessert werden.

Bereichsleiter Claus-Dieter Olk und Barbara Hasenknopf als Projektingenieurin vom Staatlichen Bauamt Rosenheim stellten die Planung in der jüngsten Sitzung des Kolbermoorer Stadtrates vor. Kolbermoor wird 27,3 Prozent der Baukosten übernehmen müssen - voraussichtlich 232.000 Euro. Baubeginn soll Mitte August sein, und nach der Fertigstellung der Umbauten Ende 2011 soll immerhin die Qualitätsstufe "C" erreicht werden: "mittel".

Claus-Dieter Olk hatte erinnert, dass man das Zusammenspiel des Verkehrs im kompletten Bereich Aicherpark/Staatsstraße/Rosenheimer Straße/Carl-Jordan-Straße untersucht habe. Die "Mc Donalds-Kreuzung" habe sich als einer der Knackpunkte herausgestellt. Den Einbau eines Kreisverkehrs habe man ausschließen müssen - für einen ausreichend großen Kreisel ist kein Platz. Ein kleiner Kreisel würde "nur knapp" funktionieren und dafür trotzdem massive Eingriffe in Privateigentum erfordern. Die erste Empfehlung war dann, die Ampelschaltung nochmals zu verbessern - aber "signaltechnisch ist an dieser Stelle nichts mehr zu machen", so Olk.

Dann entschied man sich für den Einbau von ampelfreien Rechtsabbiegespuren - von Bad Aibling kommend Richtung Aldi und von Rosenheim kommend Richtung Zentrum. Die Rechtsabbieger können also selbstständig abbiegen, und da ihre Spuren mittels sogenannter Dreiecksinseln abgetrennt sind, kann der Fußgänger die Fahrbahn in mehreren Etappen queren. Für das Queren der Hauptbahn braucht er folglich weniger Zeit - die Autos können im Gegenzug längere Grünphasen bekommen. Zudem wird die Richtungsabbiegespur aus Rosenheim auf 350 Meter verlängert; sie beginnt dann bereits an der Wendelsteinstraße. Die Zufahrt von der Mitterharter Straße her wird geschlossen. Die Rechtsabbiegespur zum Rothbachl wird auf 80 Meter verlängert; beginnt dann auf Höhe Sportplatz. Auch die Linksabbiegespur Richtung Zentrum wird noch einmal verlängert - auf 250 Meter.

Der Verbreiterung fallen die Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Geh- und Radweg zum Opfer; eine Entwässerung wird deshalb erforderlich. Die Geh- und Radlwege werden zum Großteil auf drei Meter verbreitert.

Die Querungsbereiche an den Dreiecksinseln werden behindertengerecht gestaltet, wie Barbara Hasenknopf ausführte. Rillen- und Noppenplatten helfen etwa Sehbehinderten bei der Orientierung.

Die Arbeiten werden, so Hasenknopf, mit den Geh- und Radwegen beginnen. Der letzte Abschnitt, die Deckensanierung mit dem Abfräsen, wird in Nachtarbeit an fünf Werktagen erfolgen. Die Umleitung wird dann über die Äußere Münchner Straße, Aicherpark, Rosenheimer Straße und Brückenstraße eingerichtet. Zwei Bäume sind dem Vorhaben im Weg. Nach der landschaftspflegerischen Planung wird als Ersatz eine Baumreihe zwischen der Wendelstein- und der Geigelsteinstraße gepflanzt.

Die Gesamtkosten werden sich auf 1,065 Millionen Euro belaufen. Darin enthalten sind 215.000 Euro für die Deckenverstärkung, welche das Staatliche Bauamt Rosenheim allein übernimmt. Die Stadt Kolbermoor muss aber zu ihrem Anteil von 232.000 Euro die Kosten der Änderung der Straßenbeleuchtung übernehmen.

Mit diesen Maßnahmen, so die Vertreter des Staatlichen Bauamts, werden aber nicht die Autozahlen abgebaut - die Abwicklung wird nur verträglicher. Man geht von einer Halbierung der Wartezeiten aus.

Die Stadträte hatten zahlreiche Fragen zu den Planungen. Etwa, ob eine Überführung mittels Stahlbrücken oder eine Untertunnelung der Staatsstraße für Fußgänger sinnvoll seien. Beides verwarf Olk. Auch ein Kreisverkehr an dieser Stelle sei wirklich nicht möglich. Was man denn generell noch zur Verbesserung der Verkehrssituation machen könne, wollten die Stadträte ebenso wissen. Bürgermeister Peter Kloo bat an dieser Stelle allerdings dringend, jetzt nicht in eine Grundsatzdiskussion zum Thema "Verkehrsvermeidung" einzusteigen. Die Diskussion über zukünftige Verkehrsführungen gehörte zudem in der gesamten Region geführt, meinte er, "das betrifft alle". Das Staatliche Bauamt rechnet bis 2020 noch mit einem leichten Anstieg des Verkehrsaufkommens; dann - wegen der demographischen Entwicklung - wieder mit einem leichten Rückgang. Der Neubau der Westtangente werde sich auf die Kreuzung Staatsstraße/Carl-Jordan-Straße aber kaum auswirken. Eine Entlastung (von 5000 auf 1000 Fahrzeuge) erwartet man hier allerdings für die Strecke Richtung Großkarolinenfeld, so Baudirektor Claus-Dieter Olk.

Der nächste Schritt zu einer Verbesserung der Verkehrssituation auf der Staatsstraße 2078 nach dem Umbau der Mc Donalds-Kreuzung wäre, so Olk, die "Bypass-Lösung" für den Schwaiger Kreisel. Dazu müsste im Vorfeld die Mangfallbrücke vierspurig ausgebaut werden, und dann könnte eine verbesserte Situation für die Rechtsabbieger in der Schwaig geschaffen werden. Allerdings, so wusste Peter Kloo, will die Stadt Rosenheim offenbar erst die Kufsteiner Straße in Angriff nehmen und dann erst den vierspurigen Ausbau der Mangfallbrücke.

Vor der Abstimmung über den Vertrag der Stadt mit dem Staatlichen Bauamt dankte Günther Zellner der Landtagsabgeordneten Annemarie Biechl für ihr großes Engagement in der Sache. Dagmar Levin fand die Sache durchaus "teuer"; sie bringe aber mehr als erwartet. Auch Dieter Kannengießer gab "einer kleinen Entlastung" den Vorzug vor "gar keiner Entlastung". So stimmten dann auch alle Stadträte dem Vertrag zu - bis auf Else Huber. "Das ist rausgeschmissenes Geld", meinte sie. "Das bringt nix".

Sabine Fleindl (Mangfall-Bote)

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