Vier Zündkerzen um 4800 Euro

Kolbermoor - Ein Kufsteiner Rentner klaute vier Zündkerzen aus einem Baumarkt. Stolze Endsumme: 4800 Euro. Sein mitgeführtes Taschenmesser kam ihm letztlich noch teurer zu stehen.

Ein Urteil über 120 Tagessätze zu je 40 Euro kassierte ein Kufsteiner Rentner für den Klau von vier Zündkerzen. Mit viel Glück ist er vor dem Amtsgericht jetzt einer höheren Strafe entronnen.

Bis heute weiß der 63-jährige Rentner nicht zu sagen, was ihn da geritten hatte, als er am 10. November 2011 in dem Kolbermoorer Baumarkt eine Schachtel Kfz-Zündkerzen aufgemacht hatte.

Mit seinem Taschenmesser öffnete er die Schachtel, um nachzuschauen, ob diese Typen für ihn passend wären. Genau konnte er das so nicht feststellen. Weil die Schachtel nun aber schon einmal offen war, rutschten ihm "ganz zufällig" die Dinger in die Manteltasche. Am fehlenden Geld kann es nicht gelegen haben. Gekostet hätten sie 29,99 Euro.

Als man ihn anhielt und des Diebstahls beschuldigte bezahlte er die Bearbeitungsgebühr von 50 Euro sofort und in bar. Dessen ungeachtet erfolgte natürlich eine Anzeige wegen Diebstahls.

Aber damit nicht genug. Seit 1. April 1998 gibt es den Paragrafen 244 des Strafgesetzbuches, der besagt, wer einen Diebstahl begeht und dabei eine Waffe oder ein waffenähnliches Gerät mitführt, wird mit Gefängnis - nicht unter sechs Monaten - bestraft. Hier kommt nun sein Taschenmesser ins Spiel, mit dem er die Schachtel geöffnet hatte.

Er berichtete vor Gericht, dass er dieses Taschenmesser als eventuelles Werkzeug seit über 30 Jahren täglich mit sich führt, ohne dass er damit jemals etwas Ungesetzliches getan hätte. Das änderte aber juristisch nichts an dem gegebenen Sachverhalt. Der Vorsitzenden Richterin Isabella Hubert am Amtsgericht in Bad Aibling war auch nicht wohl, angesichts der vergleichsweise hohen Strafe für ein Bagatell-Delikt. Sicherlich, Diebstahl ist Diebstahl. Aber sechs Monate für einen Ersttäter? Die Richterin wälzte alle verfügbaren Gesetzbücher, kontrollierte auch im juristischen Intranet "JURIS" - und atmete auf. Erst seit 5. November 2011 hat der deutsche Gesetzgeber in diesem Paragrafen 244 auch die Möglichkeit des "minder schweren Falls" eingefügt, wobei die Mindeststrafe drei Monate Haft oder entsprechende Geldstrafe sind.

Wenn auch die Staatsanwaltschaft einen "minder schweren Fall" verneinte und glatt sechs Monate mit Bewährung plus eine Geldbuße von 1500 Euro forderte, entschied das Gericht, dass es sich um einen solchen handle und mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen, insgesamt 4800 Euro, die Sache abgetan sei.

Hätte der Kufsteiner diese Dummheit nur eine Woche früher begangen, wäre die Richterin gezwungen gewesen ihn unverhältnismäßig hoch zu bestrafen. Aber auch so waren diese Zündkerzen teuer genug.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © pa

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