Waldspielplätze, Erlebnispfad und großzügige Wege

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Investor Werndl hat große Pläne

Kolbermoor - Westlich der Alten Spinnerei setzt Investor Werndl seine Pläne für eine Parklandschaft um. Naturschützer und Grüne kritisieren seinen Alleingang.

Schweres Gerät rückte in diesen Tagen im Spinnereiwald westlich der Alten Spinnerei an, zahlreiche Bäume wurden gefällt, Wurzelstöcke entfernt und das Gelände mit Humus aufplaniert. Entstehen soll nach den Plänen von Investor Klaus Werndl ein großzügiger Park mit Wegen, Waldspielplätzen und einem Erlebnispfad- entgegen dem früheren Direktoren-Park nun öffentlich zugänglich. Entsetzen über das Vorgehen herrscht beim Bund Naturschutz und der Grünen Offenen Liste: Sie fühlen sich übergangen.

Bund Naturschutz und Grüne verärgert

Die Verärgerung beim Bund Naturschutz Kolbermoor und den Stadträten der Grünen Offenen Liste ist groß. Sie kritisieren den Alleingang von Investor und Grundstückseigentümer Werndl, der erst mit Beginn der Abholzmaßnahme Stadt und Landratsamt eingeschaltet hatte. Ein Großteil der entfernten Bäume war bereits abtransportiert, als sich der städtische Baumexperte Jürgen Halder und Kreisfachberater Harald Lorenz vor Ort einfanden.

"Ich bedauere, die Maßnahme nicht im Vorfeld im Detail abgestimmt zu haben", betonte denn auch Klaus Werndl im Gespräch mit unserer Zeitung - verweist aber zugleich darauf, keine unbekannten Pläne umgesetzt und auch nicht gegen die geltende Baumschutzverordnung der Stadt verstoßen zu haben: "Wir haben vor allem Fichten und Unterholz entfernt, ansonsten nur Bäume, die bereits krank waren", führte er aus. Schützenswerte Bäume will er, soweit möglich, erhalten und zudem das Areal im Frühjahr kräftig aufforsten, um den entsprechenden Parkcharakter zu erhalten. Vorgesehen sind nach Angaben von Landschaftsplanerin Ingrid Liebald aus München (Büro Cel Landscape) die Pflanzung von bis zu 200 Bäumen und Sträuchern - "weit mehr als das, was wir entnommen haben", unterstrich Werndl. Außergewöhnliche Bäume, wie beispielsweise ein mächtiger Tulpenbaum, sollen zudem mit Hinweisschildern versehen werden.

Pläne des Investors

Die Pläne des Investors für den rund 60000 Quadratmeter großen Spinnereipark umfassen ein öffentlich zugängliches Wegenetz mit Verbindungen zwischen dem Kanalweg, der zur Promenade ausgebaut werden soll, und der Conradtystraße sowie Brücken über den Weiher-Zulauf und den Filzbach. Letzterer soll zudem renaturiert und stellenweise aufgeweitet werden, um hier auch Spielmöglichkeiten für Kinder zu schaffen. Für Kinder sollen überdies Spielflächen unter anderem mit Seilnetzen entstehen, eine im Südwesten am Kanal, zwei weitere westlich der Wohnbebauung und des Gewerbeparks. Pläne: Spielplätze und Schlittenberg

Nach den aktuellen Plänen der Landschaftsarchitektin soll im weiteren Verlauf der "Schneckenberg" westlich des Weihers wieder zugänglich gemacht werden, dazu bestehen Überlegungen, eine Aussichtsplattform zu schaffen und den Hügel nach Norden hin zu einem Schlittenberg abzuflachen.

Für die Nutzung des Parks hat Werndl viele weitere Ideen, darunter ein Pavillon mit historischen Informationen über die Alte Spinnerei, "Kunst im Park" mit Schmiedekunst und mitunter auch in Verbindung mit einem geschichtlichen Lehrpfad - "um die Geschichte der Baumwollspinnerei darzustellen", so Werndl.

Mit einer offenen Parkgestaltung hofft der Grundstückseigentümer zudem, ein gravierendes Problem im Spinnereiwald in den Griff zu bekommen: Vandalismus. "Regelmäßig werden die Bänke aus der Kapelle gezogen, wilde Feiern veranstaltet und nichts als Müll hinterlassen", ärgert sich Werndl. Mit Ende des Dickichts und Gestrüpps und dem Anlegen von beleuchteten Wegen setzt er seine Hoffnung auf eine Verbesserung. "Es ist einfach unglaublich, Dagmar Levin säubert jedes Jahr den Bereich rund um den Spinnereiweiher zusammen mit vielen Jugendlichen und wenig später sieht es aus, als wäre nie aufgeräumt worden", weiß Werndl.

Abholzaktion ohne Abstimmung mit dem Stadtrat

Besorgt und zugleich verärgert verfolgt indes Grünen-Stadträtin Else Huber das Vorgehen im Spinnereiwald, bei der jüngst erfolgten Begehung durch Stadt und Landkreis mit dabei. "Eine derart große Abholzaktion vorzunehmen, ohne den Stadtrat zu informieren, ist nicht in Ordnung", betonte sie. Ihrer Überzeugung nach sind mehrere Bäume gefällt worden, die unter die Baumschutzverordnung fielen. Die städtische Verordnung erachtet im Übrigen bestimmte Bäume wie Buchen, Eichen und Ahorn als schützenswert, wenn sie in einem Meter Höhe einen Stammumfang von mehr als 80 Zentimeter aufweisen. Diese dürften dann erst nach eingehender Prüfung entfernt werden, wie Bauamtsmitarbeiter Halder erläuterte.

Sorge bereitet Else Huber wie auch dem Bund Naturschutz mit Gertrud Helbich und Katharina Meidinger das Buchenwäldchen zwischen Filzbach und Gewerbepark, das sie ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sehen. Das Buchenwäldchen sollte, so Meidinger in einem Schreiben an Kreisfachberater Lorenz, als Biotop erhalten bleiben, weshalb der östliche Teil im angrenzenden Bebauungsplan als "Fläche für Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung von Natur und Landschaft" aufgenommen und nicht als Baufläche oder Parkfläche diskutiert worden sei. Anhand eines Luftbildes will Meidinger "über 50 alte Eichen, Buchen und Eschen" gezählt haben, die umgeschnitten worden seien.

Stadträtin Huber will das Vorgehen nicht auf sich sitzen lassen, dieses auch in der nächsten Sitzung des Gremiums thematisieren. Ihr Fraktionskollege Georg Kustermann hatte bereits in der Jahresabschlusssitzung angekündigt, sich in 2012 die Baumschutzverordnung der Stadt vornehmen zu wollen.

Bürgermeister Kloo: "Ständiger Dialog"

Wenig überrascht über die Maßnahmen im Spinnereiwald zeigte sich indes Bürgermeister Peter Kloo: "Die Pläne, einen Park anzulegen, waren dem Stadtrat bekannt." Mit Investor Werndl stünde die Verwaltung zudem in ständigem Dialog, deshalb auch nach Gesprächen im Rathaus der Termin vor Ort. In einem aktuell erstellten Fällbescheid ist nach Angaben von Kloo neben der Festsetzung der Ersatzpflanzungen auch ein Freiflächengestaltungsplan vorzulegen, der überdies in das angestrebte Bebauungsplanverfahren (2012) einfließen soll.

Vorgesehen ist auf den Flächen zwischen Spinnerei und Conradtygelände (zur Conradtystraße hin) punktuelles Wohnen in einer Parklandschaft, entsprechende Festsetzungen gibt es Kloo zufolge bereits im Flächennutzungsplan.

Sanktionen via Baumschutzverordnung sieht nach Angaben des Bürgermeisters die Stadt nicht vor: "Die Baumschutzverordnung ist ein Instrument des Dialogs", betonte er. Wenn, wie in diesem Fall, wiederaufgeforstet würde, entfielen weitere Maßnahmen. "Ganz im Gegenteil, wir sollten statt Bürokratismus das Ziel im Auge behalten", so Kloo. "Wir als Stadt freuen uns sehr, dass hier ein Park für die Bürger geschaffen werden soll."

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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