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Kleine Gruppen für großen Lernerfolg

Was heißt „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Stadt Kolbermoor bringt Deutschkurse für ukrainische Flüchtlinge auf den Weg

Die ukrainischen Teilnehmerinnen des ersten Deutschkurses auf der Freitreppe im Kolbermoorer Rathaus mit der Lehrerin Tatjana Rotar (links oben).
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Die ukrainischen Teilnehmerinnen des ersten Deutschkurses auf der Freitreppe im Kolbermoorer Rathaus mit der Lehrerin Tatjana Rotar (links oben).

Was heißt eigentlich „Alles Gute zum Geburtstag“? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich ukrainischen Flüchtlinge, die jetzt in Kolbermoor leben. Wie Deutschkurse dabei helfen und wie sich die Stadt engagiert.

Kolbermoor – Was heißt „Alles Gute zum Geburtstag“ oder „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Mit diesen Fragen kamen die ukrainischen Flüchtlinge, die jetzt in Kolbermoor leben, auf Tatjana Rotar zu. Sie ist Kursleiterin für Deutschkurse an der Volkshochschule. Mittlerweile gibt es an der Volkshochschule drei zusätzliche Deutschkurse – einer hat Ende März begonnen, die nächsten beiden sollen Mitte April sowie Ende April/Anfang Mai starten. „Ein vierter ist in Planung“, sagt Christian Poitsch vom Stadtmarketing.

Unternehmen und Bürger helfen

Zunächst hatten sich Kolbermoorer Familien, bei denen ukrainische Flüchtlinge wohnen, an die Volkshochschule gewandt und nach Kursen gefragt. Vhs-Leiterin Ulrike Sinzinger und Rathauschef Peter Kloo waren bereits aktiv geworden: Statt abzuwarten, hat sich Kloo zusammen mit Ulrike Sinzinger mit Bitte um Unterstützung an Gewerbetreibende und Privathaushalte gewandt (wir berichteten). Schließlich müssen die Kurse ja auch finanziert werden.

Jetzt im ersten Kurs sind 14 Schüler. Sie sind dreimal die Woche für je zwei Stunden über drei Monate im Unterricht. Die Gruppen seien deshalb klein, um einen guter Lernerfolg zu erzielen. Dabei sollen die Grundlagen für das praktische und tägliche Leben in Deutschland gelegt werden, so Sinzinger.

Im Mittelpunkt stehe alltagstaugliche Kommunikation. Ein Kurs ist aber immer mehr als die reine Sprachvermittlung: Es geht um Strukturierung des Tages und um Perspektiven, es geht ums Kennenlernen und um die Lehrerin als Ansprechpartnerin für Fragen in dieser neuen, noch fremden Welt.

Frauen sind ihren Gastfamilien sehr dankbar

Die Kursleiterin Tatjana Rotar erzählt, dass alle Frauen ihren Gastfamilien sehr dankbar wären und sich für die Unterstützung und Gastfreundschaft revanchieren möchten. Tatsächlich sind in diesem ersten Kurs nur Frauen. Die meisten stammen aus den Krisengebieten der Ukraine und haben sich größtenteils zum Schutz ihrer Kinder auf den Weg nach Deutschland gemacht. „Leicht fällt es ihnen hier nicht. Das Heimweh und die Sorgen um die Männer, die in der Ukraine geblieben sind, lasten auf den Herzen.“

uch wenn der Aufenthalt in Deutschland zunächst nicht dauerhaft geplant ist, ist doch der Wunsch zu lernen, groß. Tatjana Rotar freut sich über die guten Grundlagen – alle hätten in der Schule zumindest Englisch und damit die lateinischen Buchstaben gelernt.

„Sicherlich hat Rotar, die selbst 1999 nach Deutschland eingewandert ist, ein besonderes Verständnis für die Nöte und Bedürfnisse in einer ganz fremden Umgebung. Ein besonderes Verständnis ergibt sich sicherlich auch durch die gemeinsame Sprache, das Russische. Spontan und ohne Sprachbarriere können Fragen geklärt und Erlebnisse erzählt werden“, so Sinzinger.

Nachfrage ist weiterhin groß

Bei der Volkshochschule treffen allerdings jeden Tag neue Nachfragen nach Kursplätzen ein. In der Regel seien es Gastfamilien oder engagierte Kolbermoorer, die sich an die Vhs wenden. Alle kommen erst einmal auf die Warteliste. Sobald Lehrkraft, Räume, Zeitplan und Finanzierung für einen weiteren Kurs stehen, setzen sich die Mitarbeiter der vhs mit den Interessenten in Verbindung.

Heute, Dienstag, startete ein zweiter Zusatzkurs – diesmal unter der Leitung einer ursprünglich aus Finnland stammenden Lehrkraft. Hier gehe es gleich von der ersten Stunde an rein in der deutschen Sprache los. Ein weiterer Kurs ist für Ende April/Anfang Mai geplant. Wer das Kursangebot als Lehrkraft oder Lernbegleiter unterstützen möchte, wendet sich an die Vhs.

Große Spendenbereitschaft

„Die Spendenbereitschaft der Kolbermoorer Bürger und der Unternehmen ist jetzt schon überwältigend“ sagt Bürgermeister Peter Kloo bei einem ersten Fazit zum Spendenaufruf für die zusätzlichen Deutschkurse. Von privaten Einzelspenden in Höhe von 30 Euro, die die eher symbolische Kursgebühr abdecken, bis in den vierstelligen Bereich sei alles dabei, ergänzt Christian Poitsch vom Stadtmarketing. Zur genauen Spendensumme kann Poitsch derzeit noch nichts sagen. „Wir werden wohl noch weitere Deutsch-Kurse benötigen, da wir davon ausgehen, dass auch in den kommenden Wochen weiter Geflüchtete aus der Ukraine zu uns kommen werden“, so Poitsch weiter:. „Mit der Einschulung der vielen ukrainischen Kinder werden wir großen Bedarf an Schulmaterial haben. Deshalb sind Spenden auch weiterhin willkommen.“

Infos für Geflüchtete und auch die Gastgeber und Ehrenamtlichen sind unter www.kolbermoor.de.

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