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Schlichter Florian Scherbauer spricht über seine Arbeit

Wie der SV-DJK Kolbermoor nach Streit wieder geeint werden soll

Florian Scherbauer leitete als Moderator und Mediator die jüngsten Neuwahlen beim SV-DJK Kolbermoor.
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Florian Scherbauer leitete als Moderator und Mediator die jüngsten Neuwahlen beim SV-DJK Kolbermoor.

Kolbermoor – Der SV-DJK Kolbermoor hat harte Zeiten hinter sich. Nach Streitereien muss der Verein wieder geeint werden. Doch wie kann das gelingen? Florian Scherbauer ist Vereinsmanager und DOSB-Ausbilder. Er moderierte als Mediator die Neuwahlen und sprach mit dem Mangfall-Boten darüber, wie Risse gekittet werden können.

Streitigkeiten in Vereinen sind nichts Neues. Wo viele Menschen zusammenkommen, prallen Meinungen aufeinander. Wie kann man hier als Vorstandschaft frühzeitig richtig agieren?

Florian Scherbauer: Leider oftmals gar nicht, da Verstimmungen im Bruchteil einer Sekunde entstehen und Eskalationen ebenfalls schnell dynamisch werden. Die Vorstandschaft als Führungsorgan hat in meinen Augen den Auftrag, die Mission des Vereins zu schützen und dazu gehört auch, aufmerksam und wertschätzend gegenüber den Funktionären und Mitgliedern zu sein. Das beginnt in erster Linie bei der Wertschätzung der eigenen Person. Diese Haltung schafft Vertrauen und Verständnis.

Florian Scherbauer

Sie sind als Mediator und Moderator zur außerordentlichen Mitgliederversammlung gekommen. Was für ein Vorab-Bild hatten Sie?

Scherbauer: Ein gutes. Ich war mir ziemlich bald sicher, dass alle Beteiligten auf ihre Weise das Beste für den Verein wollten. Dadurch war die konstruktive Zusammenarbeit möglich.

Wie bewerten Sie dann den doch ruhigen Versammlungsverlauf?

Scherbauer: Ich bin natürlich sehr erfreut darüber. Ich war selber etwas überrascht, keine Zwischenrufe oder Ähnliches zu hören. Die Mitglieder haben alles dafür getan, dass diese Versammlung gut über die Bühne geht.

Was ist hier in der Zwischenzeit geschehen – auch mit Ihrer Mithilfe?

Scherbauer: Entscheidend war das Vertrauen zwischen Herrn Straub und Frau Balletshofer und auch das Vertrauen, das beide mir entgegengebracht haben. Ab der recht kurzfristig angesetzten Vorbesprechung kam alles zum Laufen.

Welche Hilfestellungen würden sie dem SV-DJK jetzt für die kommenden Monate an die Hand geben?

Scherbauer: Da das Führungsorgan neu aufgestellt ist, ist es sinnvoll, eine Strukturierungsmaßnahme zur Aufgabenverteilung vorzunehmen. Ein so großer Verein hält viele Aufgaben bereit und die gewählten Vorstandsmitglieder sollen sich ja nach ihren Talenten und Vorlieben einbringen.

Dass Robert Straub zurücktrat war ein guter Schritt, um die Zeichen komplett auf Neuanfang zu setzen. Wie bewerten Sie dies?

Scherbauer: Das Ergebnis der Versammlung im Juli war sicherlich für viele ein Schock. Aber die Erfahrung zeigt, dass manch ungewöhnliche Situation wieder zu neuer Blüte eines Vereins verhilft. Der SV-DJK Kolbermoor geht in eine starke Zukunft.

Die nun aus vielen Sparten zusammengesetzte Vorstandschaft ist für sie: Wichtig oder unerlässlich?

Scherbauer: Neudeutsch kann man sagen „nice to have“. Aber mich persönlich interessiert nur, ob Funktionäre wirklich mit Herzblut dabei sind und Verständnis für die Arbeit der einzelnen Abteilungen haben.

Wann ist der Zeitpunkt für Sie da, dass ein Verein keinen Sinn mehr machen würde und es zur Auflösung kommen müsste?

Scherbauer: Ich habe es zum Glück bei Sportvereinen nie erlebt. Diese sind sehr robust. Irgendwie findet man doch wieder Menschen, die Funktionen übernehmen oder Geld, das benötigt wird. Bevor ich an Auflösung denke, würde ich eine Verschmelzung mit einem anderen Verein überdenken.

Sie haben ja gesagt, dass die Satzung und das Wahlprocedere ausufernd sei. Was empfehlen Sie Vereinen?

Scherbauer: Auf jeden Fall eine hohe Hürde für geheime Wahlen und verkürzte Stichwahlen. Wir wollen weiterhin basisdemokratisch sein, aber die Mitgliederversammlungen nicht unnötig in die Länge ziehen.

Wie können sich Vereine in dem Wust an Paragraphen und mit Corona überhaupt noch zurechtfinden?

Scherbauer: In Sachen Vereinsrecht kann man sich an den Bayerischen Landessportverband wenden, der einen sehr guten Rechtsberatungsservice in München hat. Bei den Corona-Regelungen hat sich der Verband bemüht, über alles zügig zu informieren. Allerdings traten auch Unsicherheiten auf. Manchmal entscheidet ein einzelnes Wort in einem Text über „darf sein“ und „darf nicht sein“. Leicht war es auf keinen Fall für Sportvereine!

Überhaupt: Gehören Satzungen nicht entschlackt oder regelmäßig angepasst, um auch im Verein mit der Zeit zu gehen?

Scherbauer: Die Satzung ist ein lebendiges Dokument. Insbesondere dann, wenn es im Verein Ärger gibt, ist es gut, wenn beispielsweise Verfahrensweisen klar geregelt sind. Ich persönlich passe bei der Neugestaltung die Satzung immer individuell dem Verein an. Satzungsregelungen sind oftmals eine Frage der Philosophie. Dadurch kann die Satzung auch einmal etwas größer ausfallen. Hinzu kommen Grundsätze, die der aktuellen Zeit entsprechen. Es ist sinnvoll, die Satzung alle drei bis fünf Jahre wieder auf den Prüfstand zu stellen.

Sie sind viel für den DJK tätig. Wann werden Sie gerufen?

Scherbauer: Meistens spielt die Gewinnung und Bindung Ehrenamtlicher eine große Rolle. Besonders, wenn Vorstandswahlen anstehen und der Erste Vorsitzende nach vielen Jahren nicht mehr kandidiert, braucht es eine Neustrukturierung und die Planung einer systematischen Vorgehensweise bei der Suche nach Nachfolgern. Andere Vereine möchten ihre Mitgliederzahlen erhöhen und brauchen Unterstützung, welche Angebote sie platzieren können. In letzter Zeit tritt das Thema der Vereinsverschmelzung vermehrt auf. Es ist in aller Hinsicht ein längerer Prozess, der den Blick und die Begleitung des Externen braucht.

Können Sie Beispiele nennen, wie Sie geschlichtet oder Vereine gerettet haben?

Scherbauer: Ein Fall ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Eine Funktionärin eines größeren Vereins kam auf mich zu und meinte, dass der Vorstandsvorsitzende 50 Jahre im Amt ist und sich sehr dominant verhält. Alle weiteren Vorstandskollegen möchten nun aufgeben, da eine Zusammenarbeit mit ihm nicht möglich ist. Als letzte Möglichkeit sahen sie, den Vorstand im Rahmen von zwei bis drei Workshops neu aufzustellen. Der Vorstandsvorsitzende wurde zum Vorgespräch natürlich dazu geholt. Er erzählte mir, dass im Verein alles in Ordnung sei und sie keine Hilfe benötigen. Wir einigten uns, die Workshops ohne ihn stattfinden zu lassen, was ein großes Risiko darstellt. Nach drei Workshops hatten wir den neuen, tragfähigen Konstrukt und dieser wurde dem Vorstandsvorsitzenden vorgestellt. Da war sein Moment gekommen, endlich zu einem Wechsel „Ja“ sagen zu können und loszulassen. Der Verein ist heute sehr erfolgreich.

Ehrenamt bedeutet für Sie?

Scherbauer: In erster Linie die Erfüllung von Motiven wie soziale Kontakte, Persönlichkeitsentwicklung, Übernahme von Verantwortung und Altruismus. Ehrenamt ist zudem ein Gegenpol zum beruflichen Alltag.

Was ist so wichtig an den Sportvereinen?

Scherbauer: Ihre Mission: die Sportversorgung der Bevölkerung. Was für eine tolle Aufgabe! Dazu gibt es für jeden das richtige Ehrenamt.

Wie sehen Sie die Chancen, dass möglichst schnell Ruhe in Kolbermoor einkehrt...

Scherbauer: Die Ruhe ist bereits mit den Neuwahlen eingekehrt. Nun wird nach vorne geschaut. Ein paar Scherben mag es noch geben, aber die Vorstandschaft ist meines Erachtens sehr gut befähigt, diese mit Herz und Verstand zusammenzukehren.

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