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Leerstandskonferenz sucht nach Lösungen

„Wieder jemand daheim?“ – Wie in Kolbermoor neue Ideen für Kein-Familienhäuser gesucht werden

Wie kann aus einem Kein-Familienhaus wieder ein Einfamilienhaus werden? Auf der Suche nach Wohnraum für die Region beschäftigen sich die Teilnehmer der Leerstandskonferenz in Kolbermoor seit Mittwoch mit der Belebung brach liegenden Wohnraums.
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Wie kann aus einem Kein-Familienhaus wieder ein Einfamilienhaus werden? Auf der Suche nach Wohnraum für die Region beschäftigen sich die Teilnehmer der Leerstandskonferenz in Kolbermoor seit Mittwoch mit der Belebung brach liegenden Wohnraums.

Wie bringt man leer stehenden Wohnraum und Wohnungssuchende zueinander. Mit diesem Thema beschäftigt sich die Leerstandskonferenz „Jemand daheim“, die am Mittwochabend (21. September) im Kesselhaus der Alten Spinnerei in Kolbermoor eröffnet wurde.

Kolbermoor – Mehr als 160 Teilnehmer sind der Einladung des Wirtschafts-Forums im Mangfalltal gefolgt, um sich drei Tage lang mit Fachvorträgen, Exkursionen zu visionären Praxisbeispielen und Workshops Inspirationen für Stadtplanung und Städtebau der Zukunft zu holen. Haben die vorangegangenen Leerstandskonferenzen nach Ideen für die Revitalisierung von Industriebrachen oder verlassenen touristischen Einrichtungen gesucht, geht es diesmal um leer stehende Wohnflächen untergenutzter Einfamilienhäuser.

Einfamilienhaus kein Modell fürs Alter

Auf die besondere Emotionalität dieses Themas machte Bürgermeister Peter Kloo aufmerksam: „Es ist traurig, wenn man zu einem 90. Geburtstag gratuliert, das Pflegebett im Wohnzimmer steht und dicker Staub auf den Treppen zeigt, dass die oberen Etagen nicht mehr genutzt werden. Dann ist das Ein- zu einem Keinfamilienhaus geworden.“ Hochbetagte Menschen könnten ihre Häuser und Grundstücke nicht mehr bewirtschaften: „Sie haben sich diese Häuser in den 50er oder 60er-Jahren gebaut, um etwas fürs Alter zu haben. Sie haben sich an ihre gewohnte Umgebung, die Nachbarn, das Häuschen und ihre Privatsphäre gewöhnt. Die Realität aber ist, dass sie im Alter nichts vom Haus haben“, machte Kloo den Zwiespalt klar.

In landwirtschaftlich geprägten Gemeinden wie Tuntenhausen ist das Problem flächenmäßig noch größer. „Bei uns geht es nicht nur um Einfamilienhäuser, sondern landwirtschaftliche Anwesen, die leer stehen“, macht Bürgermeister Georg Weigl klar. Auf der anderen Seite fehlt es an bezahlbarem Wohnraum für junge Familien und alleinstehende Senioren. Einheimischen-Modelle scheitern an steigenden Grundstückspreisen und Baukosten.

Druck auf den Markt wächst

Gleichzeitig wächst der Zuzug in die Region und der Druck auf den Wohnungsmarkt. Schon jetzt ringen Unternehmen um Fachkräfte. „Die Zahl der Über-65-Jährigen wird bis 2040 um 35 Prozent steigen. Dem müssen wir Rechnung tragen“, betont Bernd Fessler, Bürgermeister der Gemeinde Großkarolinenfeld und Kreisverbandsvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages.

„Wir stehen vor einem großen Delta. Nach Prognosen gehen im Jahr 2030 in unserer Region etwa 25 000 Menschen in den Ruhestand. Sie müssen ersetzt werden. Neue Fachkräfte brauchen Wohnraum“, ergänzt Roland Bräger, der Vorsitzende des Wirtschaftsforums Mangfalltal. Er fordert zugleich, dass der Wohnraum bezahlbar bleibt, denn: „Die Menschen, die unsere Gesellschaft am Leben halten wie Altenpfleger, Krankenschwestern oder Busfahrer müssen sich das Wohnen hier leisten können.“ Eine starke Wirtschaftsregion wie der Landkreis Rosenheim könne es sich nicht leisten, tausende Quadratmeter Wohnraum leer stehen zu lassen.

„Wir können aber auch nicht so weitermachen wie bisher und mit Einfamilienhäusern intensiv Flächen versiegeln“, betont Fessler. „Wir brauchen eine barrierefreie Baukultur der Zukunft, die Alt und Jung zusammenbringt.“

Auf der Leerstandskonferenz „Jemand daheim“ soll an Lösungsansätzen gearbeitet werden, wie der brach liegende Wohnraum in Eigenheimen wieder belebt werden kann und dabei für alle Beteiligten Mehrwerte geschaffen wird. Die mehr als 160 Teilnehmer der Tagung – darunter die Bürgermeister aus Kolbermoor, Großkarolinenfeld, Tuntenhausen, Bad Feilnbach, Rohrdorf, Bad Wiessee und Otterfing – erwarten viele Inspirationen für ihre Gemeinden. „Wir brauchen ein Umdenken in der Gesellschaft“, macht Peter Kloo deutlich.

„Die Leerstandskonferenz ist ein besonderes Format, um die Probleme rund um den Wohnungsmarkt aus neuen Perspektiven zu betrachten“, hofft Georg Weigl auf Input. Und Robert Kühn, Bürgermeister der Gemeinde Bad Wiessee, ist sich sicher: „Was heute unvorstellbar ist, kann morgen schon Realität werden – warum nicht auch im Bereich neuer Ideen für die optimale Nutzung von Wohnraum?“

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