Kritische Töne zur Mittelschule

Bad Aibling - Es gibt gute Gründe, aus der Haupt- eine Mittelschule zu machen. So das Credo von Schulamtsleiter Wolfgang Tauber. Jedoch teilen diese Meinung nicht alle im Stadtrat...

Er zeichnete gegenüber dem Aiblinger Stadtrat ein Zukunftsbild, das auch kleinen Hauptschulen durch ein Verbundsystem das Überleben ermöglichen soll. Neu: Zum derzeit angedachten Konstrukt Bad Aibling-Großkarolinenfeld-Ostermünchen will sich - fokussiert auf Ostermünchen - die Ebersberger Randgemeinde Aßling gesellen. Aus dem Stadtrat kamen aber kritische Töne zum Gesamtthema.

Wer sich zu Verbünden zusammenschließt, muss innerhalb des Systems an einer Schule einen M-Zug (mittlere Reife) haben - ansonsten funktioniert das Ganze nicht. Die Aiblinger Hauptschüler gehen, da an der hiesigen St.- Georgs-Schule vor einigen Jahren ein M-Zug abgelehnt worden war, nach Heufeld/Kolbermoor. Das würde sich bei einem Verbund mit Ostermünchen und Großkarolinenfeld (M-Zug) ändern.

Hier setzte Unmut in Reihen des Stadtrates ein. Statt fünf Kilometer nach Heufeld heißt es "ab nach Großkaro" - für Aiblinger Schüler ergibt sich nach den Worten von Dr. Birgitt Matthias (SPD) kein Vorteil.

"Wenn man nur auf Vorteile schaut, gibt es keinen Verbund", konstatierte Tauber. Kommunen müssten auf Augenhöhe die Verträge machen. Doch bleibe es jedem selbst überlassen, mit wem er zusammengehe. "Wir begleiten nur."

Im Vorfeld waren nach Aussagen von Bürgermeister Felix Schwaller Verbünde mit Bad Feilnbach und Heufeld angerissen worden - ein Zusammengehen von benachbarten Gemeinden (wie Bad Feilnbach/Raubling) bietet sich indes an. Und: "Die Aufteilung soll aufgehen", so Tauber. Im Landkreis Ebersberg blieb Aßling aber übrig. Deshalb gab es eine Anfrage auf Zusammenarbeit mit Ostermünchen. Entschieden ist hier nichts. Aßling als mögliches viertes Mitglied in einem Aiblinger Mittelschul-Verbund hat laut Schwaller aber keine Auswirkungen für die Kurstadt.

Eine klare Absage an einen Schüler-Tourismus erteilte Stadtrat Erwin Kühnel. Von Bad Aibling nach Großkarolinenfeld fahre nicht einmal ein Linienbus, erklärte er einerseits, war aber zuversichtlich, dass der Verbund optimal für alle Beteiligten gestaltet werde. Der CSU-Sprecher warf in diesem Zusammenhang die Frage nach den Transportkosten auf. Innerhalb eines neuen Schulsprengels, entsprechend dem Verbund, besteht für den Landkreis weiterhin eine Beförderungspflicht. Ausnahmen wird es aber wie bislang nicht mehr geben - hier müssten Tauber zufolge interkommunale Gespräche einsetzen.

Zehn bis zwölf Aiblinger Hauptschüler, die noch den M-Zug in Heufeld oder Kolbermoor besuchen, wären von einer Änderung (Großkarolinenfeld) betroffen - Tendenz fallend. Denn: Nach Erfahrung der Stadt bevorzugen immer mehr Eltern einen Übertritt ihrer Kinder in die Realschule oder die Wirtschaftsschule.

Beim letzten Besuch des Schulamtsleiters in Bad Aibling hatte dieser die Zusammenlegung der Hauptschulen Luitpold- und St. Georg "verkündet". Damit sollte die eine Hauptschule schlagkräftiger werden. Die prognostizierte Schülerzahl von 276 im Schuljahr 2014/15 - dann nur noch an der St.-GeorgsSchule - rechtfertigt Tauber zufolge diese Maßnahme.

"Falscher Ansatz bei der Überarbeitung des Schulsystems" - mit dieser Äußerung bezog sich Max Leuprecht (GOL) auf die neue Mittelschule und vertrat vehement das "Grünen"-Modell, das einer Zusammenarbeit von Real- und Hauptschule mehr Raum gibt. Anmerkungen aus der Praxis hatte Stefan Roßteuscher (ÜWG): Wie kann ein Schüler in einer Ganztags-/Mittelschule leistungsorientiert Sport betreiben? - Wo doch die Trainings in den Vereinen nachmittags stattfinden. Antwort: "Bei entsprechendem Wollen aller Beteiligten lässt sich das arrangieren", so Tauber.

Die Bedeutung der Sozialarbeit an Hauptschulen ist unstrittig. Finanziert wird sie von den Kommunen. Tauber hatte diese Maßnahme als äußerst wichtig für Hauptschulen apostrophiert. Gibt es nun mit dem Verbundsystem "Mittelschule" eine Landesbeteiligung daran? Diese Frage von Stadträtin Dr. Matthias reichte der Schulrat weiter an die Politik - "das muss die beantworten."

Als Etikettenschwindel bezeichnete Dr. Reiner Keller (SPD) das Modell Mittelschule. Denn: Hauptschüler mit Quali hätten den gleichen Abschluss wie die "Mittelschüler", was Tauber bestätigte. Einziger Unterschied: Der Name Haupt- beziehungsweise Mittelschule unter dem Zertifikat. Zur Erklärung: Für Hauptschulen besteht keine Verpflichtung, im Verbund oder unter bestimmten Maßgaben solo zur Mittelschule zu werden.

Wer diesen Schritt macht, muss eine Formalie erfüllen: Grundschule und Hauptschule rechtlich trennen - der Rektor bleibt aber Chef beider Schulen. Eingangs hatte Tauber die Vorzüge von Hauptschulen (wie Klassenverband/Klasslehrer) aufgezeigt und mit dem Modell Mittelschule mehr Attraktivität verbunden. Einer Prognose zufolge wird es 2019/2020 in Bayern nur noch 181000 Hauptschüler geben (2009/2010: 230000). Deshalb muss Tauber zufolge die Hauptschule auf Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft reagieren.

ewk/Manfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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