Drei seltsame Musketiere unterwegs

Bad Aibling - Der 19-jährige Kochlehrling lebte immer am Rande der Gesellschaft. Von der Mutter abgeschoben. Beim Vater nicht geduldet, lebte er in Heimen und Wohngruppen.

Die Clique der Gleichaltrigen war sein Zuhause. Dabei wird das straffreie Zusammenleben nur mühsam erlernt. Und nicht ohne Ausrutscher.

Ein solcher hatte sich im März dieses Jahres wieder einmal ereignet. Spät nachts, die Bar "Savanne" hatte gerade geschlossen. Drei betrunkene Nachtschwärmer. Keiner älter als 19 Jahre. Der Angeklagte war - weil hochprozentig abgefüllt - gestürzt. Die Hose völlig schmutzig. In Ermangelung einer anderen Hose beschlossen die drei spät nachts, eine solche zu besorgen. Für die umnebelten Freunde kein Problem. Schließlich wohnte der Angeklagte geraume Zeit im Hause der "Wohngruppe Hauptvogel", wo noch immer junge Männer lebten. Da sollte doch eine Hose zu beschaffen sein. Gesagt, getan. Man klopfte spät nachts an ein Fenster im Erdgeschoss. Ein 20-jähriger Afghane öffnete, um nachzusehen, was los sein. Ohne sich um dessen Widerstand groß zu kümmern, stiegen die Burschen ein und ließen sich eine Hose für den Angeklagten geben. Dumm nur, dass der freundliche Helfer nicht seine, sondern die Hose eines anderen aushändigte.

Darüber hinaus ist der Zugang zum Haus nachts generell verboten. Erst recht durch das Fenster.

So stand der zerknirschte Rotschopf wieder einmal vor dem Gericht, wegen Diebstahls. Die Vorsitzende Richterin Dr. Stefanie Oberländer kannte den jungen Übeltäter schon, der nun endlich Aussicht auf eine richtige Lehrstelle hat und sich redlich bemüht, in die Spur zu kommen. Wirklich kriminell war er ohnehin zu keiner Zeit.

Das Gericht verpasste ihm acht Tage gemeinnützige Arbeit, die er ohne Gefährdung seiner neuen Anstellung abbüßen kann. Eine Hose wird er sich dann sicherlich auch auf legalem Wege erwerben können.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © pa

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