KZ-Scherge in der Region: Touristen empört

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Rosenheim - Der wegen Beihilfe zum Mord an 28.060 Juden verurteilte John Demjanjuk (91) soll in einem Pflegeheim bei  Rosenheim leben. Jetzt laufen erste Touristen Sturm!

John Demjanjuk soll seit etwa einer Woche in einem Pflegeheim in der Region leben

Mitte  Mai 2011 war John Demjanjuk aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim entlassen worden. Sein Ziel blieb geheim. Nach Medienberichten soll der 91-Jährige jetzt jedoch in einem Pflege- und Seniorenheim in der Region leben. Das Pflegeheim wollte dazu auf Anfrage von rosenheim24.de keine Auskunft geben. Demjanjuks Familie lebt im US-Bundessstaat Ohio. Er selbst wird US-Boden aber vermutlich nie wieder betreten. Aufgrund seiner KZ-Vergangenheit war ihm die US-Staatsbürgerschaft aberkannt worden. Demjanjuk ist nun staaten-  und obdachlos.

Die Justizvollzugsanstalt und die Stadt München hätten bei der Suche nach einer neuen Bleibe an einem Strang gezogen, sagte JVA-Leiter Michael Stumpf: “Das Sozialreferat hat uns tatkräftig unterstützt.“ Bei der Entlassung von Wohnsitzlosen aus der Haft sei die Kommune zuständig.

Fabian Riedl, Sprecher des Münchner Sozialreferats, wollte auf Anfrage von rosenheim24.de zum Aufenthaltsort von John Demjanjuk nichts sagen und berief sich hier auf dessen Persönlichkeitsrechte. Grundsätzlich bestätigte er aber, dass das Amt für die Unterbringung des aus der Haft entlassenen Seniors zuständig ist: "Keiner soll auf der Straße schlafen müssen. Wir sind verpflichtet, jedem ein Dach über dem Kopf zu besorgen." Entweder in Pensionen, Wohnheimen oder, falls notwendig, auch in Pflegeheimen. Die Kosten hierfür trägt entweder die Stadt München oder der Bezirk Oberbayern.

Erste Feriengäste stornieren Urlaub

Der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde äußerte sich sehr zurückhaltend: "Was ich weiß, weiß ich auch nur aus den Medien. Herr Demjanjuk ist ein Bürger wie jeder andere. Aber einen Luftsprung habe ich bei dieser Neuigkeit nicht gemacht." Ebenso wenig wie der Tourismus-Manager der Urlaubsgemeinde: Mehrere Gäste hätten sich wegen des Neuzugangs im Ort bereits beschwert, es gab sogar schon zwei Stornierungen, bei denen Demjanjuk als Grund angegeben wurde, sagt der Bürgermeister.  

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Das Münchner Landgericht hatte John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Juden im Jahr 1943 im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zugleich hob es den Haftbefehl auf, der nicht mehr verhältnismäßig sei. Damit bleibt der Greis bis zur Rechtskraft des Urteils frei.

re/dpa

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Rubriklistenbild: © dpa

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