Landlust, Lounge und „easy gardening“

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Der Riederinger Gartengestalter Hans Büchele erklärt das Gartenkonzept „Landlust“.

Rosenheim - Der Mühlbachbogen wird das gärtnerische Zentrum der Landesgartenschau in Rosenheim. Seit Wochen wird dort gebaggert, gegraben und gepflanzt.

Auf 1. 330 Quadratmetern entstehen hier kleine Kunstwerke, die Gartendetails der Landschaftsgärtner – auch Themengärten genannt. Sie sind auf jeder Gartenschau, ob auf Bundes- oder Landesebene ein echtes Highlight. Denn Sie bieten den Besuchern kreative und innovative Ideen, geben Anregungen für zuhause und machen Lust darauf, sich auch im heimischen Garten eine ganz eigene Gartenoase zu schaffen. Auch die Besucher der Landesgartenschau Rosenheim werden im nächsten Jahr viel Gelegenheit haben zu schauen, zu staunen und tolle Ideen mit nach Hause zu tragen.

Fotostrecke: Themengärten der Landesgartenschau

Themengärten für die Landesgartenschau 2010

Elf Themengärten wird es geben und sie sind jetzt schon weitgehend fertig gestellt. Dabei sind es noch fast 10 Monate bis zur Eröffnung. Heute wurden Sie von der Landesgartenschau GmbH in Anwesenheit von Vertretern des Verbandes für Garten- Landschafts- und Sportplatzbau Bayern offiziell abgenommen – also sozusagen einer Qualitätskontrolle unterzogen. Alle Themengärten wurden von Landschaftsarchitekten geplant und nach deren Konzepten von Garten- und Landschaftsbaubetrieben ausgeführt, die alle zertifizierte Verbandsmitglieder sein müssen.

Die Gärten sind alle zwischen 100 und 180 Quadratmetern groß und beschäftigen sich auf unterschiedlichste Weise mit den Elementen Holz und Wasser. Zeigen Teiche, begrünte Wände, Pergolen und bieten viele Beispiele, wie man elegante und formschöne Schatten-Plätze schaffen kann.

Fast alle Gärten sind in gewissem Sinne von der Stadt „innspiriert“, in der sie sich präsentieren werden. Von Rosenheim, als Stadt am Inn, in alpiner ländlicher Umgebung, mit teils mediterranem Flair. Als Stadt mit einer langen Holztradition und großer Holzkompetenz.

So wurden alte Eichenbohlen im Garten „Landlust“ vom Riederinger Gartengestalter Hans Büchele senkrecht in den Boden einbetoniert um Raumwirkung zu schaffen im ländlichen Garten, der gebaut ist mit alten gebrauchten Materialien aus der Region und aus dem Umkreis von Bauernhöfen. Im Mittelpunkt ein Teich mit natürlichen Rändern und Sumpfzonen. Als Quelle dient ein alter Odelbanzen (Jauchefass). Dazu Pflasterung aus altem Granit und Klinkern und eine ländlich-bäuerliche Bepflanzung – all das macht wahrlich Lust aufs Land und einen romantischen Bauerngarten.

Wasser fließt auf unterschiedlichste Art. Die Gartenwerkstatt von Herbert Münch setzt beim „Lounge-Garten“ – dem Garten für Berufstätige mit einem entspannenden Wasserspiel auf die meditativen Elemente des Wassers. Einen Gartenraum zum plaudern, träumen, planen soll geschaffen werden. Knisterndes Feuer statt „vor-der-Glotze-Hocken“ und die entspannten Beats von Loungemusik sollen die Nutzer dieses Gartens verzaubern, ihnen helfen wieder zu sich selbst zu kommen.

Aber selbst in den Gärten, wo kein Wasser sprudelt, wie bei Anton Kellerer aus Surbergs „Die Skulptur“, verweisen Flusskieseln als Bodenbelag auf den Inn. Umfließen als große gespaltene Kieselsteine Bäume und Pflanzen und geht stufenlos in die angrenzenden Wege über. Eine lamellenartige Holzlattung schirmt das Sonnenlicht ab und Wärme liebende südländische Pflanzen stehen für Rosenheims Lage als Tor zum Inntal, als Verbindung zwischen Nord und Süd, aber auch für veränderte Klimabedingungen, mit der viele mediterrane Pflanzen auch nördlich der Alpen immer mehr Bedeutung gewinnen.

Hier schließt der „Tessiner Garten“ von Peter Zeidler aus Berganger an. Sein „mehrräumiger kleiner Privatgarten“ möchte Geborgenheit und Natürlichkeit ausstrahlen, will „leben und leben lassen“ durch seine „geordneten Unordnung“ und besticht mit Granitpflaster und einer Feuerstelle. Kaminholz als Raumtrenner und eine Pergola aus schlanken Tessiner Gneisstelen, begrünt von Weinreben und Kletterrosen spendet Schatten und lädt 2010 auch die Besucher zum Verweilen ein.

Im Gegensatz dazu – eher kühl und geordnet. „Easy Gardening“ - ein interessanter Vorschlag der Firma Fegg aus Traunstein. Für Menschen, die wenig Zeit haben, aber auf einen Garten nicht verzichten wollen. Ein formaler, moderner Garten, mit professioneller Bewässerungsanlage. Stringent und schlicht schön – mit sehr großem winterhartem Bambus und einer neuen Funkienzüchtung. Der ideale Garten für alle mit einem Faible für moderne Architektur im Bauhausstil.

Die Themengärten auf der Landesgartenschau bieten eine breite Palette an Ideen für den eigenen Garten. Gartenbauer Hubert Fischer möchte mit seinem „Garten-Kultur-Garten, die Poeteninsel“ auch an Rosenheim als Stadt mit einer großen Kunst, Musik und Theaterszene erinnern. Deshalb soll in diesem Themengarten, der sonst sehr vom Fluss inspiriert ist, auch die Kultur Spuren hinterlassen dürfen. Ein Fluss der Ideen sozusagen, durch kleine Theaterstücke, Konzerte oder Lesungen, die 2010 hier stattfinden werden. Holzdeck und Holzliegen fordern zum Entspannen auf, eine Wasserrinne gliedert den Gartenraum und verstärkt den Eindruck vom Wasser umgeben zu sein. Dieser Garten besteht vor allem aus Materialien, die der Inn mit gebracht hat. Flusskiesel und Nagelfluh. Nagelfluh ist ein betonartiges festes Naturgestein, das aus größeren und kleineren rundlichen Geröllen besteht (Flusskiesel), die auf natürliche Weise verkittet worden sind. Die Entstehung begann vor ca. 30 Millionen Jahren.

Auch im Konzept von Landschaftsarchitekt Rupert Schelle, der den Themengarten mit der Rosenheimer Gartenbaufirma Schwab realisierte, spielt Nagelfluh eine große Rolle. Die Blöcke hat er für den "Musikergarten an der Innlände" sogar selbst aus dem Steinbruch in Brannenburg geholt – Bieberstein heißt er dort, nach dem dortigen Berg. Natürlich bewachsen mit Weidenflechten und Moos. Dazu begrünte Wände, aus Rollrasen, senkrecht aufgestellt, ein kleiner Wasserfall und ein Reliefbrunnen. Ach ja, und Musik darf nicht fehlen. Ein Klangstein kreuzweise gesägt - macht den Garten zum Musikraum, wenn ihn seine Nutzer in Schwingungen versetzen. Diese Klangsäule gibt den Ton an - und ab und zu spielt dann auf der Alpenterrasse unter dem Blätterdach von Akazien, Zitterpappel und Trompetenbaum der Rosenheimer Posaunenchor.

Aber auch Lösungen für sehr kleine Gärten finden die Besucher der Themengärten, wenn sich im April 2010 die Tore der Landesgartenschau öffnen.

Der Garten der Firma Oberbauer aus Amerang zeigt, dass „Mein Urlaubsort Zuhause“ sein kann. Dass auch auf kleinen Gartenflächen die Möglichkeit besteht, Räume für Entspannung und aktive Erholung zusammen zu bringen. Hier ist das Zentrum ein Naturpool, mit 75 cm nur angedeutet. Ein Sitzbereich im Wasser sorgt an heißen Tagen für die nötige Erfrischung. Eine moderne und wartungsarme Technik gewährleistet eine sehr gute Wasserqualität. Moderne Holzwürfel dienen als Sonnen- bzw. Regenschutz. Die Natursteinmauer sorgt für klare Ausrichtung zum Wasser und schafft die nötige Intimsphäre. Eine dominante Holzskulptur dient hier als transparentes Raum bildendes Element und als Skulptur mit Wasserspiel.

Zu guter Letzt drei Themengärten vereint zu einem Großen. „Pflanze-Wasser-Holz“ – eine Landschaft komplett aus Holz, gebaut von vier Firmen: May, Folger, Deppisch, Puchstein. Ein großer Schwimmteich mit Veranda und ein Garten voll dekorativer Hecken. Der Bodenbelag, die Ruheliege und der Tisch mit Bänken sind aus Lärchenholz gefertigt. Farbliche Akzente setzen die roten Sonnenschirme und die grünen Buchskuben.

Aufgrund der Verlegung des Mühlbaches und damit verbundener Bauarbeiten konnten zwei der elf Themengärten, der „Lounge-Garten“ und der „Tessiner-Garten“ bis zur Abnahme noch nicht fertig gestellt werden. Für diese Gärten wird es im September noch eine extra Abnahme geben.

Claudia Bultje-Herterich (Presse LGS 2010)

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