Mit Leichtbau die Welt erobern

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Bad Aiblinger Technologie Park

Bad Aibling - Erst die Raphaelschule, dann ein Fußballinternat und nun Technologie vom Feinsten - auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching folgt eine Erfolgsmeldung der nächsten.

Die Firma Lightweight Solutions GmbH will sich auf dem Gelände ansiedeln - mit großzügiger Erweiterungsmöglichkeit in Richtung Westen. Das Unternehmen stellt einzigartige Leichtbauplatten her und rechnet mit großer Nachfrage. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen werden in einem neuen Bebauungsplan geschaffen, der die bisherigen vier Pläne ersetzen soll.

Das B&O-Gelände war einmal mehr einer der Hauptpunkte im Bauausschuss, so auch in jüngster Sitzung. Dort stellte Stadtplaner Eberhard von Angerer die Fassung des neuen Bebauungsplanes "Parkgelände Mietraching" vor, in den die vier bestehenden Bebauungspläne "Technologiepark", "Landschaftspark", "Wohlfühlpark" und "Sportpark" integriert werden. Zudem präsentierte Diplom-Ingenieur Michael Schäpers, Inhaber, zusammen mit dem kaufmännischen Leiter Dirk Specht, das Unternehmen Lightweigth Solutions, das zum 1. September seine Produktion auf dem Gelände aufnehmen will.

Leicht, stabil und CO2-neutral

 Sehr leicht, extrem stabil und CO2-neutral - so die entscheidenden Vorteile der Leichtbauverbundplatten, die das derzeit noch in Stephanskirchen ansässige Unternehmen auf den Markt bringt, wie Schäpers vor den Stadträten ausführte. 2004 schloss Schäpers sein Holztechnikstudium an der Fachhochschule Rosenheim mit einer Diplomarbeit über Leichtbau ab - anschließend entwickelte er seine Idee fort, die Firma wurde gegründet. Im vergangenen Jahr dann die Marktreife des Produktes - und schon erhielt das Unternehmen einen Preis: den "Schweighofer Innovationspreis 2009", sozusagen der Nobel-Preis der Holzindustrie, wie Schäpers ausführte. Spätestens seit diesem Zeitpunkt kann sich die junge Firma, an der auch Walter Schatt von der Thansauer Firma Schattdecor beteiligt ist, vor Anfragen nicht mehr retten - und will jetzt expandieren.

Erster Schritt: Auf dem B&O-Gelände in Mietraching werden Hallen angemietet (Technologiepark), im September soll dort die Produktion starten. Doch die Unternehmer haben bereits die Zukunft im Visier: großzügige Erweiterungsflächen in Richtung Westen - sie wollen den Technologiepark 2 komplett für sich vereinnahmen (in etwa eineinhalb bis zwei Jahren). Das zusätzliche Areal entspricht der Größe des jetzigen Technologieparks mit rund 70000 Quadratmetern. Denn, davon ist Schäpers überzeugt: Sein Produkt ist besser als jede Spanplatte, es ist leichter, stabiler und auch ökologisch sinnvoller, da aus einem Naturfasergemisch bestehend und deshalb recyclebar. Den Bedarf schätzt er hoch ein: Er rechnet mit 40 bis 80 Millionen Quadratmetern allein in Europa. Damit könnten zwischen 200 und 400 Arbeitsplätze in Bad Aibling entstehen, kündigte er vor dem Gremium an.

Die Details: Die Leichtbauplatte der Firma Lightweight Solutions besteht aus einer gewellten Naturfasermatte, die in Form gepresst wird, sowie Decklagen mit den Wölbungen des Inneren, um einen perfekten Form- und Kraftabschluss zu erhalten. Die Folge: extrem fest und auch gebogen herstellbar. Seinen Markt sieht Schäpers unter anderem in der Automobilindustrie - verwendbar mitunter für die Wände von Caravans -, aber auch für Möbel auf Kreuzfahrtschiffen, die damit Gewicht und in der Folge Treibstoff einsparen könnten. "Die Verwendung unseres Materials für die Möbel auf einem Schiff kann bis zu 160 Tonnen Gewicht einsparen und damit 14 Millionen Tonnen Treibstoff", nannte Schäpers ein Beispiel.

Lightweight Solutions startet im September

 Startschuss soll nun mit der Produktion von Großplatten sein - Emissionen wären dabei keine zu befürchten, versicherte der Unternehmer auf Nachfrage von ÜWG-Stadtrat Dieter Bräunlich. Das Pressen der Platten erfolge bei etwa 200 Grad Celsius unter hohem Druck, allerdings in einem sanften Verfahren ohne Schläge. Der dabei entstehende Wasserdampf soll abgesaugt und über Kamine abgeführt werden, die Abwärme wird genutzt. Auch die Deckschichtbearbeitung erfolge für Außenstehende "lautlos", überdies würden ökologische Bindemittel verwendet.

Die Innovation könnte sich auszahlen: Schäpers hofft auf eine Förderung durch das Bundesumweltministerium - schließlich könnte durch seine Technologie die Spanplatte ersetzt werden, was mit einer gewaltigen CO2-Einsparung verbunden sei, erklärte er. Neben der Erweiterung des Technologieparks, einer der Hauptänderungspunkte im neuen Bebauungsplan, soll auch die Zufahrtssituation optimiert werden: Die Hauptzufahrt zum Gelände soll in Zukunft über die südliche Fahrbahn erfolgen, die nördliche wird in einen Geh- und Radweg umfunktioniert. Zudem soll der Technologiepark eine zweite Zufahrt erhalten: eine Anbindung nach Süden über die Einschleifung Markfeld. Entsprechende Vorgespräche habe man bereits geführt, erklärte Stadtplaner von Angerer.

Weitere Änderungen betreffen den Landschaftspark - die anfangs angedachte großzügige Wasserfläche wird deutlich reduziert, zudem soll Wohnen im Bereich Moosbach zugelassen werden. Auch der Bereich Wohlfühlpark wird auf den neuesten Stand gebracht: Ein erstes Holzhaus ist bereits errichtet, ein zweites folgt. Nach Osten hin ist bis zur Staatsstraße ebenfalls Wohnen vorgesehen. Im Nordosten sind wiederum die Schulen angesiedelt, dazwischen Wohnen, Richtung Maxlrain die Verwaltungsgebäude von B&O. Weitere Büros sind im geplanten Holzhochhaus vorgesehen (Mischgebiet), das nun acht statt der urspünglich sieben Geschosse erhalten soll, mit geringerer Grundfläche und bei gleichbleibender Höhe (unter 22 Meter) - "ein siebenstöckiges ist anderswo bereits im Bau, deshalb ein Geschoss mehr", so der B&O-Generalbevollmächtigte Dr. Karl-Josef Schaltenberg.

Änderungsbedarf ergibt sich überdies wegen der Ferienwohnungen im Bereich des Hauptangers: Der Bedarf sei bei weitem nicht so groß, aus der Hälfte sollen Wohnungen werden (etwa 20), erläuterte Schaltenberg den Tekturantrag, dem das Gremium schließlich nachkam. Zur Entwicklung auf dem Areal kamen von Seiten der Stadträte positive Rückmeldungen, einzig Sepp Schmid (CSU) befürchtet einen enormen Verkehrszuwachs und drängte auf die zusätzliche Anfahrt über das Markfeld. Einstimmig erfolgte schließlich die Beschlussempfehlung an den Stadtrat, den neuen Bebauungsplan entsprechend aufzustellen und die bisherigen Pläne aufzuheben. Unverändert bestehen bleibt der Bebauungsplan Solarpark.

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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