Lindenallee muss weichen

+
Blick auf das Conradtygelände. Direkt am nördlichen Rand verlaufen die Lindenallee mit 14 Bäumen und die Conradtystraße, die auf sechs Meter verbreitert werden soll.

Kolbermoor - Die Lindenallee an der Conradtystraße wird gefällt. Diese Entscheidung war im jüngsten Kolbermoorer Stadtrat hart umkämpft.

Letztlich zeigte sich jedoch die Mehrheit davon überzeugt, dass die Conradtystraße für eine sinnvolle Erschließung des Gewerbegebietes auf dem Gelände des ehemaligen Grafitelektroden-Herstellers auf sechs Meter verbreitert werden muss. Dieser Maßnahme stehen die Bäume im Weg, für die nun an anderer Stelle auf dem Gelände Ersatzpflanzungen vorgeschrieben sind.

Der Bebauungsplanvorentwurf sieht vor, dass das fünf Hektar große Gelände über die Conradtystraße erschlossen wird und nicht wie bisher ab dem Pförtnergebäude über das Geländeinnere. Um einen reibungslosen, geordneten Lkw-Verkehr aufnehmen zu können, muss die Straße laut Planer von derzeit zirka 3,50 Meter auf sechs Meter verbreitert werden. Den Straßenbau würden die Linden laut Planer nicht überleben.

Einige Stadträte brachten den Vorschlag ins Spiel, die Straße weniger breit auszubauen und dafür als Einbahnstraße um das Gelände herum zu führen. "Egal ob die Straße vier oder sechs Meter breit wird, die Linden wären nicht zu halten. Das Wurzelwerk würde zu stark beeinträchtigt", erklärte Markus Schiffmann (CSU), der ebenso wie sein Ratskollege Sebastian Daxeder wegen enger Verbindung zu den Grundeigentümern an der Beratung und Abstimmung nicht teilnehmen durfte, auf Anfrage des Gremiums.

Der Versuch, die Linden auf der Südseite zu erhalten und die Straße stattdessen nach Norden zu verbreitern - wie vom Bund Naturschutz vorgeschlagen - oder aber eine Ersatzpflanzung im Norden scheiterten an den Grundbesitzverhältnissen: Die Grundstücke stehen im Eigentum der Deutschen Bahn AG, die sich dagegen verwahrt, dass ihre Flächen in den Geltungsbereich des Bebauungsplanes einbezogen werden und darauf hinwies, dass die Sicherheitsabstände zum Bahnkörper eingehalten werden müssen.

Dagmar Levin und Sigrid Kumberger (beide SPD) und Georg Kustermann von der Grünen Liste forderten, alles zum Erhalt der Linden zu tun und deshalb über eine Erschließung innerhalb des Geländes nachzudenken. Bisher habe das ja auch funktioniert. Allerdings sei es bereits jetzt einfach zu eng für den Schwerlastverkehr, hieß es seitens der Eigentümer.

"Auf dem Gelände wollte man sich mit dem Bebauungsplan möglichst viele Freiheiten offen halten, um von der Nutzung her flexibler zu sein. Eine öffentliche Straße würde das Areal zerschneiden und die Nutzung massiv einschränken", hielt auch Bürgermeister Peter Kloo dagegen.

CSU-Fraktionssprecher Günther Zellner machte deutlich, dass im Falle einer inneren Erschließung die gesamte bisherige Planung umgeworfen werde. Das sei dem Eigentümer nach der langen Planung nicht zuzumuten, meinte auch Architekt Bernhard Schellmoser, zumal das Konzept schließlich - wie Freie-Wähler-Stadtrat Dieter Kannengießer betonte - auf dem basiere, was einst im Stadtrat beraten worden war. Damals sei von einer Erschließung von außen gesprochen worden und man habe sich durchaus etwas dabei gedacht.

Gerhard Duschl (CSU) hielt eine öffentliche Erschließung durch das Gelände ebenfalls nicht für sinnvoll und plädierte dafür, auch das Positive an der Entwicklung zu sehen. Früher seien die Anwohner im Norden stark durch die Industrie beeinträchtigt worden, durch die jetzige Gewerbeansiedlung werde für sie vieles angenehmer. Außerdem dürfe man nicht die Arbeitsplätze außer Acht lassen, die es auf dem Gelände gebe und die noch geschaffen werden.

Im weiteren Verlauf der Diskussion stellte sich heraus, dass eine Ersatzpflanzung für die Linden auch auf dem zirka 1,50 Meter breiten Grünstreifen südlich der verbreiterten Conradtystraße nicht machbar wäre, da zu wenig Raum für die Wurzeln bliebe und die Bäume auch durch den Verkehr beeinträchtigt werden würden. Von daher sollen sie an anderer Stelle auf dem Gelände ersetzt werden.

Mit 14 zu neun Stimmen sprach sich der Stadtrat gegen den Antrag von Dagmar Levin aus, die Linden zu erhalten und über eine andere Erschließung nachzudenken. Mit dem gleichen Abstimmungsverhältnis billigte das Gremium den Bebauungsplanentwurf. Zuvor hatte man unter anderem noch beschlossen, dass die Wandhöhe eines markanten Baukörpers auf dem Gelände von 18 auf 12,50 Meter reduziert wird. Dies war auch zahlreichen Anwohnern wichtig, die sich schriftlich in dem Verfahren geäußert hatten.

21 Bürger von Lohholz wollten keine bauliche Erweiterung und Intensivierung der Gewerbenutzung. Sie befürchten mehr Lärm und mehr Verkehr. Hier wies der Stadtrat auf die früheren erheblichen Beeinträchtigungen der Wohnqualität durch die Emissionen bei der Herstellung von Grafitelektroden hin. Durch den Bebauungsplan würden nun auch umweltrechtliche Vorschriften gemacht, wodurch eine Verbesserung der Situation entstehe. Auf dem Gelände haben sich bislang Handwerksbetriebe und ein Logistikunternehmen angesiedelt.

el/Mangfall-Bote

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT