Marienplatz: Entscheidung vertagt

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Auch hinsichtlich der Anbindung der Irlachstraße an das neue Stadtzentrum besteht noch Diskussionsbedarf.

Bad Aibling - Kommt es im Zuge der Marienplatzumgestaltung und des Brückenneubaus zu einer Teil- oder zu einer Vollsperrung?

Eigentlich sollte der Stadtrat diese Entscheidung in seiner jüngsten Sitzung treffen und darüber hinaus weitere Weichen für die 3,7-Millionen-Euro-Baumaßnahmen in der Innenstadt stellen. Da den Kommunalpolitikern aber die dazu erforderlichen Unterlagen wieder einmal teils zu kurzfristig und nicht vollständig zur Verfügung gestellt worden waren, wurde der Themenkomplex nach über zweistündiger Diskussion auf den kommenden Donnerstag vertagt.

Hinsichtlich der Vorbereitung der Sitzung gab es heftige Vorwürfe an die Bauverwaltung: Bis zum Nachmittag des Sitzungstages seien - speziell hinsichtlich Kosten und Planungen - noch keine vollständigen, beziehungsweise endültigen Unterlagen verfügbar gewesen. Bauamtsleiter Andreas Krämer verwies (ebenso wie die zur Präsentation des Millionen-Projektes in der Sitzung zahlreich vertretenen Planer) auf den enormen Zeitdruck, unter dem man bis zur letzten Minute an den Unterlagen gearbeitet habe, um den Sitzungstermin überhaupt einhalten zu können.

Überdies eile auch die Entscheidung des Stadtrates, da ansonsten der ehrgeizige Zeitplan für die Durchführung der Arbeiten nicht eingehalten werden könne: Im März sollen die Maßnahmen beginnen und Ende November abgeschlossen sein. Wie berichtet, hatte sich der Stadtrat im vergangenen Jahr dafür entschieden, im Zuge des Rathausneubaus auch gleich die Umgestaltung des kompletten Umfeldes samt Marienplatz durchzuführen. Dies wurde als die wirtschaftlichere Lösung im Vergleich zu mehreren Bauabschnitten gesehen. Zugleich wollte man Bürgern und Besuchern nicht immer wieder neue Sperrungen zumuten.

Das "Gesamtpaket" in den anvisierten neun Monaten zu realisieren, ist nach Aussage der Planer, die bis zuletzt an Alternativen gearbeitet hatten, aber nur möglich, wenn in diesem Zeitraum der Innenstadtbereich komplett und nicht nur teilweise gesperrt werde. Die Vollsperrung sei zugleich die wirtschaftlichste und mit den wenigsten Problemen behaftete Lösung.

"Wir hören heute zum ersten Mal, dass zwischen Voll-und Teilsperrung entschieden werden soll", monierten die Stadträte in Anbetracht dieser neuen Gesichtspunkte. Sepp Glaser (SPD) verlangte diesbezüglich eine umgehende und umfassende Information auch für die betroffenen Anlieger.

500000 Euro Mehrkosten

Auch dass die Planer nun eine Kostenmehrung in Höhe von rund 520000 Euro (auf nunmehr rund 3,7 Millionen Euro brutto, Fördermittel und Anliegerbeiträge noch nicht eingerechnet) im Vergleich zur Kostenschätzung im Oktober letzten Jahres im Gepäck hatte, ließ das Gremium schlucken.

Diese Steigerung begründe sich, wie vom technischen Leiter der Aiblinger Stadtwerke Stefan Barber sowie Architekt Robert Hösle (Behnisch Architekten) erläutert, durch neu hinzugekommene Maßnahmen: der Umgriff in der Kirchzeile wurde erweitert und eine Bushaltestelle mit einbezogen (rund 65000 Euro). Ebenso kommt die Gestaltung der Einmündung Bahnhofstraße hinzu (knapp 95000 Euro) sowie die Verbreiterung der Glonnbrücke (48000 Euro) und die Erschließungskosten für Strom, Wasser etc. durch die Stadtwerke. Auch zu diesen Vorhaben gab es aus Sicht des Stadtrates noch Klärungsbedarf.

Umstritten war überdies die Überlegung, den Bereich Irlachstraße mit in die Gestaltungspläne einzubeziehen. Hier zeigten sich die Kommunalpolitiker irritiert über mehrfache Äußerungen der Planer, dass die Irlachstraße zur Anliegerstraße (mit freier Fahrt für Busse und Versorgungsfahrzeuge) werde. Dazu gebe es ebenso noch Diskussionsbedarf wie über die Positionierung der historischen Mariensäule: Soll sie auf eine Stele gesetzt werden oder in einen Brunnen, mit oder ohne Wasserspiel, wie hoch soll das ganze werden und sind die vorgesehenen Sitzelemente wirklich erforderlich?

Die Art und Weise, wie der Marienplatz künftig mit Strom, Wasser und Licht (für Veranstaltungen) versorgt werden soll, warf Fragen vor allem hinsichtlich der Kosten auf.

Markus Stigloher (CSU) und Richard Lechner (SPD) hakten vor allem beim Fahrbahnbelag - geplant ist ein heller, so genannter Farb-asphalt - nach. Ob es nicht ein herkömmlicher Asphalt auch tue, ob dieser nicht sogar günstiger und im Bedarfsfall problemloser auszubessern oder später zu entsorgen sei, wollten beide wissen. Den Kostenunterschied zwischen herkömmlichem und Farbasphalt bezifferten die Planer mit rund 30000 Euro für die Gesamtmaßnahme.

Darüber will der Stadtrat ebenso noch beraten wie über die anderen Beläge, beispielsweise für den Marienplatz und die Fußgängerbereiche (Granit/Betonplatten). Generell trieb das Gremium die Sorge um, der Marienplatz und sein Umfeld könnten letztlich "wie ein Fleckerlteppich" aussehen.

Weitere offene Frage: Auf welchem Weg erreichen behinderte Bürger das Rathaus: über eine kurze oder eine längere Rampe, die vom rückwärtigen Bereich der Sparkasse her kommt? Letztere wäre laut Planern die günstigere, für den Nutzer zugleich auch bequemere Variante.

Fördermittel in Aussicht

Wie sicher bereits die Fördermittel seien wollte Dr. Reiner Keller (SPD) wissen. Konkrete Zahlen wurden in der Sitzung nicht genannt, Bürgermeister Felix Schwaller erklärte jedoch, dass Mittel aus der Städtebauförderung zugesagt seien. Aussicht bestehe auch auf Förderung für den Brückenbau. Abzüglich der Zuschüsse und Anliegerbeiträge war Schwaller bei seinen Berechnungen auf letztlich verbleibende Kosten in Höhe von zirka 2,75 Millionen Euro gekommen.

Einladungsfrist nicht eingehalten

Die Abstimmung über den Tagesordnungspunkt Marienplatzausbau mit Neubau der Glonnbrücke und Sanierung der Mühlbachbrücke ist nicht zulässig, erklärten die SPD-Stadträte Richard Lechner und Dr. Reiner Keller eingangs der Sitzung. Mehrere Räte hätten die Einladung zu spät erhalten, nämlich erst am Montag. Damit war die Ladungsfrist nicht eingehalten.

Die Verwaltung beteuerte, die Schreiben fristgerecht am Freitagvormittag verschickt zu haben, was beispielsweise die Willinger Stadträte Markus Stigloher und Josef Schmid (CSU) bestätigten: Sie hatten die Einladung am Samstag im Briefkasten. "Wenn man sich auf die Post nicht mehr verlassen kann, dann müssen wir die Stadtratseinladungen wie früher wieder per Boten zustellen", schlug Bürgermeister Felix Schwaller als Konsequenz vor.

Mitarbeiter der Deutschen Post wollen sich, wie Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath - gestern von unserer Zeitung auf das Problem angesprochen - versprach, gleich am Montag mit der Stadt in Verbindung setzen, um der Verzögerung auf den Grund zu gehen.

Da überdies bei den im Ratsinformationssystem eingestellten Unterlagen am Sitzungstag bis 15 Uhr als Beschlussvorlage noch eine weiße Seite zu sehen war, befürchtete Dr. Keller bei einer etwaigen Abstimmung eine Unrechtmäßigkeit.

Deshalb wurde die Entscheidung vertagt. Sie soll am Donnerstag, 2. Februar, 18 Uhr, im Seminarraum des Kurhauses nachgeholt werden. Wie Geschäftsführer Peter Schmid gestern erklärte, wird dabei sicherheitshalber auch über die anderen fünf bereits behandelten Tagesordnungspunkte aus der letzten Sitzung noch einmal abgestimmt.

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