Mehr Licht und Farbe geht nicht

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Das gläserne HPZ: Aus einem der vielen Rundfenster blickt HPZ-Leiter Matthias Bogenberger einer neuen Ära entgegen. Ende des Jahres finden 200 Buben und Mädchen in dem 26-Millionen-Projekt eine neue Heimat. Fotos

Rosenheim - Es ist das derzeit teuerste Bauprojekt in der Region. Und es ist das Bauprojekt mit der längsten Vorgeschichte - das neue Heilpädagogische Zentrum (HPZ).

Umso mehr fiebern Verantwortliche, Kinder und Eltern dem Beginn einer neuen Epoche entgegen. Heute in 100 Tagen wird in Rosenheim das neue HPZ eröffnet. Auch wenn viele Böden noch nicht gelegt, die Wände noch unverputzt sind - schon jetzt wird deutlich: Mehr Licht, Farbe und Wärme geht nicht. Die rund 200 HPZ-Kinder werden sich auf Anhieb wohl fühlen in ihrer neuen Welt.

Ministerpräsident und Erzbischof als Eröffnungsgäste: Ob es das in Rosenheim schon einmal gegeben hat? Jedenfalls kommen Horst Seehofer und Reinhard Marx zur HPZ-Einweihung am 12. November. Es muss also ein besonderer Komplex sein, der mitten in der Stadt an der Ebersberger Straße (gleich neben der Gaborhalle) entsteht.

Licht und Farben schaffen Atmosphäre

Orientierung durch Farbe: Farbbänder auf dem Boden werden den Kindern den Weg zu ihrem Klassenzimmer weisen. Die Toiletten sind schon passend gefließt.

Für den erfreulichsten Superlativ sorgen aber weder die politische und kirchliche Prominenz noch die hohen Projektkosten (mindestens 26 Millionen Euro), sondern das Licht- und Raumkonzept des Gebäudes und seiner Außenanlagen. Obwohl die Wolken an diesem regnerischen Sommertag tief und dunkel über dem HPZ hängen, dringt von überall her so viel Licht durch Glasfassaden, Dach- und Rundfenster, dass man meinen könnte, die Lampen und Röhren an der Decke wären schon installiert. Dem ist aber nicht so.

Ob Aula, Turnhalle, Klassenzimmer, Tagesstättenraum oder Gang - überall ist mindestens eine Seitenwand, durchgehend vom Boden bis zur Decke, aus Glas. Teilweise kann man sogar 150 Meter weit durch den Bau hindurch schauen, der von der Form her ein L beschreibt.

Noch fällt der Blick durch das gläserne L hinaus auf die Bagger und Baumaschinen im graubraunen Schlamm. Aber mit etwas Fantasie kann man sich gut vorstellen, dass das HPZ zu einer richtigen Wohlfühloase für die Kinder werden kann, wenn erst das Grün sprießt auf den Freiflächen, Pausenhöfen und Dachterrassen - kein Vergleich mehr zum engen, dunklen "Noch-HPZ" an der Goethestraße, das längst nicht mehr zeitgemäß und viel zu klein ist.

Seit 1972 gibt es das HPZ. Träger ist die Caritas. Die 200 behinderten Buben und Mädchen, die dort zur Schule gehen und die Tagesstätte besuchen, kommen nicht nur aus der Stadt, sondern aus dem ganzen Landkreis Rosenheim.

Gebaut für 100 Kinder, ist die Enge teilweise unerträglich. Die Suche nach einem Standort für einen Neubau erstreckte sich über fast zwei Jahrzehnte, war von vielen Rückschlägen gekennzeichnet, ehe es auf dem Grundstück neben der Gabor-Halle endlich klappte. Dazu trugen auch die OVB-Leser ihren Teil bei. Mit ihren Spenden im Rahmen der OVB-Weihnachtsaktion "Ein Platz für behinderte Kinder" wurden spezielle Therapiegeräte angeschafft, für die das Geld nicht gereicht hätte.

Ob die Kinder in 100 Tagen aber schon im neuen HPZ lernen, spielen, Spaß haben und die Therapieangebote nutzen, ist noch offen. Beim Verlegen des Estrichs hat eine Firma nicht sauber genug gearbeitet, monieren die Architekten und die Caritas als Bauherr. Das erklärt auch, warum so wenig Betrieb im Gebäude herrscht, als HPZ-Leiter Matthias Bogenberger mit der OVB-Redaktion einen Rundgang über die Großbaustelle unternimmt. Es kommt zu Verzögerungen, so mancher Handwerker muss jetzt warten, bis die Probleme behoben sind. Sollte sich der Umzug tatsächlich um ein paar Tage oder Wochen verschieben, werden dies die Kinder und ihre Eltern aber verschmerzen. Die Vorfreude trübt das nicht.

Allein schon der Vorplatz am Haupteingang mit eigener Busrampe erleichtert den Einstieg in den HPZ-Alltag wesentlich. Das Ein- und Aussteigen - an der Goethestraße wegen der engen Fahrbahnbreite und des Durchgangsverkehrs ein schwieriges Unterfangen - wird nun vergleichsweise zum Kinderspiel.

In der Aula eröffnet ein Schienensystem an der Decke ganz neue Möglichkeiten: So können Trennwände je nach Bedarf und ganz bequem durch das Foyer geschoben, aufgestellt und wieder entfernt werden. Im Handumdrehen lässt sich die Halle damit in zwei oder drei Räume zerlegen - das ist ideal, wenn beispielsweise eine Regelschulklasse zu Besuch kommt.

Farbbänder weisen den Weg

Am Ende des Foyers weisen den Kindern Farbbänder auf dem Boden den Weg zu ihren Klassenzimmern und verschaffen ihnen Orientierung. Es gibt den blauen, lila, roten, orangen, gelben und grünen Gang: Die Toilettenfliesen tragen jeweils die passende Farbe. Eine Fußbodenheizung sorgt für eine gleichmäßige Wärme - kein überflüssiger Luxus, sondern ein Segen für Kinder mit körperlichen Behinderungen, die am Boden sitzen oder liegen. Zudem sind Heizkörper an den Seitenwänden bei Stürzen und unkontrollierten Bewegungen eine Verletzungsgefahr. Ist das weiß geflieste Spezialschwimmbad mit Hubboden auch dicht? Den ersten Test hat das etwa zehn Meter lange und fünf Meter breite Becken schon bestanden. Das Schulleben im neuen HPZ spielt sich weitgehend im Parterre ab. Auch das ist ein wesentlicher Fortschritt und erleichtert den Alltag. Im Obergeschoss befinden sich zwei große Räume für Hand- und Textilarbeiten, die Schulküche, Pflegeräume und drei Spezialzimmer für schwerstbehinderte Kinder: Wasserbett-, Snoezelen- und Schwarzlichtraum verschaffen ihnen Entspannung und fördern die Wahrnehmung.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksfest)

Die Bauarbeiten am HPZ:

Bauarbeiten HPZ

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