"Mein schwerster Fall"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
RTL-Restauranttester Christian Rach aus Hamburg machte sich im "Luwdigs" ans Werk.

Kiefersfelden (OVB) - Anfragen und Hilferufe von Lokalen bekommt RTL-Restaurant-Tester Christian Rach zuhauf. Doch als er vom Drama um das "Ludwigs" in Kiefersfelden erfuhr, sagte er spontan zu.

"Die Umstände waren so erschütternd, dass ich einfach helfen wollte. Es wurde mein schwerster Fall", erzählt der 52-jährige Sternekoch aus Hamburg im Gespräch mit dem Oberbayerischen Volksblatt. Am heutigen Freitag wird das "Ludwigs" direkt am Hödenauer See wieder eröffnet und alle Gäste können das Ergebnis von Rach und seinem Team genießen.

Begonnen hatte alles mit dem plötzlichen Tod von Michael Rippold im vergangenen Herbst, der das beliebte Ausflugslokal direkt am Wasser geführt hatte. Von einem Tag auf den anderen stand die junge Frau mit ihrer kleinen Tochter Zoey alleine da. Nach dem ersten Schock und dem Wunsch, die Gaststätte im Sinne ihres Mannes weiterzuführen, schlugen schnell die Probleme über ihrem Kopf zusammen. Was sie nicht gewusst hatte: Ihr Mann war völlig verschuldet. Nun kam zur tiefen Trauer auch noch die Sorge um die Zukunft dazu.

Da stand dann "wie ein Wunder von oben" RTL-Restaurant-Tester Christian Rach vor ihr. Der Sternekoch, der in Hamburg das Feinschmecker-Lokal "Tafelhaus" mit atemberaubendem Blick auf die Elbe führt, sah auf Anhieb das Potenzial der Location in Kiefersfelden. "Es liegt wunderbar direkt am See und von der Terrasse können die Gäste ihren Cappuccino mit Blick auf das Kaisergebirge genießen. Ein wunderbares Ambiente."

Doch der Blick in die Bücher habe ihn schnell ernüchtert. "Um ein Lokal langfristig und erfolgreich zu führen, gehört neben einem freundlichen und aufmerksamen Service und einer guten Küche auch ein Gastraum mit Wohlfühlcharakter dazu. Und ganz wichtig: Das Ganze muss sich auch noch rechnen", so der Profi. Dieses Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten mache den Erfolg aus. "Ich habe selbst so viel Glück gehabt, ich möchte gerne anderen zur Seite stehen und ihnen wieder auf die Beine helfen. Das ist meine Motivation für die Sendung", so Rach.

Mit seinem sechsköpfigen Team machte er sich dann in Kiefersfelden an die Arbeit. Eine versierte Rechtsanwältin kümmerte sich um Gläubiger und ein Bilanzbuchhalter nahm die betriebswirtschaftliche Seite des "Ludwigs" unter die Lupe. Rach selbst band sich die Schürze um und ging in die Küche. "Ich war begeistert von der Ausstattung, die ich dort vorfand. Alles top in Schuss."

Zusammen mit dem Küchenpersonal und dem italienischen Chefkoch stellte er eine neue Speisekarte zusammen. "Wichtig ist, dass das Kochteam die neuen Anforderungen bewältigen kann." Es mache keinen Sinn, schwierige Gerichte auf der Karte anzubieten, die über das Kochvermögen und die Finanzen des Personals gehen. Im "Ludwigs" werde es weiter die beliebten Pizzen geben, dazu kommen noch einige kleine originelle Kreationen. "Den Bohnensalat mit Gambaretti und die Toskanische Suppe kann ich nur empfehlen", so der Sternekoch. Die neuen Gerichte und auch die neuen Arbeitsabläufe übte Rach dann mit dem Team ein. "Die können etwas, ich sehe positiv in die Zukunft."

Aber sein Ehrgeiz reicht darüber hinaus. "Es geht ja nicht darum, dass die Küchenprofis vom Ludwigs in alle Ewigkeit meine Empfehlungen nachkochen. Sie müssen selbst kreativ werden. Ich kann sie nur motivieren."

Deshalb, so verriet Rach dem OVB, werde er nach einiger Zeit wieder vorbeikommen und nach dem Rechten sehen. Denn es gehe ihm nicht um den schnellen TV-Erfolg. "Ich möchte, dass die Lokale, denen ich helfe, eine langfristige Perspektive haben und ihr Potenzial entwickeln."

Nach der Küche machte sich das Rach-Team an das Ambiente im Gastraum. "Der Raum ist sehr hoch. Ein Gast könnte sich schnell verloren vorkommen, deshalb haben wir einen Kronleuchter aufgehängt. Ich bin gespannt, wie er bei den Besuchern ankommt", so der Restaurant-Tester zum OVB. Schließlich bekam die Terrasse noch den letzten Schliff. "Sie wurde ein Traum am Wasser", findet Rach.

Nun müssen nur noch die Gäste kommen und sich von der Verwandlung des "Ludwigs" überzeugen. Doch, so der Hamburger, "der Drops ist noch nicht gelutscht. Ich habe gefordert und gefördert. Was nun daraus wird, werden wir sehen. Doch ich lasse niemanden im Stich. Wir sehen uns wieder."

Sigrid Knothe (Oberbayerisches Volksblatt)

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser