Ein Kraftwerk aus dem Baukasten

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Der "Sonnenspeicher" des neuartigen Solarwerkes von Protarget auf dem B&O-Gelände in Mietraching.

Mietraching - Weltweit das erste seiner Art ist das Solarkraftwerk von "Protarget", das auf dem B&O-Gelände in Mietraching errichtet wurde.

Auf dem B&O-Gelände in Mietraching ist in den vergangenen Wochen und Monaten eine neue Generation von Solarkraftwerk als Pilotanlage errichtet worden. Dadurch soll Solarstrom weltweit einfacher zugänglich und in vielen Gebieten ohne Subventionen bezahlbar sein.

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Es handelt sich bei der Anlage nach Angaben des Kölner Technologieunternehmens Protarget AG um ein erstes Referenzwerk. "Wenn es hier technisch einwandfrei läuft, was es derzeit tut, wird es auch in sonnigeren Regionen zuverlässig laufen", ist sich Martin Scheuerer, Vorstand der Protarget AG sicher.

Bad Aibling sei als Standort ideal, da es als großflächiges Zukunftslabor ein idealer Ort zum Experimentieren, Forschen und großmaßstäblichen Entwickeln (Stichwort Nullenergiestadt) ist. Die Pilotanlage in Mietraching hat eine Leistung von bis zu 320 Kilowatt. Dies entspreche etwa der Heizenergie von 50.000 Litern Heizöl pro Jahr, die damit eingespart werden könnten. Die Messwerte dort würden regelmäßig kontrolliert und ausgewertet.

Millimeterarbeit: die Feinjustierung der Paneele.

Das Mietrachinger Kraftwerk aus dem Baukasten ist ein neuartiger Technologieansatz. Dieses mache Solarenergie in sonnenreichen Regionen so günstig wie Diesel- und Kohlestrom. Protarget bringt mit dem ersten schlüsselfertigen Solarkraftwerk eine neue Generation von CSP-Anlagen (Concentrating Solar Power) auf den Markt. Aufgrund eines standardisierten Fertigungsprozesses könnten die solarthermischen Anlagen deutlich schneller und kostengünstiger realisiert werden. "Bislang waren CSP-Kraftwerke mit riesigen Spiegelparks Großprojekte mit einem immensen Finanzierungsaufwand sowie langen Planungs- und Bauzeiten", erinnerte Scheuerer.

Ebenfalls mit im Boot: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln (DLR). Außerdem sind eine Reihe von bayerischen Unternehmen an dem Projekt als Technologie- und Industriepartner beteiligt. Einer der Partner ist die Hörmann-Gruppe mit Sitz in Kirchseeon bei München.

Deren Tochterunternehmen - die Hörmann Automotive - liefert Stahlträger-Strukturen. Die Firma Flabeg aus Nürnberg wiederum sorgt seit 25 Jahren für Parabolspiegel. Wacker Chemie Thermoöl und die Firma Terrafix fertigen das Fundamentsystem der Anlage. Terrafix wurde für ihre Technologie vor kurzem mit dem Bayerischen Gründerpreis ausgezeichnet.

Das Mietrachinger Solarkraftwerk ist laut Scheuerer für kleine und mittlere Anwendungsbereiche von einem bis 20 Megawatt (MW) in sonnenreichen Regionen wie dem arabischen Raum und der Mittelmeerregion konzipiert. Damit ließen sich die Investitionskosten pro Leistungs-Megawatt gegenüber herkömmlichen Solarkraftwerken um 30 Prozent reduzieren. Die Stromerzeugungskosten würden dadurch je nach Region auf unter 15 Cent für die Kilowattstunde (kWh) sinken.

Solarthermische Anlagen mit konzentrierenden Kollektoren werden auch als Spiegelkraftwerke bezeichnet. Sie erzeugen Temperaturen von bis zu 400 Grad Celsius und haben einen hohen Wirkungsgrad. Anders als bei Fotovoltaik generiert die konzentrierte Sonnenenergie nicht direkt Strom, sondern Hitze, die wiederum Dampf erzeugt. Dieser treibt eine Turbine mit Generator zur Stromerzeugung an. Der Dampf kann darüber hinaus auch zur Kühlung, Klimatisierung, für industrielle Prozesswärme und Meerwasserentsalzung eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil der CSP-Technologie laut Scheuerer: "Sie kann die erzeugte Energie speichern. Auf diese Weise ist sie zuverlässig rund um die Uhr verfügbar und damit regelbar."

Ein Kraftwerk mit einer Leistung von fünf Megawatt könne künftig rund 13 Millionen Kilowatt pro Stunde Strom pro Jahr liefern. "Das entspricht dem Verbrauch von etwa 4000 Haushalten beziehungsweise eines Industrieparks", so der Vorstand. Auf diese Weise könnten pro Jahr ungefähr 10.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden, die bei der Stromerzeugung mit herkömmlichen Kraftwerken anfallen würden.

Silvia Mischi (Mangfall-Bote)

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