Nachbar springt auf "Bauzug" auf

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Bad Aibling - Gleiches Recht für alle - das sagte sich ein Bauwerber in Wilpasing. Er will und bekam ebenfalls die Möglichkeit zum Baurecht auf seinem Grundstück.

Damit profitiert er von seinem Nachbarn, der sich zwei Jahre lang durch das Verfahren kämpfen musste.

Beide Grundstücke liegen im Außenbereich, durch eine Satzung wird nun laut Stadtratsbeschluss der Geltungsbereich neu gefasst und Bauen zum Eigenzweck ermöglicht.

Überwiegend herrschte politisch Verständnis für die Belange des ersten Bauwerbers, der auf seinem ungünstig zugeschnittenen Grundstück kein weiteres (Einfamilien-)Haus hinsetzen kann (der Sohn will bauen). Deshalb hatte der Stadtrat im Oktober 2009 bereits eine Außenbereichssatzung beschlossen. Darüber sollte im Sinne von Bauland für Einheimische nach dem Weilheimer Modell die Sache für den Wilpasinger zu einem guten Ende gebracht werden.

Nach Rücksprache mit dem Landratsamt wurden die Geltungsgrenzen, da zu großzügig, dann nochmals enger gefasst (wir berichteten). Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens hatten nun die Regierung von Oberbayern und das Landratsamt Rosenheim keine Einwände, ein Nachbar aber hatte sich gemeldet.

Dieser wünschte eine Verschiebung des Geltungsbereiches an einer Stelle im Süden um etwa acht Meter. Nur so sei auch für seine Familie eine Bebauung mit einem Einfamilienhaus möglich. Das bis dato einbezogene Grundstücksdreieck reiche nicht einmal für eine "Hütte".

Der Nachbar führte als weiteres Argument an, dass bei dem ersten Bauwerber aus Bebauungsgründen ebenfalls der Geltungsbereich verschoben worden sei (nach Norden).

Im Sinne der Gleichbehandlung urteilten das Landratsamt Rosenheim und somit auch die Aiblinger Bauverwaltung pro Nachbar-Anliegen, womit einer Umplanung des Geltungsbereichs nichts im Wege stand. Daraus aber resultierte die Sorge des ersten Bauwerbers, es könne sich wegen einer dann notwendigen erneuten Öffentlichkeits-Beteiligung sein Verfahren wieder hinziehen. Diese Sorge teilten einige Stadträte.

Man wolle den Nachbarn zwar nicht ausgrenzen, den Bauwerber aber auch nicht Nachteilen aussetzen, betonte Sepp Glaser (SPD). "Keine Verzögerungen mehr", wollten Dieter Bräunlich (ÜWG) und Thomas Höllmüller (CSU) ebenfalls sichergestellt wissen. Immerhin habe der Bauwerber ein zwei Jahre dauerndes Verfahren hinter sich, der Nachbar springe lediglich auf den Zug auf, begründete Höllmüller die Haltung.

Die Besorgnis konnte Hubert Krabichler (Bauverwaltung) wegwischen: Alle Nachbarn hätten inzwischen der Umplanung zugestimmt, ein Satzungsbeschluss sei sofort möglich zusammen mit dem vom Nachbarn beantragten erweiterten Geltungsbereich. Dem folgte der Stadtrat mehrheitlich (vier Gegenstimmen).

Die Anregung von Markus Stigloher (CSU) wurde dabei aufgenommen. Er war alarmiert, weil in einer Kartenskizze zum Geltungsbereich das geplante Einfamilienhaus des Nachbarn mit einer Gebäudekante an den Geh- und Radweg stößt. Deshalb soll darauf geachtet werden, dass bei einem Bauantrag das Haus vom Weg abgerückt ist.

Der Bund Naturschutz hatte sich im Beteiligungsverfahren strikt gegen die Außenbereichssatzung gewandt. Er befürchtete unter anderem eine Verfestigung der Splittersiedlung, Verdoppelung der Bebauung und wachsenden Flächenverbrauch. Stadtrat Max Leuprecht (GOL) protestierte und betitelte das ganze Verfahren als "sehr prekär und nicht in Ordnung".

Elke Wrede-Knopp (Mangfall-Bote)

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