Nachhaltig die Gemeinde führen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Verantwortlichen der Agenda 21 bei der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten.

Feldkirchen-Westerham - Nachhaltiges Wirken zum Wohle der Gemeinde, das war das Leitmotiv einer Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten.

Alle drei Bürgermeisterkandidaten im Video-Interview am Ende des Textes!

Bernhard Schweiger (CSU), Dieter Kannengießer (FWG/ÜWG/FWF/SPD) und Martin Oswald (Pro Bürger) sind die drei Bewerber um den Chefsessel im Rathaus. Sie standen den Veranstaltern der lokalen Agenda 21 zu den vier Themenblöcken "Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit", "Verkehr", "Energie und Siedlungsstruktur" sowie "Soziales und Demographie" Rede und Antwort.

"Einem Bürgermeister kommt die Schlüsselrolle bezüglich nachhaltigem Gestalten in einer Kommune zu", erläuterte Agenda21-Sprecher Helmut Schulte eingangs und übergab - nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Kandidaten - die Moderation an Theo Schneider.

Dieser ging sogleich in medias res und konfrontierte Schweiger, Kannengießer und Oswald zum Bereich "Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit" mit den Fragen: "Wo soll die Entwicklung hingehen, wie sehen Sie das Leitbild einer regionalen Kreislaufwirtschaft?" und "Was glauben Sie, dass Sie beitragen können, damit 2020 noch bäuerliche Betriebe in unserer Gemeinde existieren?"

Lesen Sie auch:

Amtsinhaber Schweiger nannte hier beispielhaft den Bauernmarkt, dessen Angebot ausbaufähig, aber abhängig von den Verbrauchern sei: "Auch bei ihnen muss ein Umdenken erfolgen." Ihm schwebe eine Markthalle mit regionalen Produkten vor. Die Gemeinde könne in der Landwirtschaft nur gestalterisch eingreifen - hinsichtlich der Grundstücksausweisungen oder beispielsweise dem Zulassen von Biogasanlagen. Hier gelte es, das Für und Wider genau abzuwägen.

In puncto Familienbetriebe schlug Schweiger vor, den Beruf des Landwirts positiv darzustellen und gleichzeitig die Betriebe mit kommunalen Aufträgen zu unterstützen.

Großer Andrang: Bis in den Flur hinaus standen die Zuhörer im Feuerwehrhaus.

Herausforderer Martin Oswald will indes die Hofvermarktung fördern, was hinsichtlich hoher Auflagen von Seiten der Gesundheitsbehörden oft schwer sei. Er dachte hierbei an eine Gemeinschaftskühlung für Landwirte, wo das zum Verkauf stehende Fleisch am Hof gelagert werden kann. "Wenn die gemeinsame Nutzung von Erntemaschinen möglich ist, warum sich dann nicht auch hier zusammentun?", so Oswald. Weiteres Standbein für ihn: regenerative Energien wie Hackschnitzel, Biogas und Pellets. Er will eine "Verstädterung" durch weiteren Zuzug regulieren und für mehr Offenheit in der Bevölkerung werben, wenn der Landwirt um 21 Uhr noch einmal auf die Felder muss.

Für Kannengießer ist Nahversorgung gleichbedeutend mit Lebensqualität. Hier müsse man eine Vernetzung zwischen Landwirten, Lebensmittelmärkten und Verbrauchern aufbauen. Gerade die regionalen Produkte wie Fleisch, Obst, Honig und Schnaps müssten mehr in das Bewusstsein der Bürger gerückt werden. Parallel dazu müsse die Gemeinde sich frei von Öl und fossilen Energien machen. "Nicht der billigste Anbieter ist ideal, sondern der am Ort oder zumindest im Landkreis", erörterte Kannengießer.

Dass die Existenzprobleme der Landwirte unbestritten seien, belegen ihm zufolge die Zahlen von 1979 mit 182 Betrieben sowie von 2007 mit nur noch 110 Höfen. "Der flächendeckende Rückgang ist dramatisch. Als Kommune müssen wir hier entsprechende Rahmenbedingungen schaffen."

Das Thema Biogasanlagen brannte dem Publikum unter den Nägeln. Hier würde Oswald als Gemeindemoderator fungieren wollen und sprach sich für eine Erhöhung des Wirkungsgrades der Anlagen aus. Kannengießer wiederum befürchtete Monokulturen, was für andere Landwirte zum Nachteil sein könnte. Schweiger appellierte für einen fairen Umgang mit den Landwirten. Es müsse ein Konsens zwischen Wirtschaftlichkeit, Lärm und Gemeinschaft gefunden werden.

Stichwort Tetra-Funk: Bei diesem Thema müsse man abwarten und vor allem sicher gehen, dass es dadurch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen gebe. Gemeinsam mit anderen Gemeinden wolle man hier an einem Strang ziehen, so die Kandidaten. Schweiger verwies zudem auf einen runden Tisch, der mit Bürgervertretern, Gemeinderat und Fachleuten am 11. April stattfinden soll.

Breiten Raum nahm der zweite Themenblock zu Energie und Siedlungsstruktur ein, der fließend in "Soziales und Demographie" überging: Dabei war für alle Kandidaten klar, dass sich in den kommenden Jahren einiges tun wird und man sich neu aufstellen muss. "Der Weg führt weg von Atomkraft und fossilen Brennstoffen", so Oswald. Ein Mix aus Hackschnitzel, Pellets, Solar, oder Windkraft sei ein möglicher Weg. Kannengießer und Schweiger verwiesen auf die aktuellen Projekte in der Gemeinde am Kapelllenbach.

Zur Siedlungsstruktur kommend sprach Oswald die Nachverdichtung von Flächen innerorts an. "Gleichzeitig soll vermieden werden, dass junge Familien aus der Gemeinde wegziehen müssen, sei es mangels Arbeitsplätzen oder Bebauungsmöglichkeiten." Dies gehe einher mit der Ansiedlung von Gewerbe. "Wir brauchen nicht nur Leute, die im Ort schlafen, sondern viele, die hier leben", so Oswald.

Für Kannengießer ist zusätzlich der demographische Wandel mitentscheidend für die Entwicklung. "Man muss davon ausgehen, das künftig viele 50- bis 70-Jährige in der Kommune leben. Außerdem hat sich die Familienstruktur geändert, was sich auf die Schulformen mit Ganztagsklassen auswirkt", so Kannengießer und sprach zur gegenseitigen Hilfe beispielsweise ein Mehrgenerationenhaus an. Für ihn stehe fest, dass die Bürger bei der Energie- und Trinkwasserversorgung mehr Vertrauen in kommunale Träger oder Verbände hätten, als zu fremden Anbietern.

Das begonnene Einheimischenprogramm weiterführen will Schweiger. "Innenverdichtung geht hier vor Außenverdichtung. Die Vision "Soziale Gemeinde" sei ein wichtiger Ansatzpunkt. Energieversorgung sei für ihn gleich Daseinvorsorge. Mittel- bis langfristig müsse hier ein Gemeindenetzwerk angelegt werden. "Wobei immer auf die Wirtschaftlichkeit geachtet werden muss", so Schweiger.

Den Abschluss bildete die Verkehrsproblematik in der Kommune. Unbestritten sei, dass in den nächsten Jahren das Pkw- und Lkw-Aufkommen steige. Mit dem Verweis auf die in Auftrag gegebene Studie für Umgehungen und Trassen stieg Kannengießer in das 97 Kilometer umfassende Straßenetz von Feldkirchen-Westerham ein. Für ihn ein wichtiger Punkt: Die Bündelung von Fahrten sowie der Umstieg auf das Fahrrad für Erledigungen in nächster Nähe.

Oswald hingegen erachtet die Umgehung der Aiblinger Straße für gut, aber nur ein Teil der Bevölkerung profitiere davon. Ihm liegt eine verbesserte Nutzung des Güterverkehrs am Herzen.

Schweiger will sich für einen Haltepunkt der Mangfalltalbahn in Feldolling einsetzen. "Dieser ist bis dato verschoben worden." Er ging unter anderem auf den konsequenten Ausbau der Westerhamer Straße sowie den Lärmschutz ein.

Silvia Mischi/Mangfall-Bote

Zurück zur Übersicht: Mangfalltal

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser