Neue Grundschule als Modellprojekt

Bad Aibling - Die für 2011 anvisierte neue Grundschule in Bad Aibling nimmt weiter Form an. Sie wird auch als Modellprojekt für Bayern propagiert.

Denn: Kindergartenkinder (letztes Besuchsjahr) und Schulkinder (erstes Jahr) sollen zusammen eine Klasse bilden. Träger könnte die Diakonie werden, Standort das B&O-Parkgelände (wir berichteten). Der Schule angeschlossen sein soll ein Hort.

Hintergrund dieser Idee: Bei beiden Gruppierungen sind große altersmäßige Überschneidungen zu beobachten, jedes Kind hat oft unabhängig vom Alter eine andere Entwicklungszeit. Manches Kindergartenkind kann bereits lesen und schreiben - hier wäre ein Anschluss an die Schulkinder konstruktiv. Die individuelle Förderung soll groß geschrieben werden.

Das auch "Bildungshaus" genannte Modell stößt im Sozial- (Kindergärten)- und Kultusministerium (Schulen) auf großes Echo, auch der Bayerische Städtetag zeigte sich letzte Woche gegenüber Bürgermeister Felix Schwaller begeistert. "Was ermutigt und zu einem breiten Konsens führt", freute sich Schwaller.

Die enge pädagogische Verzahnung von Kindergarten und Schule schlägt sich beim "Bildungshaus" in den Betreuungspersonen nieder: Jeweils eine Erzieherin oder Erzieher und eine Grundschulkraft begleiten und fördern die je zehn Kindergarten- und Schulkinder in den zwei angedachten Klassen.

Das "Bildungshaus", eine einzügige Grundschule, kann nach ersten Überlegungen auf 90 bis 100 Schüler ausgerichtet werden mit insgesamt fünf Klassen, also zu den Pilotklassen noch die zweiten, dritten und vierten Jahrgänge. Weiterer Eckpunkt in der Planung der Diakonie, die potenzieller Träger wäre: ein Hort für diese Schulkinder.

Momentaner Stand für die pädagogische Ausrichtung: eine Regelschule mit Montessori-Elementen - die Diakonie unterhält bereits den Montessori-Kindergarten auf dem Parkgelände - sowie mit Jenaplan-Elementen. Auch sie ist eine reformpädagogische Richtung, wie Montessori und Waldorf.

Als Standort für die Schule ist das Gebäude gegenüber dem vierstöckigen Holzhaus, das derzeit auf dem B&O-Parkgelände gebaut wird, im Visier. Bürgermeister Schwaller zufolge soll der westliche Teil davon aber abgerissen werden, um Platz für das im nächsten Jahr von B&O geplante siebenstöckige Holzhaus zu schaffen.

Mit einem "Bildungshaus" sieht der Bürgermeister nicht nur für die Stadt Bad Aibling einen weiteren Imagegewinn; "es wäre auch eine Entlastung für unsere Schullandschaft." Denn die Hauptschule (Zentrierung an der St.-Georg-Schule) mit Mittagsbetreuung und Angeboten am Nachmittag fordert ihm zufolge zusätzliche Raumangebote ein. Für die Stadt heißt deshalb die Konsequenz: Demnächst bauen oder Container aufstellen?

In Bezug auf das "Bildungshaus" stellt sich eine andere Frage: Wer zahlt was? Bei Kindergärten steht die Kommune in der Pflicht, Schulen sind Ländersache. Dies sei ein Punkt, der gemeinsam zu klären sei, so Schwaller.

Das für ein "Bildungshaus" zuständige Vorstandsmitglied der Diakonie Rosenheim, Rolf Negele, wiegelte auf Anfrage unserer Zeitung ab. Er wisse nichts von einem "Bildungshaus", von keinem Besuch im Sozialministerium oder einer Schule; wenn, so seien das vage Ideen. " Es besteht weder ein Finanzierungsplan noch ein Beschluss dazu." Auch konnte sich Negele angeblich keinen Reim darauf machen, warum am 29. Juni ein Diakonie-Vertreter in der Stadtratssitzung das Modellprojekt "Bildungshaus" vorstellen wird.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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