Stadtverwaltung: Historie auf Schritt und Tritt

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Das historische Treppenhaus.

Bad Aibling - Die Stadtverwaltung Bad Aibling präsentiert sich in neuem Glanz. Das ehemalige Bezirksamt wurde nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zur neuen Stadtverwaltung umfunktioniert.

Die Stadtverwaltung Bad Aibling präsentiert sich in neuem Glanz. Das ehemalige Bezirksamt, später Landrats- und zuletzt Ausgleichsamt Am Klafferer wurde nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zur neuen Stadtverwaltung umfunktioniert. Am Samstag fand die Einweihungsfeier statt.

Vor über 250 Gästen blickte Bürgermeister Felix Schwaller zur Einweihung der neuen Rathausräume rund 160 Jahre zurück. "Im Revolutionsjahr 1848 begann alles, als Bad Aibling den Administrationssitz verlor", erinnerte er. Schon seinerzeit offenbarte sich die "Sehnsucht" der Aiblinger nach dem Bezirksamt, wie eine Bittschrift des Magistrats zeigte. Doch erst im Jahre 1900 gaben die Gremien des Landtages grünes Licht.

Mit Gesamtkosten von 87.000 Mark entstand das heutige Gebäude, als "Zierde des Ortes", wie in den Archiven festgehalten wurde. Bis zur Gebietsreform 1972 blieb das Bezirksamt, seit 1939 in Landratsamt umbenannt, in Bad Aibling. Dann wurde es still in dem geschichtsträchtigen Gebäude; lediglich das Ausgleichsamt befand sich noch bis ins Jahr 2004 darin.

Als die Stadt das Gebäude in selbem Jahr mit dem Fassadenpreis prämierte, kam beim Bürgermeister der Wunsch auf, das Verwaltungsgebäude zur Rathausnutzung zu verwenden. "Viele Leute bestätigten diese Idee als goldrichtig" so Schwaller. Aber es war noch ein weiter Weg. Erst am 4. Juni 2008 war es soweit, als die Aiblinger mit Landrat Josef Neiderhell Einigkeit erzielten. Mit einem Aufwand von 3,45 Millionen Euro habe das Gebäude nun seinen neuen Glanz erhalten, so Schwaller, der es als eine Verpflichtung der Geschichte gegenüber ansieht, solch baulichen Kleinode zu erhalten.

"Es ist schön, wenn man sieht, wie Stadt und Landkreis so einvernehmlich zusammenarbeiten", meinte der Landrat, der es als absolut richtig bezeichnete, dort die Verwaltung anzusiedeln. Mit ein paar Schritten sein man unten in der Stadtmitte.

"Drei harte Wochen liegen nun hinter 50 Mitarbeitern", meinte entschuldigend Architekt Kaspar Zehetmayr im Hinblick auf die noch erforderlichen Bauarbeiten während der Dienstzeiten. Er nannte zehn Aspekte, die ihm bei diesem Gebäude wichtig waren. Allen voran die Wiederherstellung der einstigen Holztüren und des alten Parkettbodens sowie die Belichtung der Flure. Ein "Meilenstein" dabei war der von ihm entdeckte Keller, durch den nach vielen Probebohrungen das Unwahrscheinliche erst Realität wurde: Nun beheimatet dieser das Archiv. Eine gute Nase war auch nötig, um das alte Parkett unter zigfachen Linoleumböden zu finden. Das alles kam aber nicht von ungefähr, schließlich verbrachte der mit Herzblut agierende Architekt in der einjährigen Bauphase an die 800 Stunden auf der Baustelle.

Wie schwierig die Aufgabe war, zeigte sich auch am Außenanstrich. "1,2 Tonnen alter Farbe mussten abgetragen werden", so Zehetmayr am Ende seiner Ausführungen. Neben dem symbolischen Schlüssel übergab er dem Hausherrn auch ein Bildexposee aus der Bauphase.

Kaplan P. Baltharaju Banda und Pfarrer Hanns-Martin Krahnert nahmen die Segnung der neuen Räume vor. "Das Gebäude ist nur Äußerlichkeit. Wichtig sind die Menschen die darin arbeiten", so Krahnert. Danach konnten sich alle von der neuen Wirkungsstätte der Verwaltung ein Bild machen. Und dieses fiel äußerst positiv aus. Ob dies nun der barrierefreie Zugang mit dem freistehenden Liftturm mit gläserner Ummantelung (noch nicht ganz fertig), das historische Treppenhaus (ein baugeschichtliches Juwel) oder die wiederentdeckten Parkettböden sind: Zustimmung allerorten für das Gebäude, bei dem einen in fast jeder Ecke Historie begegnet.

Stolz ist Geschäftsführer Peter Schmid auf den nunmehr freien Blick zur Luitpoldschule. Durch den neu entdeckten Keller war der Abriss der alten Nebengebäude möglich. Dadurch sind die zwei alten Gebäude des Bezirksbaumeister Johann Meishammer nun sichtmässig verbunden.

Bewunderung fand auch das oberste Geschoss. Dort zieren Originalbalken aus dem Altbauwerk die Büros. Brandgeschützt weiß gestrichen fügen sie sich in die hellen Räume ein. Historie auch in Schwallers Büro: Ein altes Bild von Desiderius Beck, dem königlich bayerischen Gerichtsarzt, Gründer der Sole- und Moorschlamm-Badeanstalt in Bad Aibling, prangt an der Wand. Und nicht nur dort, auch in den Gängen des historischen Gebäudes finden sich viele alte Bilder (unter anderem von Leo von Welden).

Die Bevölkerung kann sich beim Tag der offenen Tür am Samstag, 15. Januar 2011, ein Bild von dem sanierten Gebäude machen.

ws/Mangfall-Bote

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