"Ich will gar nicht beschreiben, wie´s da drin ausschaut!"

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Neumarkt- St. Veit - Einen Aufschub gibt es noch für ein Geschwisterpaar, das seit über einem Jahr keine Miete bezahlen will. In zehn Tagen müssen sie ihre Wohnung verlassen. Die beiden haben zuvor jahrelang in zwei Wohnwagen gehaust.

Peter Scheungrab ist fertig mit den Nerven. Schon seit über einem Jahr wohnt das ältere Geschwisterpärchen in der Wohnung seiner Frau ohne Miete zu bezahlen. "150 Euro, das ist alles, was wir bekommen haben." Am Dienstagmorgen rückten darum Gerichtsvollzieher Walter Schmitzberger und zwei Polizisten an, um die Wohnung zwangszuräumen.

Rückblick: Jahrelang lebten die beiden über 70-Jährigen in zwei Wohnwagen in der Beethovenstraße in Neumarkt. Weil sie sich gegenüber von einem Spielplatz niedergelassen hatten und von ihrer Behausung ein ekelhafter Geruch ausging, startete eine Neumarkterin 2008 sogar eine Unterschriftenaktion gegen die Dauer-Camper, die unter widrigsten Bedingungen in ihren Wohnwagen lebten. Anwohner berichteten damals von Katzenkot, verdorbenem Katzenfutter, modrigen Kleidern an einem Kleiderständer vor der Tür, einem Laternenmast, der provisorisch zur Dusche umfunktioniert worden ist und davon, dass die Geschwister auch ihre Notdurft in der Wiese hinter dem Wohnwagen verrichtet haben sollen.

In diesem Haus leben die Geschwister. Müll und Gestank nehmen überhand.

Vor über einem Jahr erfährt Peter Scheungrab aus der Zeitung von den Geschwistern und davon, dass für sie eine Unterkunft gesucht wird. Kurzerhand entschließt sich der Neumarkter gemeinsam mit seiner Ehefrau dafür, den Dauer-Campern die Wohnung der kürzlich verstorben Schwiegermutter anzubieten. "Wir haben 250 Euro Kaltmiete verlangt, die Nebenkosten hätten vom Sozialamt übernommen werden sollen", berichtet Scheungrab. Weil die beiden Neumarkter nun jedoch einen festen Wohnsitz hatten, erhielt der Mann seine Rente wieder und sollte die Nebenkosten selbst tragen. Das tat er aber nicht.

Peter Scheungrab hat jetzt die Räumungsklage angestrengt. "Mir tun die Leute leid, aber wir müssen ja alles zahlen, sogar das Wasser, das sie verbrauchen." Schon oft habe er versucht, im Guten mit dem Geschwisterpaar zu reden, aber es hätte alles nichts gebracht. Das bestätigt auch Bürgermeister Erwin Baumgartner.

Die Stadt hat den beiden Neumarktern sogar eine Wohnung im gegenüberliegenden Haus angeboten. "Das wollen sie aber nicht, weil die Wohnung im ersten Stock ist und die beiden gehbehindert sind und angeblich keine Treppen steigen können", erklärt Baumgartner.

Am Dienstagmorgen sieht Peter Scheungrab die Wohnung von innen. "Ich habe es mir schlimm vorgestellt, aber nicht so schlimm. Ich will gar nicht beschreiben, wie´s da drin ausschaut", sagt er und kämpft mit den Tränen. Der gutmütige Neumarkter wollte nur helfen, dass es so weit kommt hätte er nie gedacht.

Trotzdem stimmt er am Dienstagmorgen einem Aufschub der Zwangsräumung zu. "Wir haben nochmal mit den beiden geredet. Sie wollen aus eigener Kraft ausziehen, dafür haben sie jetzt zehn Tage Zeit." Wie es für die Geschwister am 12. Februar weitergeht wird sich zeigen. Bürgermeister Erwin Baumgartner hofft mit den Besitzern der Wohnung auf einen guten Ausgang. "Wir sind jedenfalls froh, wenn wir das Problem vom Hals haben."

Lesen Sie mehr in der Mittwochsausgabe des Mühldorfer Anzeigers.

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © sz

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