Padre Obermaier: 75 Jahre und kein bisschen müde

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Rosenheim (OVB) - Einen Menschen zu finden, der so unermüdlich zupackt wie Padre Sebastian Obermaier, ist schwer. Ständig ist er unterwegs. **Video**

Ein Arbeitstag, der weniger als 14 Stunden hat, ist eine Seltenheit im Leben des Pfarrers aus Rosenheim, der seit Jahrzehnten als Missionar in Bolivien für den Glauben und gegen die Armut kämpft. Da ist es kaum zu glauben, dass Obermaier tatsächlich schon 75 wird. Die Bolivianer bereiteten ihm zum runden Geburtstag eine bewegende Feier.

"Bin ich denn ein alter Mann? Ich bin doch voll im Schwung und kann immer noch Bäume ausreißen. Vater im Himmel, du bist großartig mit mir!" Das sind die Worte des Stoßgebets, das Obermaier am Morgen seines 75. Geburtstags nach oben schickt.

Es ist 5 Uhr früh, als er in seiner Pfarrei eine Kerze anzündet und den Festtag mit einem Rosenkranz beginnt - hoch droben in El Alto auf 4000 Metern Höhe. Im "vierten Stock der Welt", wie Obermaier die bolivianische Hochebene gern bezeichnet, betet der Padre, wie jeden Tag, um 6.20 Uhr die Laudes in der Kapelle. Nach der 7- und 8-Uhr-Messe singen ihm seine Leute in der "Pfarrei Cuerpo de Cristo" ein Geburtstagslied, im Anschluss erhalten in der Marienkirche 86 Jugendliche die Firmung. Dann muss er sich beeilen, um den Festgottesdienst um 11 Uhr in der Zentralkirche nicht zu verpassen.

Typisch Padre Obermaier: Das Mariachi-Geburtstagsständchen dirigiert der zupackende Pfarrer gleich selbst. Im Hintergrund ist der Anlass groß zu lesen: "Feliz cumpleaos, 75 aos" (Alles Gute zum Geburtstag, 75 Jahre).

Dort wimmelt es nicht nur vor Ministranten und kirchlichen Vertretern. Viele Gratulanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erweisen dem Mann die Ehre, den jeder kennt in Bolivien und der auf den Tag genau 75 Jahre zuvor am Rosenheimer Ludwigsplatz zur Welt kam. Auch der deutsche Botschafter Philipp Schauer sitzt in der zweiten Reihe.

Am Ende der bewegenden Messe tauft Obermaier vier Kinder. Viele Gläubige bitten um seinen Segen - so viele, dass die Zeit schon wieder drängt. Schließlich soll das Mittagessen nicht kalt werden, das der Jubilar mit seinen fast 400 Gästen zu sich nimmt. Als die Mariachis aufspielen, herrscht Bierzeltstimmung wie beim Rosenheimer Herbstfest. "Nur ohne Alkohol", so Obermaier.

"Todas las personas slo quieren lo mejor para él", sagt eine seiner vielen Helferinnen - alle wünschen dem Padre nur das Beste.

Pfarrer Obermaier ist seit 1966 Seelsorger in Lateinamerika. Er ließ sich auf eigenen Wunsch von Kardinal Döpfner nach Südamerika schicken, zunächst nach Venezuela. Seit 1978 arbeitet er im Missionsdienst in El Alto - eine Stadt, die aufgrund der Landflucht in Bolivien in rasendem Tempo zur Millionenstadt heranwuchs. Dort baute er die Pfarrei "Cuerpo de Cristo" auf, erstellte einen Nothilfeplan zur Armutsbekämpfung, baute zahlreiche Schulen (auch dank der Unterstützung unserer Leser im Rahmen der OVB-Weihnachtsaktion "Hilfe für Bolivien"). Obermaier eröffnete Kinder-, Waisen- und Seniorenhäuser. 2003 wählte ihn die bolivianische Presse zum "Mann des Jahres", weil er bei den Unruhen im so genannten "Gaskrieg" unter Einsatz seines Lebens Schwerverletzten half. 2005 wurde ihm in München der mit 50 000 Euro dotierte Itzel-Preis verliehen. Damit wurde sein jahrzehntelanges Engagement gewürdigt, das stets vom Bemühen geprägt war, den vielen Bolivianern, die im ärmsten Staat Südamerikas von der Regierung im Stich gelassen werden, Bildung, Arbeit, eine menschenwürdige Lebensgrundlage und eine Perspektive zu verschaffen.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

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