Nordtangente: "Varianten optimieren"

Bad Aibling - Das Thema Nordtangente soll nicht aufs Abstellgleis geschoben werden. Doch über die weitere Vorgehensweise herrschte alles andere als Einigkeit im Aiblinger Stadtrat.

Nun soll der Stadtentwicklungsausschuss mit der Dorfgemeinschaft Mietraching (DG) sowie den Initiativen "Gegen die Nordumgehung" (GNU) und "Pro Nordtangente" (Pronota) Vorschläge zur Verbesserung der Varianten erarbeiten. Das beschloss der Stadtrat mit 11:9 Stimmen.

Das Vorgehen fand allerdings keine Gegenliebe bei der SPD. Fraktionssprecher Richard Lechner zeigte sich davon überzeugt, dass sich dann die Bürgerinitiativen "ineinander verbeißen" und so das unangenehme Thema Nordumgehung über die nächste Kommunalwahl hinaus vertagt wird.

Die Standpunkte der Gruppierungen bezeichnete Lechner als längst ausgetauscht und weitestgehend unvereinbar. Der jüngst geäußerte Kompromissvorschlag in einem Schreiben der DG (Südtrasse, zum großen Teil untertunnelt) enthalte vermutlich unüberwindbare Hürden. Diese Ansicht teilte Dieter Bräunlich (ÜWG). Zum Inhalt des zitierten Schreibens erklärte er, dieser sei von zwei DG-Vorstandsmitgliedern ohne Absprache mit den anderen weitergegeben worden. "Die große Mehrheit der Mietrachinger lehnt die Nordumgehung nach wie vor ab", stellte Bräunlich klar.

CSU-Stadtrat Alois Kreitmeier zufolge versagt die Südtrasse (im Gutachten als einzig mögliche und rechtlich umsetzbare Variante bezeichnet) in der Praxis als Nordspange. Bevor über die Mach- und Finanzierbarkeit diskutiert werde, müsse untersucht werden, welche Trasse die Aufgaben einer Umgehung am besten erfülle.

Wie Kreitmeier sprach sich auch Sepp Glaser (SPD) gegen den Vorschlag von Verwaltung sowie Bürgermeister Felix Schwaller aus, dem südlichen Verlauf den Vorzug zu geben: "Die nördliche Variante wäre sicher teurer, aber die südliche kostet noch mehr, wenn die Untertunnelung kommen sollte."

Nicht akzeptieren wollte Glaser den Hinweis Schwallers auf das Gutachten. Darin wird die nördliche Variante nur dann als machbar bezeichnet, wenn die südliche nicht verwirklicht werden kann. Als einziges Hindernis für die Variante Süd sah Schwaller eine Bebauung der Flächen, da diese dann nicht mehr zur Verfügung stünden.

Ein großes Dilemma sah Anita Fuchs (GOL) in der momentanen Situation. Sie stimmte dem Verwaltungsvorschlag (runder Tisch mit den Betroffenen) in der Hoffnung zu, dass bei den Beratungen dann "ganz andere Lösungen" herauskommen.

Die Einbeziehung der Betroffenen in die weiteren Überlegungen befürwortete Josef Taufler (SPD). Für den Arbeitskreis sei aber unbedingt fachmännische Unterstützung erforderlich. Er plädierte dafür, dass nicht nur Tier- und Pflanzenwelt berücksichtigt werden sollen, sondern auch, was für den Menschen gut oder schlecht sei. Dem schloss sich Stefan Roßteuscher (ÜWG) an. Zusammen mit Fraktionskollege Rudi Gebhart forderte er einen raschen Termin für den runden Tisch.

Lechner bezeichnete das generelle Festlegen auf die Südvariante als Sackgasse. Ihm zufolge müssen alle Varianten auf ihre langfristige Realisierbarkeit geprüft werden. Zudem pochte er auf Vollzug des einstimmigen Stadtratsbeschlusses vom Juli 2009. Dieser sieht vor, auch die Auswirkungen der Trassen auf die Stadtentwicklung zu berücksichtigen.

Die Tangente wäre eine Verbindung zwischen Staatsstraße im Westen und Kreisstraße im Osten. Wer ist dann Träger der Straßenbaulast? Diese Frage stellten Lechner und Thomas Höllmüller (CSU). Laut Schwaller ist eigentlich der Landkreis Rosenheim Baulastträger. Dieser sieht jedoch keine Mittel dafür vor. Deshalb laufe nach heutigem Kenntnisstand alles auf eine "Sonderbaulast" der Stadt Bad Aibling hinaus.

Eva Langwieder/Mangfall-Bote

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