Baum Nummer 8 soll leben

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Dieser Laubbaum soll trotz Wohnbebauung leben, sagt der Bauausschuss.

Bad Aibling - Ein mächtiger Baum auf einem Grundstück ist der Grund, weshalb der Bauausschuss jüngst die Zustimmung zur Bebauungsplanung versagte. Der Baum soll gerettet werden.

Diese Zustimmung zur Bebauungsplanung wird laut Mehrheitsvotum dann erfolgen, wenn der Baumbestand erhalten bleibt - auf dem Grundstück südlich der Prof.-Kurt- Huber-Straße. Anstelle des dortigen ehemaligen Hotels, zuletzt Altenpflegeheim, sollen drei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen errichtet werden.

Gegen die Baudichte hatte der Ausschuss primär nichts einzuwenden. Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern sind drei viergeschossige Mehrfamilienhäuser vorgesehen, wobei das oberste Geschoss etwas zurückversetzt wird. Gesamtfläche: 1356,40 Quadratmeter.

Alle 33 Wohneinheiten bleiben unter 100 Quadratmetern. Dazu kommt ein Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Grundfläche. Die Wandhöhe der Mehrfamilienhäuser beträgt 11,36 Meter. Das entspricht nach Angaben der Bauverwaltung dem Bestand, der abgerissen wurde, sowie der umliegenden Bebauung. Deshalb füge sich das Vorhaben auch in die Umgebung ein.

Für die insgesamt 34 Wohneinheiten sind nach dem Stellplatzschlüssel der Stadt Bad Aibling 69 Plätze nachzuweisen, laut Satzuung darüber hinaus 20 Prozent oberirdische Stellplätze - macht 14 und damit summa summarum 83. Die meisten liegen in zwei Tiefgaragen (26 und 36). Genau 21 Stellplätze sind laut dem Bauantrag der RUKA Wohnbau GmbH auf dem Grundstück eingeplant. Auch an die erforderlichen Fahrrad-Stellplätzen ist großzügig gedacht: Statt der benötigten 35 sind es 24 mehr.

So weit, so gut. Ein "Störfall" in der Planung: Ein mächtiger Laubbaum müsste weg. Stadtrat Stefan Roßteuscher (ÜWG) schätzt den Stammdurchmesser der Linde auf 1,50 Meter. Das Abholzen des Baumes könne und dürfe nicht sein, gab Roßteuscher die Richtung vor, der sich Max Leuprecht (GOL) vorbehaltlos anschloss. Beide verwunderten sich, dass ein Baum dieser Größenordnung keine Erwähnung im Bauantrag findet. Tatsächlich ist ein Baurecht wegen des Baumes laut Bauamtsleiter Andreas Krämer "eigentlich nicht möglich. Der Bauwerber will aber für eine Ersatzbepflanzung sorgen." Das war Wasser auf die Mühlen von Stadtrat Leuprecht (GOL). Er warnte vor allgemein prognostizierten immer heißeren Sommern, die geradezu nach natürlichen Beschattungsmöglichkeiten schreien würden - wie sie der Großbaum auch gebe. Bei baulichen Nachverdichtungen müsse man mehr in die Zukunft schauen, forderte Leuprecht. Denn: Eine Ersatzbepflanzung könne frühestens in 15 Jahren greifen.

Weiterer Widerspruch: Begrünte Tiefgaragenflächen sind Leuprecht zufolge Augenwischerei, da ohne Wirkung für die Oberflächenentwässerung. Er verlangte, einen Teil der Garagen unter die Hochbaumasse zu packen, auch mit Blick auf eine andere Wohnqualität. Das Problem aber dann: "Die Mehrfamilienhäuser hätten keine Keller", so Krämer gegenüber dem Stadtrat. "Aber das ist Ihre Entscheidung."

Der Baumschutz verlangt auch Bürgschaften an die Stadt - ein Vorgang, dem schon andere Bauwerber unterliegen mussten. Für Roßteuscher somit auch ein Gebot der Gleichheit .

Eigentlich wäre der Beschlussvorschlag der Verwaltung (Zustimmung zum Bauantrag) abgelehnt worden, er wurde zur Abstimmung indes positiv umformuliert: Die Bebauung wird grundsätzlich in Aussicht gestellt unter der Vorgabe, dass der Baum Nr. 8 erhalten bleibt. Dies befürwortete der Ausschuss mehrheitlich (6:3) - Skepsis aber blieb bei Stadtrat Richard Lechner (SPD): Der Baum werde bei dieser Baumasse ohnehin um sein Überleben kämpfen - und dann habe man dasselbe Problem.

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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