Wohngruppe wird endgültig geschlossen

Bad Aibling - Es wird nicht ruhig um zwei private Wohngruppen. So wird die in Misskredit geratene heilpädagogische Wohngruppe für Kinder am 29. Juni endgültig geschlossen.

Denn: Nach Vorwürfen gegen den ehemaligen Leiter der Einrichtung, die die Heimaufsicht und die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen hatten haben die belegenden Jugendämter beschlossen, die Kinder zu verlegen.

Die Schließung zieht jedoch weitere Kreise: Dem Vernehmen nach sollen auch die sieben Jugendlichen, die in der zweiten Wohngruppe unter der Trägerschaft des gleichen Mannes leben, anderswo untergebracht werden: „Wenn nicht noch aus dem Nichts ein neuer Träger auftaucht, steht diese Gruppe ebenfalls vor dem Aus“, erklärte die derzeitige Leiterinder beiden Einrichtungen. Die für die Jugendlichen zuständigen Jugendämter hätten ihr zu verstehen gegeben, dass die die Wohngruppe nicht mehr belegen werden solange der derzeitige Träger mit der Einrichtung in Verbindung steht.

Dem Mann waren, wie berichtet, unangemessene Erziehungsmethoden und fachliche Defizite vorgeworfen worden, die sich aber – wie die Heimaufsicht bestätigte – nur auf die von ihm geleitete Kinderwohngruppe bezogen. Mit den Jugendlichen der zweiten Wohngruppe hatte er keinen persönlichen Kontakt. Nach Angaben der Leiterin habe er „keine einzige Sekunde mit den Jugendlichen gearbeitet“ und wolle auch die Geschäftsführung abgeben.

Dennoch soll, so die Frau weiter, der erste Bub auf Betreiben des Jugendamtes München „sobald wie möglich“ aus der Gruppe genommen werden, die anderen würden folgen. „Zwei der Jungs hätten nun ein Berufsfindungsjahr gemacht, ein dritter wäre in die Praxisklasse an der Kolbermoorer Mittelschule aufgenommen worden“, erklärte sie.

Der Großvater eines der Buben betonte gegenüber unserer Zeitung, dass es seinem 16-jährigen Enkel, der seit drei Jahren in der Wohngruppe lebt, dort sehr gut gefalle. Der Bub sei jetzt in heller Aufregung, seit er erfahren habe, dass die Einrichtung Mitte August aufgelöst werden soll: „Er macht gerade den Quali, hat eine feste Freundin und hätte für den Herbst eine Lehrstelle in Aussicht. Für ihn bricht eine Welt zusammen.“

Großvater und Stiefvater des 16-Jährigen hätten sich persönlich immer wieder von den guten Zuständen in der Einrichtung überzeugt. „Die Erzieher haben sich wirklich sehr gut um die Jungen gekümmert“, so der Großvater, der nun alles versuchen will, um den 16-Jährigen zu sich nehmen zu können.

Wie es indes für die sechs anderen Jugendlichen – fünf davon sind sogenannte minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus Somalia und Afghanistan – weitergeht, wissen die Betreuer eigenen Bekundungen zufolge nicht. Helfen könne nur ein neuer Träger, sagt die Leiterin der Wohngruppe. Doch Gespräche mit infrage kommenden Organisationen seien bisher ergebnislos verlaufen. Für die Gründung eines gemeinnützigen Vereins, die die Betreuer in Betracht gezogen hätten, fehlen die Mittel.

So werden auch die ein der Wohngruppe beschäftigten vier Vollzeitkräfte, ein Heilerziehungspflegeschüler und die Angestellten in der Verwaltung ab Mitte August auf der Suche nach einer neuen Anstellung sein. „Denn ohne Belegung ist die Einrichtung wirtschaftlich nicht weiterzuführen“, so die Leiterin.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

Rubriklistenbild: © dpa

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