Eine zweckentfremdete Wasserflasche

Bad Aibling - Eine Party auf Gut Herrmannsdorf endete jetzt vor dem Aiblinger Amtsgericht: Eine 19-Jährige war der gefährlichen Körperverletzung angeklagt und wurde zu Sozialarbeit verurteilt.

Sie war mit einem jungen Mädchen aneinander geraten.

Die "Froby-Party" auf dem Gut Herrmannsdorf in der Nähe von Glonn ist ein angesagter Treff für die Jugend in ganz Südost-Bayern. Von Freising bis Freilassing kommen die Jungen Leute, um sich in zwei Tanzarenen auszutoben. Auf der Party-Website im Internet kann man Fotos mit dutzenden fröhlicher Mädchen auf dieser Party sehen. Im Gerichtssaal des Amtsgericht Bad Aibling konnte man etliche von ihnen nun wieder treffen. Allerdings überhaupt nicht mehr fröhlich. Eine aus der Reihe dieser jungen Mädchen sah sich einer üblen Anklage gegenüber. Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf. Eine Tat, die man zunächst betrunkenen jungen Männern zutrauen würde. Nicht aber dem zierlichen, brünetten Mädchen, das noch dazu den ganzen Abend nur Wasser getrunken hatte.

Die Staatsanwältin warf ihr vor, einem anderen Mädchen eine Glasflasche auf den Kopf geschlagen zu haben. Die 19-Jährige gestand, dass sie mit einer Wasserfla-sche den Kopf der 17-jährigen Blondine getroffen hatte. Das sei aber nicht mit Ab-sicht, sondern aus einer Abwehrbewegung heraus passiert. Die Andere habe nach ihr in Angriffsabsicht gegriffen und nur das habe sie abwehren wollen. Nicht beachtet hatte sie allerdings, dass sie in der Abwehrhand eine Wasserflasche hielt. So sei es zu dem unbeabsichtigten Treffer gekommen.

Die Gegnerin in dieser Auseinandersetzung hatte das ganz anders in Erinnerung. Es habe wohl eine verbale Auseinandersetzung gegeben. Sie habe die Angeklagte auch geschubst. Hätte sich dann aber umgedreht, um weg zu gehen. Dann erst habe die Angeklagte ihr die Flasche auf den Kopf geschlagen.

Die Mädchen, die in den Zeugenstand gerufen wurden, hatten abweichende Erinnerungen, schließlich seien die Lichtverhältnisse nicht sehr erhellend gewesen. Alle aber bestätigten, dass die Angeklagte keinen Alkohol getrunken habe, während die Getroffene dem Alkohol sehr wohl zugesprochen hätte.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bestätigte, dass die Angeklagte eine durch-aus zielgerichtete, solide junge Frau sei, die sich engagiert in Berufsausbildung befin-det, konkrete Ziele hat und zu solchem Verhalten - sofern ein Schuldspruch ergehe - wohl provoziert worden sei. Eine gemeinnützige Arbeitsauflage sei in diesem Fall sicher eine geeignete und hinreichende Sanktion. Es sei in jedem Fall Jugendrecht anzuwenden.

Ähnlich sah das auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Auch sie vertrat die Ansicht, dass die Großkarolinenfelderin wohl provoziert worden sei. Dennoch würde diese "Abwehr" über die Verhältnismäßigkeit einer Notwehrhandlung hinaus gehen. Da es sich also wohl um einfache Körperverletzung handle, sei sie schuldig zu sprechen. Eine gemeinnützige Arbeit von fünf Tagen halte sie für angemessen.

Die Angeklagte verzichtete auf ein "letztes Wort", da sie schon alles zu dieser Sache gesagt habe.

Die Vorsitzende Richterin Dr. Stefanie Oberländer hatte in einem rechtlichen Hinweis bereits darauf hingewiesen, dass es sich nicht zwingend um eine gefährliche Körperverletzung gehandelt haben müsse. So dann auch ihr Urteil: Schuldig der einfachen Körperverletzung, weil `eine Flasche auf den Kopf' nicht angemessen sein kann. Sie verurteilte sie zu einer Erziehungsmaßregelung von drei Tagen Sozialarbeit. Auf dass sie sich merken möge, dass Flaschen ausschließlich zum Trinken da sind.

au/Mangfall-Bote

Rubriklistenbild: © dpa

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