Eine kleine Geste reicht oft schon aus

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Die Vermittlung von Patenschaften von Familien für Familien haben sich Astrid Steidl (Mitte) und Marianne Krug-Semsch (rechts) auf die Fahnen geschrieben.

Bad Aibling - Sie sind „Anstifter“. Seit Neuestem zetteln sie effektive Hilfe in Form von Patenschaften an, deren Ziel es ist, in Not geratenen Familien in der heimischen Region durch Rat, Tat und Sachspenden zu helfen.

Um diese Hilfe auf möglichst breite Beine zu stellen, haben Astrid Steidl und Franz Wenger aus Bad Aibling mit ihren Mitstreitern die gemeinnützige Stiftung "Protegoon" ins Leben gerufen.

"Uns geht es gut. Deswegen haben wir auch immer gerne gespendet, um etwas abzugeben", beschreibt Astrid Steidl die Beweggründe für ihr Engagement. Sorge hätte ihr und ihrem Mann Franz Wenger jedoch häufig der Gedanke an die Verwaltungskosten bereitet, die bei vielen Spendenaktionen anfallen. So entstand die Idee, selbst eine Initiative ins Leben zu rufen, bei der jede Spende garantiert ankommt.

Am Ende stand die Gründung der "Protegoon Familienstiftung gemeinnützige GmbH", die mittlerweile als mildtätige und gemeinnützige Einrichtung anerkannt ist. "Sämtliche Spenden werden zu 100 Prozent dem gemeinnützigen Zweck zugeführt", versichert Astrid Steidl. Grundgedanke ist aber noch ein anderer, nämlich der der Familienpatenschaft: Protegoon will hilfsbereite und hilfsbedürftige Familien zueinander bringen.

Für Familien, die helfen wollen, hat die Stiftung die Bezeichnung "Protegonauten" kreiert. Diese übernehmen eine Patenschaft in Form von nachhaltiger Unterstützung einer Familie, die nicht vom Glück heimgesucht wurde.

Viele der Betroffenen sind durch Scheidung, Tod eines Partners oder einen anderen Schicksalsschlags ins Abseits geraten. Das besondere Augenmerk richtet sich auf alleinerziehende Mütter und Väter, Kinder aus einkommensschwachen Familien sowie allein stehende ältere Frauen ohne ausreichende familiäre Bindung.

Protegoon hat für beide Seiten ein Formular entwickelt. Wer helfen möchte, kann darauf beispielsweise ankreuzen, dass er Sachspenden direkt an eine Familie schicken, übergeben oder durch eine andere Person abholen lassen möchte. Auch kann er angeben, was er sich als Spende vorstellen kann, etwa gut erhaltene Kinderbekleidung inklusive Größenangabe, Spiele, Bücher oder Bobby-Cars, Inline-Skates, Schlitten, Kinderfahrräder.

Familien, die als Spendenempfänger in Frage kommen, wählt die Stiftung in enger Zusammenarbeit mit seriösen Beratungsstellen aus. Den sozialpädagogischen Fachkräften sind die persönlichen und finanziellen Gegebenheiten der Bedürftigen bekannt. Bei den betreffenden Beratungsstellen liegen auch Formulare aus, auf denen Hilfesuchende angeben können, was sie am dringendsten benötigen.

"Die Angaben von Paten und Empfängern werden von Protegoon streng vertraulich abgeglichen, bevor der Kontakt hergestellt wird", betont Astrid Steidl. "Auf diesem Weg konnten wir auch schon Betten und gebrauchte Schreibtische für Kinder vermitteln, die bisher auf Matratzen am Boden schliefen und keinen Platz hatten, an dem sie ihre Hausaufgaben machen konnten."

In einem anderen Fall übernahm die Stiftung eine Heizkostennachzahlung für eine alleinerziehende Mutter oder leistete Unterstützung für die schulische Ausstattung eines ABC-Schützen (Projekt "Erste Hilfe", das in unvorhergesehenen Notsituationen greift, wenn schnelle, unbürokratische Hilfe notwendig ist).

"Als Protegonaut muss man nicht reich sein. Es genügt schon die Bereitschaft, bestehende Missstände nicht einfach hinzunehmen, sonder etwas aktiv verändern zu wollen", betont Astrid Steidl, die als Oberstudienrätin am Gymnasium Bad Aibling tätig ist. Sie ist ehrenamtliche Geschäftsführerin der Stiftung und wird unterstützt und beraten von ihrer Dachauer Kollegin Lydia Loderbauer-Heintschel sowie den Unternehmern Marianne Krug-Semsch und Franz Wenger.

Auch auf anderen Schienen will man Hilfe leisten, beispielsweise durch das Projekt "Glücksmomente": Durch gezielte Spenden könnte ärmeren Mitbürgern der Besuch einer Musikschule, eines Schwimmbades, Kinos oder Sportvereins ermöglicht werden.

Mit dem Modell "Rat und Tat" (in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund) unterstützt Protegoon Besuche von Seminaren wie dem Kurs "Starke Eltern, starke Kinder", der neue Lösungswege zur Konfliktbewältigung aufzeigt und das Selbstvertrauen von Eltern stärkt. Durch das Programm Fit-4-Schule will man mittels finanzieller Zuschüsse, etwa für Klassenfahrten, den Schulalltag für Kinder aus ärmeren Familien erträglicher machen.

Die Stiftung (www.protegoon.org) wird sich und die Möglichkeiten, zu helfen, unter anderem auch bei der Vorsilvesterfeier am morgigen Donnerstag im Aiblinger Kurhaus vorstellen.

Eva Langwieder/Mangfall-Bote

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