Umbau wird teurer als gedacht

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Noch Baustelle: die Rathaus-Außenstelle am Klafferer. Das Gebäude soll Mitte November bezugsfertig sein. Hier die Verbindung zum Lift/Fluchttreppenhaus.

Bad Aibling - Die Stadt muss tiefer in die Tasche greifen beim Umbau der neuen Rathaus-Außenstelle im ehemaligen Ausgleichsamt am Klafferer.

Der ursprünglich angesetzte Kostenrahmen von 2,69 Millionen Euro wird angesichts einiger "Überraschungen" überschritten, weitere Kosten von knapp 768.000 Euro sind aufgelaufen. Das Gesamtvolumen der Maßnahme ist nun auf knapp 3,46 Millionen Euro angestiegen, wie Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand von der Firma Constrata, Bielefeld, ausführte.

Bad Aibling - Die Handwerker geben sich in den letzten Wochen vor der geplanten Fertigstellung der neuen Rathaus-Außenstelle am Klafferer die Klinke in die Hand: Bis Mitte November müssen die Räume in dem denkmalgeschützten Haus bezugsfertig sein, dann will die Stadtverwaltung, wie berichtet, das Rathaus am Marienplatz räumen und für die Neubauphase des "Bürgerbüros" (ab März 2011) in die Dependance hoch über der Stadt einziehen. Wer zurück ins neue Rathaus wechselt, muss am Klafferer mit Containern vorlieb nehmen, die übrigen Abteilungen wie Bauamt, Hauptverwaltung etc. werden sogleich ihre neuen Räume beziehen.

Während der Bauzeitenplan trotz Schwierigkeiten bei der Fensterlieferung (wir berichteten) eingehalten werden kann, musste hinsichtlich der Kosten nachgebessert werden: Neben einigen "Überraschungen" und Unvorhergesehenem kommen in der von Brand in jüngster Sitzung des Bauausschusses präsentierten Kostenfortschreibung die Ausstattung der neuen Räume und die Außengestaltung hinzu. Letztere beiden Punkte waren in die bisherige Kostenschätzung von knapp 2,69 Millionen Euro nicht eingeflossen.

Summa summarum ermittelte der Projektsteuerer 768.000 Euro an zusätzlichen Kosten (gesamt: 3,46 Millionen Euro), wobei sich die reine Baukostensteigerung in Grenzen hielte, wie Brand vor dem Gremium betonte (rund vier Prozent).

Die Kostenpunkte im Einzelnen: Der Ausbau der zufällig entdeckten, da verschütteten Kellerräume - sie waren freigelegt worden. Dort soll nun das Archiv untergebracht werden. Zusatzkosten: 142.800 Euro - "dafür spart man sich den ursprünglich geplanten Umbau des Nebengebäudes", so die Gegenrechnung des Projektsteuerers.

Unvorhergesehene Kosten kommen beim Brandschutz auf die Stadt zu: Im gesamten Gebäude muss eine flächendeckende Brandmeldeanlage installiert werden - zusätzliche 39.000 Euro sind fällig.

Weitere 53.200 Euro wurden in ein Behinderten-WC im Untergeschoss investiert, das über den Aufzugsturm auf der Rückseite des Gebäudes erreichbar ist. Vorteil dieser Maßnahme: Mit der Verlagerung des Behinderten-WCs ins Untergeschoss bleibt Brand zufolge mehr Platz für die Mitarbeiter-Toiletten im Erdgeschoss - "eine sinnvolle Lösung", zeigte er sich überzeugt.

Nun doch vorgezogen werden die Arbeiten an der Außenanlage, die laut Brand ursprünglich erst mit der Beseitigung der Behelfsbüros in den Containern (Fertigstellung Rathaus-Neubau) vorgesehen waren. "Der Teilbereich rund um das Gebäude soll doch schon durchgeführt werden", so der Projektsteuerer. Für Zuwege, Außenbeleuchtung, Gestaltung etc. fielen nunmehr 73.900 Euro an. Die Arbeiten sind noch im Oktober vorgesehen.

Angebote wurden überdies für die Ausstattung der neuen Räume eingeholt: Für Möbel, Einbauten und Archiv fallen Brand zufolge knapp 240.000 Euro an, weitere 1650.00 Euro für die EDV.

Nicht ausgeblieben sind bei der Denkmalsanierung auch ungeliebte Überraschungen, wie Brand vor dem Ausschuss erläuterte: Nach eingehender statischer Untersuchung habe der historische Dachstuhl verstärkt werden müssen - Kostenpunkt knapp 22.000 Euro. "Erst hält er über 100 Jahre ohne Probleme und jetzt wird überall Eisen angebracht", beurteilte der Bauingenieur die Vorgabe skeptisch. "Eine starke optische Einschränkung." Ein Mehr an Sicherheit gab's ebenso fürs Dach: Für 20500 Euro wurden auch hier Verstärkungen aus Stahl eingebaut.

Zusatzkosten entstanden Brand zufolge zudem beim Abbeizen der Sockel im Erdgeschoss: Hier platzte der Putz ab, Fachleute mussten her. Kosten hierfür: 123.00 Euro.

"Baugeschichtliches Juwel": das historische Treppenhaus wird erhalten.

Insgesamt gesehen, versicherte Brand auf Nachfrage von Richard Lechner (SPD), sei mit der aktuellen Kostenfortschreibung der gesamte Umbau abgedeckt - "weitere Überraschungen sind nicht mehr zu befürchten", erklärte er und betonte gleichzeitig: "Die Maßnahmen waren unumgänglich, wir sind bereits an die untere Grenze dessen gegangen, was möglich ist. Da war kein weiteres Geld mehr zu sparen", erklärte er auch bezüglich einer Nachfrage von Thomas Höllmüller (CSU), ob nicht Möbel aus dem Rathaus weiterverwendet hätten werden könnten. "Der Großteil ist aus dem Jahr 1973 und in die Jahre gekommen, die neueren sind für den Neubau vorgesehen", führte Bürgermeister Felix Schwaller aus.

Als vertretbar beurteilte GOL-Stadtrat Max Leuprecht die Baukostenmehrung: "Schließlich haben wir es mit einem Baudenkmal zu tun", meinte er, nicht ohne die Richtigkeit der Entscheidung pro Sanierung zu betonen: Dieses "baugeschichtliche Juwel" Bad Aiblings keiner öffentlichen Nutzung zuzuführen, wäre seiner Ansicht nach verantwortungslos gewesen. Dem konnte sich Schwaller nur anschließen: "Trotz allen Ärgers während des Umbaus macht das Gebäude Spaß."

Dieter Bräunlich (ÜWG) wiederum kritisierte die Gesamtkostenentwicklung im Rahmen der Diskussion Rathaus-Außenstelle: "Aus anfangs einigen 100.000 Euro wurden es jetzt über drei Millionen", stellte er fest und forderte, künftig bereits im Vorfeld einen Gutachter einzuschalten. Zudem riet er dazu, wie auch Otto Steffl (CSU), die Kosten für Ausstattung, Möbel etc. in Zukunft gleich zu Beginn zu benennen - so auch beim Rathaus-Neubau am Marienplatz.

Die breite Mehrheit des Bauausschusses stimmte schließlich der Kostenfortschreibung zu (Gegenstimmen: Lechner, Armin Niedermeyr, beide SPD).

von Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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