"Er hat vor meinen Augen abgedrückt"

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Der Schauplatz der Horror-Szene.

Haag - Eigentlich wollte Robert W. aus Au am Inn nur zum Einkaufen fahren. Was dann passierte, klingt wie die Handlung eines Horrorfilms.

Der 45-Jährige aus Au am Inn wollte eigentlich zum Einkaufen fahren, als ihm gegen 15.55 Uhr auf der Kreisstraße zwischen Haag und Altdorfer Kreisel an der Bundesstraße 15 ein Volvo-Fahrer auf seiner Fahrbahn entgegenkam. "Ich bin meinerseits auf die Gegenseite ausgewichen, aber unsere Autos haben sich gestreift und es hat mich quergestellt", erzählt Robert W. Der 29-jährige Volvo-Fahrer sei zunächst weitergefahren, letztendlich aber doch stehengeblieben. "Ich dachte schon, er will abhauen, aber etwa 150 Meter weiter blieb er Stehen."

Nachdem er die Polizei verständigt hatte, lief Robert W. zum Unfallverursacher, um nach ihm zu sehen. "Ich habe kurz mit ihm geredet, aber er hat nicht viel gesagt. Er schien abwesend zu sein, alles was ich verstanden habe war `Ich bin schuld, was mache ich jetzt?´"

Der 45-Jährige ging dann wieder zurück zu seinem Auto, um Fotos zu machen. "Irgendwann hat es mich dann geärgert, dass der nicht mal aussteigt", erklärt Robert W. "Ich bin also doch wieder zurück zu seinem Auto."

Der SEK-Einsatz auf der B15 (Nachmittag)

B15: Mann mit Waffe festgenommen

Was Robert W. dann sieht, lässt den Auer erst einmal erstarrren. "Der 29-Jährige saß auf der Beifahrerseite und ich konnte sehen, dass die rechte Kopfseite blutig war. Vom Kopf ging ein Gewehrschaft weg." Bevor W. überhaupt nachdenken konnte, fiel ein Schuss. "Er hat vor meinen Augen abgedrückt", erinnert er sich an die schrecklichen Ereignisse von Mittwochnachmittag. Der 45-Jährige wich automatisch zurück, konnte aber noch beobachten, dass der Volvo-Fahrer sitzen blieb. "Ich habe dann noch einmal die Polizei alarmiert und die vorbeifahrenden Leute gewarnt, dass sie nicht aussteigen oder sich dem Volvo nähern sollen."

Die ganze Zeit über war Robert W. mit der Polizei telefonisch in Verbindung. "Als die Einsatzkräfte zum Unfallort kamen habe ich erst richtig realisiert, was los ist." Erst in diesem Moment kam der Schock bei dem 45-Jährigen zum Vorschein. "Ich habe Bauchkrämpfe bekommen und gezittert."

Angst habe der Auer während der gesamten Situation nicht gehabt. "Der 29-Jährige hat zu keiner Zeit seine Waffe auf jemand anderes gerichtet. Ich glaube es war ein Luftgewehr." Einen Moment lang hat W. sogar überlegt, dem Volvo-Fahrer die Waffe wegzunehmen.

Warum der 29-Jährige, der wahrscheinlich aus Haag stammt, so gehandelt hat, weiß Robert W. nicht. "So wie ich das mitbekommen habe, gab es familiäre Probleme. Scheinbar hat seine Ehefrau ihn verlassen." Dass der Unfallverursacher absichtlich in den Wagen von Robert W. gefahren ist, kann sich der Auer nicht vorstellen. "Ich glaube, er war einfach unachtsam oder betrunken. Mit der Waffe hat er allerdings bestimmt schon etwas vorgehabt."

Den Schock hat der Auer immer noch nicht ganz verdaut. Als er am Donnerstag noch einmal die Unfallstelle aufsucht, bekommt er wieder Magenkrämpfe und beginnt zu zittern. "Sowas geht eben nicht spurlos an einem vorbei." Umso mehr freut sich der 45-Jährige jetzt auf seinen sechswöchigen Ecuador-Urlaub, in den er am Freitag startet.

Anette Mrugala

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