Mit dem Roboter ein Spiegelei braten

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Mit dem simulierten Griff ins Obstregal trainiert der Therapieroboter in der Neurologischen Klinik Bad Aibling die gelähmten Arme von Schlaganfall-Patienten.

Bad Aibling - Nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma leiden Patienten vielfach unter Lähmungen von Armen und Händen. In einer europäischen Studie untersucht die Neurologische Klinik Bad Aibling, wie Therapieroboter die Rehabilitation fördern.

Dabei üben Patienten, unterstützt von einem Roboterarm, das Greifen. Dreidimensionale Bilder auf dem Bildschirm simulieren Alltagssituationen und sorgen für ein möglichst realitätsnahes Trainings-Umfeld.

Franziska K. nimmt einen Apfel aus dem Obstregal. Der Supermarkt existiert dabei nur auf dem Bildschirm und die Finger der Patientin umfassen kein Obst, sondern einen Joystick. In dieser virtuellen Welt lernen Patienten wieder neu, ihre Motorik in Alltagssituationen einzusetzen. Dabei liegen die gelähmten Arme und Hände in einer Schiene mit Bewegungssensoren. Dieser "Roboterarm" unterstützt die verbleibende Armkraft. "Mit Therapierobotern können wir neurologisch kranke Patienten besser auf eine Rückkehr in den Alltag vorbereiten", erklärt Chefarzt Dr. Friedemann Müller.

In der Neurologischen Klinik Bad Aibling werden jedes Jahr 3000 Patienten nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma behandelt. Immer öfter unterstützt "Kollege Roboter" die Therapie. Erste Resultate sind nach Ansicht von Dr. Müller schon positiv: So verbessert sich die Motorik, wenn der Patient in simulierten Alltagssituationen das kippende Glas festhalten muss oder sein Spiegelei in die Pfanne schlägt.

Das abwechslungsreiche Training motiviert die Patienten und sorgt für einen verstärkten Muskelaufbau sowie eine verbesserte Koordination. Mit einer Software können Fortschritte der Patienten direkt ausgewertet werden, sodass die Betroffenen zeitnah zu ihren Erfolgen Rückmeldung erhalten.

In Kooperation mit Universitäten in der Schweiz, Spanien und Slowenien und der Herstellerfirma untersucht die Neurologische Klinik Bad Aibling in einer EU-Forschungsstudie, wie das realitätsnahe Bewegungstraining die Therapie von Schlaganfall-Patienten verbessern kann. In der Klinik gibt es seit Februar ein eigenes "Arm-Studio", in dem Patienten an verschiedenen PC-basierten Geräten wie dem Armroboter "Armeo" schrittweise ihre Beweglichkeit zurückgewinnen. "Therapieziel ist, dass nach einem Schlaganfall möglichst wenige Behinderungen zurückbleiben", erklärt Dr. Müller. "Je intensiver und alltagsnäher sich das Bewegungstraining dabei gestaltet, umso stärker profitieren die Patienten."

Als erste Klinik in Deutschland hat die Neurologische Klinik Bad Aibling auch eine weitere Maschine, einen "Motion Interactive Technologies Robot" (MIT-Manus), aufgestellt, der das "Arm-Studio" komplettiert. Während der Armeo-Roboter durch seine vielfältige Software für virtuelle Situationen die Möglichkeiten des Trainings sehr erweitert, hilft der "MIT Manus" notfalls auch durch aktive Motorkraft nach, wenn der Patient es noch nicht schafft, eine Armbewegung bis zum Ziel zu führen.

Wie stark die Maschine unterstützt, wird dabei vom Grad des Defizits bestimmt. Gemeinsam ist den Geräten, dass der Patient hochfrequent die zu übenden Bewegungen ausführen kann und der Roboter gleichzeitig durch die Vielfalt der Situationen und die Variationsmöglichkeiten der Bewegungen motiviert.

re/Mangfall-Bote

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