Monika A. zum Prozess wegen fristloser Kündigung

Urteil gefallen - "Causa Frischpack" in Tuntenhausen scheint ad acta gelegt 

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Das Protestwagerl gegen die Firma Frischpack stand immer wieder in Kolbermoor an der Staatsstraße.

Tuntenhausen/München - Nun scheint im Fall Frischpack das letzte Wort gesprochen zu sein. Die ehemalige Mitarbeiterin Monika A. verlor am 4. Juni den Prozess wegen der fristlosen Kündigung am Landesarbeitsgericht in München. 

Für viele Kolbermoorer war es zeitweise ein schon fast normal gewordenes Bild: Das "Protestwagerl" an der Staatsstraße, auf dem mit unterschiedlichen Schildern auf Prozesse und Prozessausgänge gegen die Firma Frischpack GmbH aus Mailling in der Gemeinde Tuntenhausen hingewiesen wurde. Es dürfte nun aber künftig nicht mehr zu sehen sein, denn die Frischpackmitarbeiterin Monika A. verlor am 4. Juni den Berufungsprozess wegen einer fristlosen Kündigung vor dem Landesarbeitsgericht München (LAG). 

Frischpack hatte die fristlose Kündigung damit begründet, dass der gemeinsame Personaleinkauf der Mitarbeiterin zusammen mit ihrem Lebensgefährten, wie er nach Aussage von Monika A. von vielen anderen in der gleichen Weise praktiziert worden sei, eine Beihilfe zum Hausfriedensbruch war. 

"Der wahre Kündigungsgrund wurde mit keinem Wort erwähnt"

"Das LAG hat gleich zu Beginn der Verhandlung deutlich gemacht, in wessen Sinne und Interesse entschieden wird und gesagt, dass die erfolgte Kündigung vom 12.2.2019 zurecht erfolgt ist", so die Klägerin gegenüber rosenheim24.de. "Die Tatsache, dass mein Partner das Auto fuhr, wurde als widerrechtliche Chip-Überlassung gewertet. Dass Frischpack wegen möglicher Wiederholungsgefahr der Chip-Weitergabe keine andere Zugangsmöglichkeit für mich zur täglichen Arbeit bewerkstelligen könnte oder mir sowas nicht zuzumuten war, war dann die weitere und hauptsächliche Begründung der Bestätigung der Kündigung.

Der wahre und eigentliche Kündigungsgrund, also die Kritik an den Methoden und Arbeitsbedingungen wie zweijährige Befristungen, Leiharbeit, Arbeitshetze etc., wurde mit keinem Wort erwähnt." Die Anwältin der Klägerin prognostiziere gegen ein solches Urteil keine Erfolgschancen. Daher akzeptiere Monika A. dann gezwungenermaßen einen vom Gericht vorgeschlagenen aus ihrer Sicht dürftigen Vergleich als das kleinere Übel.

Ein weiteres Plakat auf dem Anhänger Anhänger mit Hinweis auf den Prozess wegen der Bezahlung der Umziehzeiten stand in Kolbermoor an der Staatsstraße

Protest beim Landesarbeitsgericht

"Das Verhalten des LAG kam nicht überraschend. Wir hatten beim LAG protestiert, dass das Arbeitsgericht Rosenheim nach über einem halben Jahr noch immer keinen Termin angesetzt hatte zur Verhandlung über unsere Forderung auf die zugesagte Bezahlung der Umziehzeiten", so die ehemalige Mitarbeiterin. Nach einigem Hin und Her habe das LAG dann doch eine Stellungnahme in Rosenheim angefordert und die Verhandlung sei angesetzt worden. "Es war beim Briefwechsl mit dem LAG zu spüren, dass unser Protest nicht willkommen war."

"Wir sind froh, dass wir diesen Sachverhalt nun final klären konnten"

Von Seiten Frischpacks heißt es zu dem Fall, dass das LAG der Rechtsauffassung von Frischpack bezüglich der Kündigung in allen Punkten gefolgt sei. Um die 26 Jahre Betriebszugehörigkeit von Frau A. ausreichend zu würdigen, habe Frischpack freiwillig in einem Vergleich das Arbeitsverhältnis zum Juli 2019 beendet. "Wir sind froh, dass wir diesen Sachverhalt nun final klären konnten und konzentrieren uns nun wieder voll und ganz auf unser Tagesgeschäft", kommentiert Horst Luchtefeld, Geschäftsführer Operations Frischpack. "Frau A. wünschen wir für ihre Zukunft und ihren weiteren Lebensweg alles Gute und hoffen, dass sie bald eine für sie passende berufliche Aufgabe findet."

Der Hintergrund

Die Mitarbeiterin Monika A., die über 26 Jahre bei der Firma Frischpack arbeitete, zog bereits zwei Mal wegen fristloser Kündigung vor das Rosenheimer Arbeitsgericht. Einmal war ihr von ihrem Arbeitgeber Frischpack wegen des Verteilen eines Flugblattes fristlos gekündigt worden. Gegen diese Kündigung klagte sie und gewann. Die zweite Kündigung bekam sie, weil sie ihren Lebensgefährten, der Hausverbot bei Frischpack hat, mit in den Hausverkauf des Betriebes nahm. Sie klagt wieder dagegen und gewinnt auch diesen Prozess im Juni 2019. In der Folge hagelte es weitere Kündigungen gegen die ehemalige Mitarbeiterin. Frischpack ging in Berufung. Am 29. Januar 2020 gab es einen Prozess am Arbeitsgericht Rosenheim in dem sie gegen nichtbezahlten Umziehzeiten klagte.

Somit dürfte der "Fall Frischpack" beendet sein. 

jb

Quelle: mangfall24.de

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