Waghalsige Szenen im Aiblinger Bauausschuss

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Ohne Training kein Parkour. Derzeit üben die Sportler ihre Techniken noch auf dem ehemaligen US-Gelände in Mietraching. Im Außenbereich des neuen Jugendhauses am Westend ist unter Mitwirkung der Jugendlichen nun die Errichtung einer eigenen Übungsstrecke nach TÜV-Norm geplant.

Bad Aibling - Mit einem selbst gedrehten Film präsentierten Jugendliche vom Jugendtreff „Kick“ in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ihre Ideen zur Gestaltung der Außenanlagen des neuen Jugendhauses im Westend.

Flotte Musik und waghalsige Szenen im Aiblinger Bauausschuss: Mit einem selbst gedrehten Film präsentierten Jugendliche vom Jugendtreff "Kick" in der jüngsten Sitzung ihre Ideen zur Gestaltung der Außenanlagen des neuen Jugendhauses im Westend. Hindernisse für die beliebte Trendsportart Parkour kommen darin ebenso vor wie ein "Amphitheater" mit Feuerstelle und eine selbst entworfene und gebaute Kräuterspirale.

Beeindruckt waren die Ausschussmitglieder allesamt von der Körperbeherrschung und der Akrobatik, die die jungen Leute bei der filmischen Parkour-Demonstration an den Tag legten. Bei dieser Sportart geht es darum, Hindernisse wie Stufen, Mauern, Bänke, Papierkörbe oder Bauzäune auf dem kürzesten oder effizientesten Weg zu überwinden.

Hindernisse sind bei Parkour dazu da, um sportlich überwunden zu werden

Dies tun die Akteure (auch "Traceure" genannt) unter anderem mittels Salto vor- und rückwärts, gewaltigen Hocksprüngen oder 360- Grad-Drehbewegungen. Das sieht zum Teil sehr halsbrecherisch aus. Jedoch - so hatten die Jugendlichen im Vorfeld versichert - wagten sich nur diejenigen an die Herausforderungen, welche die Technik beherrschen.

Um noch mehr Interessierten die Möglichkeit zum Erlernen dieser Sportart zu geben, wünschen sich die Jugendlichen eine Übungsstrecke mit Rieselfläche als Untergrund und Fallschutz, auf der an Mauern und Klettergerüst gefahrlos trainiert werden kann. Die "Kür" könne dann anderswo erfolgen.

Für weitere sportliche Ambitionen sind Metallpfosten vorgesehen, zwischen die ein Band gespannt wird für das so genannte Slacklining - ähnlich dem Seiltanz, bei dem Balance, Konzentration und Koordination gefordert sind.

Für weniger schweißtreibende Aktivitäten ist das "Amphitheater" gedacht, eine geschwungene halbrunde Sitzgruppe mit zwei verschiedenen Sitz-Ebenen in der Ecke des Lärmschutzwalles, wohin sich die Jugendlichen zurückziehen können, um am Lagerfeuer beispielsweise zu grillen oder Musik hören und machen zu können.

Für das gärtnerische Element sorgt die Kräuterspirale, die mit dem Kreisfachberater des Landratsamtes Harald Lorenz abgestimmt und ebenfalls im Bauausschuss vorgestellt wurde.

Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz, der die Ideen der Jugend planerisch aufgegriffen und dargestellt hat, erklärte, dass es sich dabei um bescheidene Wünsche handle, die sich aufgrund der geplanten Eigenleistung auch ohne Mehrkosten umsetzen ließen. Lediglich bei der Materialbeschaffung und einigen spezifischeren Arbeiten benötige man die Unterstützung der Stadt beziehungsweise des Bauhofs.

Lorenz kündigte überdies an, dass bereits Wochenendaktionen geplant seien, bei denen Eltern, Jugend und sogar Großeltern bei der Gestaltung der Außenanlagen mit anpacken wollen.

Die Planung der Außenanlagen des neuen Jugendhauses mit dem Lärmschutzwall im Süden, dem "Amphitheater" in der südwestlichen Ecke und der Parkour-Übungsstrecke im Osten. Basketball-Körbe werden im Norden Richtung Bahnlinie angebracht.

Rudi Gebhart (ÜWG) lobte das Engagement der Jugend ausdrücklich, wies jedoch auf den Widerspruch zur ursprünglichen Planung hin. Schließlich habe man bereits im Inneren des Jugendhauses die Räumlichkeiten mit ruhigerer Nutzung auf die Südseite gelegt, um die angrenzende Wohnbebauung zu schützen. Nun seien die Sitzgelegenheiten im Freien genau dort angeordnet, wo man Lärm eigentlich vermeiden wollte.

Die Leiterin des Jugendtreffs "Kick", Mira Struckmeier, versicherte, dass der südliche Bereich immer noch die ruhigere Seite sei. Im "Amphitheater" werde es nicht so laut, und die Sportnutzung wie etwa Basketball sei Richtung Schule orientiert. Bürgermeister Felix Schwaller betonte, dass der Nachbarschutz gewährleistet sein müsse.

Den "schwungvollen Entwurf" würdigte Dieter Bräunlich (ÜWG), stellte aber die Frage nach den Kosten und den Möglichkeiten, diese zu reduzieren. Laut Ritz könne mit der Berechnung von 49.304 Euro aus dem Jahr 2009 die Grundausstattung gemeinsam mit dem Bauhof gebaut werden. Es fielen nur noch Materialkosten für Beton, Stahl und Geräte an, ansonsten erbrächten die Jugendlichen alles in Eigenleistung. Letztlich stimmten alle Mitglieder des Bauausschusses für die Ausführung der vorgestellten Planung.

von Eva Langwieder/Mangfall-Bote

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