Schock-Erlebnis im Bahnhofs-Aufzug

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Raubling – Ilse Schubert ist das passiert, was sie bisher nur aus Filmen kennt: Sie ist mit dem Lift stecken geblieben und litt Höllenqualen. ** Video **

„Es war schrecklich. Ich hatte vorher nie Angst vor Aufzügen. Aber jetzt steige ich in keinen mehr ein, nicht solange ich laufen kann“, sagt Ilse Schubert im Nachhinein. 

Die 60-jährige Hausfrau aus Raubling war am Nachmittag mit ihrem Radl auf dem Heimweg vom Einkaufen. Ihr Weg führte wie immer über den Bahnhof. Und wie immer benutzte sie den Aufzug. „Die Treppe mit der Fahrradspur ist einfach zu eng.“

Ilse Schubert vor dem Aufzug, in dem sie in stickiger Hitze 30 Minuten lang gefangen war

Sie ging in die Unterführung und stieg in den Lift. Nach einem halben Meter Fahrt merkte sie, dass sich nichts mehr tat – der Fahrstuhl war im Schacht stecken geblieben. „Mein erster Gedanke war: Hoffentlich dauert es nicht allzu lang.“ Ilse Schubert drückte den Notruf-Knopf und bekam auch prompt eine Antwort. Aus dem Lautsprecher schallte ihr eine anonyme Stimme entgegen: Es würde jemand aus Kiefersfelden verständigt werden, der sie da raus holen sollte.

Ilse Schubert wartete. Als nach zehn Minuten immer noch nichts passiert war, drückte die 60-Jährige noch einmal auf den Knopf. Um sicher zu gehen, dass ihr Hilferuf auch richtig angekommen war. „Ich war mir nicht sicher, ob der erste Notruf richtig verstanden wurde, weil da gerade ein Zug durchgefahren ist“, erzählt sie.

Allmählich wurde die Situation im Lift für Sie auch richtig unangenehm. Die trockene, heiße und stickige Luft im Aufzug machte ihr zu schaffen: „Ich bekam Atemprobleme und leichte Herzbeschwerden.“ In diesem Aufzug gibt es kein Belüftungssystem.

Die Raublinger Hausfrau versuchte sich abzulenken, indem sie die Gebrauchsanweisungen ihrer Einkäufe las. „Anders hätte ich das nicht durchgehalten. Da gehen einem die komischsten Dinge durch den Kopf“, sagt sie. Nach circa 30 Minuten, die sich für Ilse Schubert in ihrem engen, stickigen Gefängnis wie eine Ewigkeit anfühlten, kam endlich jemand. Ein Techniker setzte den Aufzug in Gang. Die 60-Jährige war frei.

Diese halbe Stunde im Aufzug hat Ilse Schubert geprägt: „Ich steige jetzt schon mit einem mulmigen Gefühl in so ein Ding ein. So lange ich laufen kann, tue ich mir das nicht noch einmal freiwillig an. Ich warne auch jeden davor, diesen Aufzug zu benutzen.“

Die 60-Jährige macht sich vor allem Gedanken um die Raublinger Senioren. „Ältere Leute nutzen den Aufzug natürlich, die Treppe ist einfach zu umständlich und zu beschwerlich. Wenn ich daran denke, dass da noch einmal jemand drin stecken bleibt, der nicht so fit ist wie ich, wird mir ganz anders.“

Es war nicht das erste Mal, dass jemand im Bahnhofs-Aufzug in Raubling stecken geblieben ist: Im Sommer 2000 waren sechs Jugendliche eine Stunde lang eingeschlossen. Ihnen wurde später vorgeworfen, herumgetobt und damit den Aufzug überlastet zu haben. Auch sie hatten Angst zu ersticken, wie aus einem Leserbrief an das Oberbayerische Volksblatt vom 3. Juli 2000 hervorgeht: „Wir stellen uns im Nachhinein die Frage, wie ein 70-Jähriger die Stunde überstanden hätte?“

Ein Bahnsprecherin äußerte sich auf Nachfrage von rosenheim24.de schriftlich per E-Mail zu dem Fall:

„Jeder Aufzug wird vor der Inbetriebnahme vom TÜV abgenommen, entspricht in seiner Bauform offiziellen Anforderungen und wird gemäß gesetzlichen Vorgaben regelmäßig inspiziert. Die letzte Hauptuntersuchung fand dementsprechend im Oktober des vergangenen Jahres statt. Im Störungsfall können die Betroffenen eine Störmeldehotline anrufen. Diese Hotline ist rund um die Uhr erreichbar. Die Mitarbeiter dort veranlassen umgehend Hilfeleistung. Wir haben einen Vertrag zur Personenbefreiung mit einem Dienstleister abgeschlossen. Darin ist geregelt, dass innerhalb von 20 bis max. 30 Minuten Hilfe vor Ort sein soll. Die Einhaltung dieser Vorgaben prüfen wir kritisch.“

Daniela Feigl/red-ro24

Rubriklistenbild: © Daniela Feigl/Ro24

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