Glas, Keramik oder lieber Holz?

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Nicht täuschen lassen: In dieser Skizze des Vorentwurfs geht es vorrangig nicht um die Fassade - sie ist noch nicht entwickelt -, sondern um die Quader-Form des Rathauses am Marienplatz. Die Fassade ist hier in Holz gehalten.

Bad Aibling (MB) - Wie stehen die Aktien fürs neue Rathaus am Marienplatz? Die Vorplanung ist abgeschlossen, somit geht es für die Behnisch Architekten an die Entwurfs- und Genehmigungsplanung.

Dazu gab der Stadtrat "grünes Licht": Er vergab die nächsten Leistungsphasen (3 und 4) - eine Fortführung bisheriger Fachplanungen hinsichtlich Licht- und Elektroplanung, Lüftung/Heizung, Bauakustik, Brandschutz, Tragwerksplanung etc. Die im Stadtrat präsentierte Vorplanung gab auch erste Hinweise zur Fassadenentwicklung, zu Material und Kosten.

Das neue Rathaus/Bürgerhaus soll ein Schmuckstück werden, ein "Stadtmobiliar mit Glanz und Eleganz, das ist unser Anliegen", führte Architekt Robert Hösle (Behnisch Architekten) gegenüber dem Stadtrat aus. Er vermittelte noch einmal die Vorgehensweise der Planer bis zum letzten Entwicklungsschritt, der Fassadengestaltung - alles ausgehend vom Nutzungskonzept und der funktionalen Anordnung.

Bezüglich der Kosten stellen die Planer jede Möglichkeit, jedes Material, jede Technik auf den Prüfstand - das Budget laut Hösle stets im Blick. Kostenschätzung: insgesamt zirka 6,5 Millionen Euro, Gebäudekosten davon 3,79 Millionen Euro.

Querschnitt durchs Rathaus: Viel Tageslicht soll durch reflektierende Materialien vom Dach bis ins Erdgeschoss geleitet werden. Rechts im ersten Geschoss die Mediathek (Bücherei), links davon der Lesebalkon.

Einfluss auf die Gebäudehülle haben verschiedene Parameter, darunter Lüftung und Licht. Wo soll und muss die Lüftung sein? Zum Beispiel in der Bücherei und in Büros. Fenster aber, die zur Straße gehen, auf der die Fahrzeuge vorbeirauschen, werden wegen des Lärmpegels nicht geöffnet. Die Belüftung muss hier eine andere sein (Lüftungsanlage).

Hösle zufolge soll 2012 die Energieeinsparverordnung (EnEv) verschärft werden. Deshalb müsse man vorausschauend und nachhaltig auch die Betriebskosten im Blick haben und die Gebäudehülle entsprechend dämmen. Bessere Dämmung könne unter Umständen aber auch mehr kühlen als heizen bedeuten. Denn: "Wärme entsteht zusätzlich durch Menschen, Computer, Beleuchtung etc.", so der Architekt, dem zufolge das Thema "Kühlen" in der Zukunft noch viel wichtiger wird. Das neue Rathaus, in dem Kühlschlangen in der Decke eingebaut werden, kann somit über das vorhandene Grundwasser gekühlt werden

Viel Tageslicht soll ins Gebäude. Es wird von oben bis in die Bücherei und ins Erdgeschoss gelenkt durch reflektierende Materialien. "Wir planen hier mit einem Lichttechniker", führte Hösle aus. "Je mehr Tageslicht auch in den Büros, desto weniger Stromverbrauch", erklärte er.

Die Gebäudehülle ist quadratisch - vorgegeben durch den erhaltenen Keller, auf dessen Fundament aufgebaut wird. Das Material für die Hülle muss leicht sein, Glas ist es zum Beispiel, auch eine Keramikoberfläche ist laut Hösle möglich. Untersucht wurden verschiedene Materialien, darunter Holz - welches die Architekten favorisieren.

Ob das der Witterung standhält (Anfrage Stadtrat Konrad Gartmeier, CSU), hängt vom Beschichtungsmaterial des Holzes ab. Holz in Hochglanz, matt schattierend - viel ist möglich, um der Fassade laut Hösle eine warme Ausstrahlung zu geben.

Die Quader-Form, die CSU-Stadtrat Thomas Höllmüller missfiel ("zu funktional"), hat ihre Bedeutung: "Alle Seiten sind gleich, es gibt keine Rückseiten, keine schlechten Seiten", erklärte der Planer, der auch bestätigte: Der technische Standard bei Flachdächern - vorgesehen beim Rathaus - ist heute wesentlich besser (Abdichtung). Das Flachdach bietet zudem die Möglichkeit, eine Fotovoltaikanlage zu errichten. Ziehe man zudem die Fassade 50 Zentimeter nach oben, seien die Kollektoren nicht sichtbar.

Dickes Lob kam von Max Leuprecht (GOL) für die Herangehensweise zur Fassadenentwicklung. Erwin Kühnel (CSU) befand: "Das ist dem Bürger zu vermitteln" und Markus Stigloher (CSU) zollte der Vorplanung ebenfalls Beifall.

Eine Grundsatzerklärung gab SPD-Sprecher Richard Lechner zur Haltung seiner Fraktion ab, die gegen die Vorplanung zum Neubau stimmte und sich damit gegen den Mehrheitsbeschluss des Stadtrates stellte. Lechner begründete die SPD-Halrung erneut mit dem praktizierten "dualen System" (zwei Verwaltungshäuser statt eines einzigen am Marienplatz und keine Bücherei-Auslagerung, wir berichteten). Er stellte aber klar: "Es liegt nicht an der Vorplanung, sondern an den Vorgaben." Überdies monierte er, dass vor Freigabe der Vorplanung der Bauausschuss bereits die Leistungsphasen 3 und 4 auf den Weg gebracht hatte - entgegen des Ratsbeschlussesvom August2009.

Nun bestätigte die Mehrheit des Stadtrates den Bauausschuss-Beschluss. Am 29. April sollen Behnisch-Architekten nun die Entwurfsplanung im Stadtrat präsentieren.

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