"Momo" sucht die verlorene Zeit in Bad Aibling

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Bad Aibling - Begeisterndes Musiktheater im Kurhaus: Die Wilhelm-Leibl-Realschule spielte „Momo und die Suche nach der verlorenen Zeit“.

„Halten Sie inne und horchen Sie in sich hinein über diesen Augenblick Lebenszeit“ - so stimmte Realschuldirektorin Ursula Endler-Hoehne die rund 500 Besucher im vollen Großen Kurhausaal auf „Momo und die „Suche nach der verlorenen Zeit“ ein. Der 1973 von Michael Ende geschriebene und 1986 verfilmte Roman wurde von der künstlerischen Leitung für die Schulaufführung modifiziert. Dabei ersetzten nicht nur szenische Dialoge den im Original enthaltenen Erzähler, sondern durch die „Anreicherung“ mit insgesamt 13 Musiknummern (zum Auftakt „Clocks“ von Coldplay) wurde der Roman zum Musiktheater umgewandelt. Zu den weiteren szenengerechten Musiktiteln zählten u. a. „Black or White“ (Michael Jackson), die Metallica-Ballade „Nothing else matters“, „Schrei nach Liebe“ (Die Ärzte), der Duffy-Hit „Mercy“ und als Schlussmelodie das John Lennon-Friedenslied „Imagine“.

Im Mittelpunkt der märchenhaften und dennoch realitätsbezogenen Bühnenhandlung (mit eingestreuten lokalen Anspielungen wie „Das Rathaus, das jeden Taler kostete“) steht Momo, ein junges und im Dorf sehr beliebtes Mädchen unbekannter Herkunft. Mit dem Erscheinen der „grauen Herren“ legen sich Schatten über das bisher unbeschwerte Dorfleben. Die ungebetenen Gäste gehören der „Zeitsparkasse“ an und drängen die Dorfbewohner zum Beitritt. Einer der Agenten rechnet vor, wie viele Abermillionen von Sekunden Zeit sie sparen könnten durch den Verzicht auf angeblich nutzlose Tätigkeiten. Schließlich sind alle Menschen im Dorf vom Zeitsparvirus infiziert, sparen durch immer schnelleres Arbeiten unentwegt Zeit und haben paradoxerweise immer weniger davon. Tatsächlich klauen die grauen Herren den Menschen ihre „Stundenblumen“, das Symbol für das Empfinden der eigenen Lebenszeit im Herzen.

Bald ist das Dorfleben freud-und lieblos geworden durch den Einfluss der grauen Herren, die auch Momo für sich gewinnen wollen. Für ihren Kampf gegen die grauen Mächte wird sie von Meister Hora, dem Verwalter der Zeit, animiert. Er klärt sie über die Machenschaften der unmenschlichen grauen Herren auf und führt sie in eine Welt, in der sie die wundersamen „Stundenblumen“ sehen kann. Später erfährt sie von ihm, dass sie in ihr eigenes Herz blicken durfte und erkennt: „Alle Zeit , die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farbe des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied des Vogels für einen Tauben“. Schließlich gelingt es ihr, die von den Zeitdieben gestohlenen „Stundenblumen“ wieder in die Herzen ihrer Besitzer zurückzuholen. In die Herzen der begeisterten Besucher (darunter auch Aiblings 2. Bürgermeisterin Heidi Benda und die Ex-Schulleiter Walter Formanek und Robert Kotouc) spielte sich ebenso das überzeugende 14-köpfige Darsteller-Ensemble, allen voran Daniela Zimmermann als Momo. Der auf der geschickt gestalteten Bühne als „Statisten“ agierende Chor gefiel durch seine harmonische Klangfülle und Theresa Huber, Cihad Kökten, Eva Niedermeier, Angelina Sputh und Marie-Louise Zuckermeier glänzten mit ihren Solo-Gesangsauftritten.

Wilhelm-Leibl-Realschule spielt "Momo"

Die Band führte platzmäßig zwar ein „Nischendasein“, zeigte sich musikalisch aber als beeindruckender homogener Klangkörper mit wohldosierter Begleitung des Chores und der Sologesangsnummern. Das Publikum spendete reihenweise Szenenapplaus und frenetischen Schlussbeifall, für den sich die Akteure passenderweise mit der Wiederholung von „Mercy“ bedankten. Am Ende sprachen Schulleiterin Ursula Endler-Hoehne und Elternbeiratsvorsitzende Elviara Wanitschek den insgesamt 75 Akteuren und den für Text, Musik und Choreografie verantwortlichen Lehrkräften Heidi Legath, Julia Maul, Kerstin Müller, Peter Rutz und Barbara Zellner ihren Dank aus.

bjn

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