Unternehmergeist bei Schülern wecken

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Eine Schülerfirma auf Vormarsch: die "Kolbermoorer Geschmacksengel" von der Pauline-Thoma-Mittelschule bieten im Rahmen des NFTE-Programms Catering an. Ziel des Projektes: Die Schüler fit fürs Berufsleben zu machen.

Kolbermoor - Die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft stärken, die Berufsorientierung verbessern und den „Unternehmergeist“ wecken – diese Ziele werden an der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor groß geschrieben.

Mitunter deshalb arbeitet die Schule eng mit dem Programm NFTE zusammen und ist deutschlandweit eine der Vorzeigeeinrichtungen: Schüler entwickeln Geschäftsideen und setzen diese in Schülerfirmen um. Erste Erfolge präsentierte die Schule gestern im Rahmen eines "Businessfrühstücks" vor Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Schlau, einfallsreich, pfiffig - diese Merkmale will das Programm NFTE (Network of Teaching Entrepreneurship) transportieren, Projektunterricht basierend auf einer Idee aus den USA (1987), was nun auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Ziel des Programms: Die Schüler fit fürs Berufsleben zu machen, sie kreativ und selbstbewusst aus der Schule zu entlassen. Das Prinzip ist einfach: Die Schüler arbeiten Geschäftsideen aus, erstellen Businesspläne und gründen bestenfalls eine eigene Schülerfirma - so geschehen bereits an der Kolbermoorer Pauline-Thoma-Schule.

Ob "Cooking Aces", die ein Schüler-Kochbuch vertreiben, oder "Kolbermoorer Geschmacksengel", die Catering anbieten - die Ideen der Kolbermoorer Schüler sind vielfältig und lassen sich durchaus umsetzen, wie sie jetzt mit ihren Präsentationen bewiesen. Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie aus dem Schulwesen hatten sie nun zu einem "Businessfrühstück" samt umfangreicher Messe in die Schulaula eingeladen, um die Fortschritte des 2010 ins Leben gerufenen Projektes vorzustellen. Für ihr Engagement ernteten sie großes Lob und Anerkennung.

Business-Frühstück an der Pauline-Thoma-Schule

Ins Jahr 2009 reichen die Anfänge des Programmes an der Pauline-Thoma-Mittelschule zurück, eine Idee, die Lehrkraft Susanna Klein von einer Fortbildung mitgebracht hatte: Das Selbstbewusstsein der Schüler durch das Umsetzen eigener Geschäftsideen zu stärken, sie fürs Berufsleben zu rüsten. Bei Rektor Friedrich Sparrer rannte sie offene Türen ein, zahlreiche Kollegen ließen sich ebenfalls begeistern - gemeinsam packte man die erste NFTE-Schulung an, insgesamt zwölf Lehrkräfte ließen sich zertifizieren, womit Kolbermoor schnell federführend in ganz Deutschland war und als "Fokusschule" geführt wird. Weitere Lehrerkurse sollen in den kommenden Wochen folgen. Überdies wurde das Programm bereits in den Lehrplan integriert, beginnend mit den siebten Klassen und dem Schwerpunkt auf den Abschlussschülern.

Zeigten sich begeistert von den Präsentationen und Geschäftsideen der Schüler: Rektor Friedrich Sparrer, Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl (Mitte) und Projektbetreuerin Susanna Klein.

Die Begeisterung über die ersten Erfolge des Programmes stand Schulleiter Sparrer förmlich ins Gesicht geschrieben: "Um eure Zukunft müssen wir uns keine Sorgen mehr machen", zeigte er sich voll des Lobes angesichts der vielfältigen Präsentationen an den einzelnen Messeständen, bevor er die federführende Lehrkraft Susanna Klein zur "Chefin der Pauline-Thoma-Holding" ernannte. Musikalischen Schwung versetzte der Veranstaltung die Schülerband um Walter Diebel und die Bläsergruppe der Schule.

Susanna Klein stellte die Ziele des Programms heraus: Unternehmergeist zu verbreiten und zu trainieren. "Für jeden Beruf ist es wichtig, Leidenschaft zu entwickeln", betonte sie und zeigte sich überzeugt, die Schüler nach dem Projekt bestens gerüstet ins Leben zu entlassen.

Als eine "besondere Schule" lobte Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl stellvertretend für den erkrankten Ministerialrat Helmut Krück (Bayerisches Kultusministerium) die Pauline-Thoma-Schule und hob in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung der Mittelschule hervor. "Dieser neue Schultyp ist eine Chance für die Schullandschaft", unterstrich Biechl - eine Herausforderung, die in Kolbermoor hervorragend umgesetzt werde.

Die Bedeutung der Hauptschüler für die Volkswirtschaft hob Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo hervor, der zudem die vermehrte praxisbezogene Ausbildung lobte und sich dabei auch vom NFTE-Programm sehr angetan zeigte.

Die Schüler als "Macher" stellte NFTE-Programmdirektorin Connie Hasenclever in ihren Ausführungen in den Mittelpunkt. "Die Grundidee ist, dass in jedem Schüler Potenzial steckt." Diese gelte es, über Projekte herauszuarbeiten und zu fördern. Zudem dankte sie, wie bereits ihre Vorredner, den Wirtschaftsvertretern für ihre Unterstützung.

Den Schülern für ihr außerschulisches Engagement zollte wiederum Schulrätin Helga Wichmann vom Schulamt Rosenheim großen Respekt und ging ebenso auf die Bedeutung einer vertieften Berufsorientierung ein. Lobend äußerten sich zudem Angelika Artmann von den Unternehmerfrauen in Handwerk und Dienstleistung Rosenheim, die das Projekt ebenfalls unterstützen sowie Gerd Maas, stellvertretender Vorsitzender des Regionalkreises Südostbayern "Die Familienunternehmer", ebenso Elternbeiratsvorsitzende Renate Wendt: "Die positive Entwicklung ist deutlich zu spüren."

Den Praxisbezug des NFTE-Programms hob Rosenheims IHK-Vorsitzender Sebastian Bauer hervor: Derartige Projekte blieben weit besser bei den Schülern verhaftet als die teils abstrakte Theorie der Lehrpläne. Sein Appell an die Schüler: sich möglichst viel Handwerkszeug für das spätere Leben anzueignen.

Mächtig beeindruckt von den Fortschritten zeigte sich der Wirtschafts-Pate der frisch gegründeten Schülerfirma "Kolbermoorer Geschmacksengel", Rainer Pastätter, Director Operations der Heinritzi Betriebs GmbH (McDonalds): Er hatte den Schülerinnen in der Gründungsphase unter die Arme gegriffen und war nun mehr als angetan von der Umsetzung: "Respekt, eine tolle Leistung", meinte er und sicherte auch für die Zukunft seine Unterstützung zu.

Neben Niedersachsen zählt Bayern aktuell zu den stärksten NFTE-Ländern, an die 40 Schulen beteiligen sich bereits an dem Programm, darunter im Landkreis auch Großkarolinenfeld und Stephanskirchen. Interesse meldeten zudem die Hauptschulen in Bad Endorf und Bad Aibling an - "wobei Kolbermoor zu den Leuchtturmprojekten zählt", betonte Wigbert Dehler, NFTE-Regionalmanager Bayern.

von Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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