Kolbermoor: Umbruch in der Schullandschaft

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Die Schüler der Pauline-Thoma-Schule boten im Foyer Kostproben an. Sie veröffentlichen ein Kochbuch.

Kolbermoor - Die gesamte Schullandschaft befindet sich im Umbruch: sinkende Schülerzahlen, geringere Klassenstärken und ein steigender Bedarf nach Ganztagesangeboten.

Kolbermoor fühlt sich diesbezüglich gut gerüstet, wie Stadtoberhaupt Peter Kloo auf der Bürgerversammlung im Mareissaal betonte und auf bereits getätigte oder noch anstehende Investitionen verwies. Weiter ging der Bürgermeister auf die zahlreichen Projekte an den Schulen und in der Jugendarbeit ein, wobei im Mittelpunkt die Vorbereitung aufs Berufsleben steht.

Stark rückläufig sind nach Angaben des Bürgermeisters die Schülerzahlen in der Stadt: um -17,5 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Als Gründe sieht Kloo die demografische Entwicklung, den allgemeinen Rückgang der Schülerzahlen, aber auch die bayerische Schulpolitik mit den Übertrittsregelungen auf weiterführende Schulen.

Überdies, stellte Kloo fest, befinde sich die gesamte Schullandschaft im Umbruch: "Die Schule erhält neue Aufgaben, sie wird zu einem Lebensraum, in dem Kinder nicht nur an den Vormittagen leben." Steigend sei in diesem Zusammenhang die Nachfrage nach Ganztagsangeboten: 45 Prozent aller Kolbermoorer Schüler (524) nähmen die Nachmittagsbetreuung bereits in Anspruch, so Kloo - 2008 waren es noch 31 Prozent, 2009 knapp 40 Prozent.

Im "Sinkflug": die Schülerzahlen der Stadt.

Spitzenreiter ist die Pauline-Thoma-Mittelschule: Dort nutzen aktuell 265 von insgesamt 512 Schülern die offene oder die gebundene Ganztagsschule. Betreuung nach dem Regelunterricht nehmen an der Mangfallschule 86 von 224 Grundschülern in Anspruch (38 Prozent) und an der Adolf-Rasp-Schule 113 von 428 Kindern (26 Prozent).

Die Angebote in Kolbermoor sind vielfältig: 60 Schüler nutzen den Hort, 154 die Mittagsbetreuung der evangelischen Kirche, die Ganztagsschule an der Mittelschule besuchen 144 Schüler (gebunden, zweizügig), die offene Betreuung 121 und auch die neu eingeführten Ganztagsangebote an den beiden Grundschulen finden Anklang: 24 Schüler besuchen die Ganztagsklasse an der Adolf-Rasp-Schule und 21 die der Mangfallschule an der Rainerstraße.

Neue Angebote, veränderte Anforderungen an die Schulhäuser: Umbauten an den beiden Grundschulen blieben deshalb für die Stadt nicht aus. An der Adolf-Rasp-Schule wurden in den vergangenen Wochen und Monaten Räume für die Mittags- und Ganztagsbetreuung (Ausgabeküche, Ruhezonen etc.) vorbereitet - die Baumaßnahmen sind Rektorin Angelika Elsner zufolge weitgehend abgeschlossen und können in Kürze ihrer Bestimmung übergeben werden. Kosten: rund 500.000 Euro, bezuschusst durch die Regierung von Oberbayern.

Adolf-Rasp-Schule: 3,25 Millionen Euro

Parallel zum Umbau Ganztagsschule lief die energetische Sanierung des Schulhauses an der Breitensteinstraße mit Fassaden- und Dachdämmung, Sonnenschutz, Beleuchtung, Fotovoltaikverglasung im Aulabereich und neuer Heizversorgung, die nun durch ein Blockheizkraftwerk erfolgt samt Fernleitung zum Freibad, das damit ebenfalls beheizt werden kann. Kosten der Maßnahme: 3,25 Millionen Euro, wobei sich die Stadt 1,5 Millionen Euro aus dem Fördertopf des Bayerischen Modernisierungsprogramms erwartet - "weshalb wir auch beim Konjunkturpaket nicht berücksichtigt wurden", führte Kloo aus. Weitere Kosten warten auf die Stadt hinsichtlich Brandschutz: Hierfür würden in 2011 weitere Gelder in Höhe von rund 580.000 Euro fällig, kündigte der Bürgermeister an - immer höhere Auflagen, die kaum mehr zu erfüllen wären.

Umbauarbeiten sind auch an der Mangfallschule erforderlich, um diese "fit" für die ebenfalls im September eingeführte Ganztagsschule zu machen. In diesem Zusammenhang soll das so genannte Harrer-Haus an der Maxstraße saniert und über einen Zwischengang angebunden werden, weitere Umbauten erfolgen im Schulhaus an sich. Startschuss soll im Frühjahr sein. Kostenpunkt dieser Maßnahme: rund 1,8 Millionen Euro, wobei ebenfalls Fördermittel erwartet werden.

Ein erster Schritt in Sachen Ausweitung der Außenanlagen ist ebenfalls bereits getan: Sowohl die Max- als auch die Rainerstraße wurden im Bereich der Schule gesperrt, um den Pausenhof zu vergrößern.

Nicht nur Investitionen stehen an, die Schüler machen auch durch Projekte auf sich aufmerksam, allen voran die Pauline-Thoma-Mittelschule, seit September neben Prien die erste Mittelschule im Landkreis und somit mit Modellcharakter. Ein Schwerpunkt: die Berufsorientierung. Mit verankert an der Schule ist in diesem Zusammenhang auch das Patenprojekt "Jugend in Arbeit", in dem freiwillige Paten ihre Schützlinge im Schulalltag, bei der Arbeitsplatzsuche oder in punkto Ausbildung unterstützen - und wie die Verantwortliche Ursula Huber betonte: "Paten sind bei uns immer gesucht."

"Cooking Aces" erstellen Kochbuch

Hoch engagiert zeigte sich auch die Klasse M10b der Mittelschule: Sie präsentierte der Versammlung ihre neue Schülerfirma "Cooking Aces", die ein Kochbuch auf den Markt bringen will. "Nationale und internationale Gerichte, von schnell bis aufwändig, von einfach bis raffiniert", stellten Lisa Bauer (Vorstand) und Emanuel Notarangelo (Finanzen) das Projekt, das ebenfalls von Paten unterstützt wird, vor und warben zudem um Sponsoren für das Buch. Das Werk, aktuell in Druck gegeben, soll in den ersten Dezembertagen in den Verkauf gehen.

Eine Vielzahl an Projekten wird Kloo zufolge auch im Bereich Jugendarbeit geboten, wobei er das Angebot "Kooperationen - Berufsorientierung für arbeitslose Jugendliche" (Modellvorhaben Soziale Stadt) besonders hervorhob. "Die Jugendlichen auf das Berufsleben vorzubereiten, liegt der Stadt sehr am Herzen" betonte er. Die Kosten von rund 46.000 Euro für diese Maßnahme betrachtete er als "gut angelegt", wobei die Stadt zudem Fördergelder von Bund und Land erwartet, weshalb für die Stadtkasse gut 18.000 Euro verbleiben. "Und die Ergebnisse können sich sehen lassen", verwies er unter anderem auf geschmiedete Abfallkörbe und Ruhebänke, die erstellt worden waren.

Lob hatte der Bürgermeister für die Jugend übrig: unter anderem für die Neugestaltung des Skaterplatzes und die Reinigung des Spinnereiweihers, ein Ergebnis der Jugendbürgerversammlung, wie Kloo nicht ohne Stolz vermerkte. Abschließend warb der Rathauschef noch um Nachwuchs für die Feuerwehr und die übrigen Ortsvereine.

von Rosi Gantner/Mangfall-Bote

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