Sechs neue Wohnungen

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Früher war hier die Verwaltung des Tonwerkes untergebracht. Das Haus wird jetzt zu Wohnzwecken umgebaut.

Kolbermoor - Hoch her ging es in der jüngsten Sitzung des Kolbermoorer Bauausschusses. Der Grund: Anscheinend wusste so manche Fraktion mehr als die andere.

Eigentlich standen die Nutzungsänderung und der Umbau des Wohn- und Geschäftshauses Am Tonwerk 1 auf der Tagesordnung. Doch viel mehr sorgte ein angebliches Schreiben in Bezug auf das Nachbargrundstück für Wirbel im Gremium.

Das unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Verwaltungsgebäude des Tonwerks soll in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde umgebaut werden, wie Bürgermeister Peter Kloo die Kommunalpolitiker informierte. Das Gebäude hat eine Grundfläche von rund 289 Quadratmetern, zwei Vollgeschosse, und es befindet sich auf einem 900 Quadratmeter großen Grundstück.

Laut Aussage von Kloo betreffen die Baumaßnahmen ausschließlich den Innenausbau mit der Beseitigung beziehungsweise Neuerrichtung von Trennwänden. Nach dem Umbau soll das Gebäude zu Wohnzwecken mit Mietwohnungen genutzt werden. Derzeit würden im Anwesen bereits zwei Wohnungen im Obergeschoss genutzt, das restliche Gebäude stehe leer. Die ursprüngliche Planung von acht Wohnungen habe sich verändert. Inzwischen wolle der Käufer insgesamt sechs Wohnungen und zwölf Stellplätze realisieren, wie Kloo ausführte.

"Damit regelt sich der Nachbareinwand in Bezug auf die Zufahrt von selbst. Eine privatrechtliche Einigung wird wohl zustande kommen", sagte Kloo. Der Bürgermeister brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass "sich für dieses Gebäude ein in Kolbermoor wohnender Käufer gefunden hat, der einen verträglichen Ausbau verwirklicht".

Das Vorhaben liege im Geltungsbereich des Bebauungsplanes "Am Tonwerk", der als Art der baulichen Nutzung "allgemeines Wohngebiet, als Maß der baulichen Nutzung eine überbaubare Fläche von 300 Quadratmetern und zwei Vollgeschosse mit ortsüblicher Kniestockregelung" festsetze. Zudem seien im Bebauungsplan unmittelbar an der Westseite des Gebäudes acht Stellplätze ausgewiesen.

Laut Kloo solle die vorhandene Geländesituation mit bepflanztem Hang samt Treppenaufgang so belassen werden. Deshalb werde beantragt, die Gemeinschaftsstellplätze nicht unmittelbar am Gebäude errichten zu müssen. Die erforderlichen Stellplätze könnten nachgewiesen werden.

Für fragende Gesichter im Gremium sorgte Günther Zellner (CSU). Er regte an, mit diesem Vorhaben "abzuwarten, bis man weiß, was der Nachbar plant". Diesen Einwand konnte Dagmar Levin (SPD) zunächst nicht verstehen. Sie kenne weder den einen noch den anderen Nachbarn und verstehe nicht, was die beiden Vorhaben miteinander zu tun hätten.

Auch Bürgermeister Kloo wollte anfangs nicht so recht mit der Sprache herausrücken und verwies immer wieder auf die aktuelle Nutzungsänderung, mit der man sich jetzt und heute befassen müsse: "Wir müssen froh sein, für dieses Haus eine sinnvolle Nutzung zu bekommen. Deshalb ist derzeit nicht relevant, was auf dem Nachbargrundstück geplant ist", meinte Kloo.

Ihr Unverständnis darüber, warum immer wieder das Nachbargrundstück im Rahmen der Diskussion mit ins Spiel gebracht werde, brachte Dagmar Levin zum Ausdruck. Erst nach wiederholtem Nachfragen räumte der Bürgermeister ein, dass "es ein Schreiben in Bezug auf das Nachbargrundstück gibt". Demnach sei die Errichtung von zwei Einfamilienhäusern im Nachbargrundstück geplant.

Die Tatsache, dass im Gegensatz zur SPD-Fraktion wohl andere Kommunalpolitiker dieses Schreiben erhalten haben, erzürnte Dagmar Levin: "Ich glaube, ich flippe jetzt gleich aus. Das ist ja reine Klientelpolitik, die hier betrieben wird", kritisierte Dagmar Levin mit Blick auf Zellner und Markus Schiffmann (CSU).

Kloo sprach "von Spielchen, an denen er sich nicht beteiligen" wolle und verwies mehrfach auf die anstehende Nutzungsänderung. Der Inhalt des Schreibens in Bezug auf das Nachbargrundstück sei "nicht mehr zeitgemäß, überholt, unaktuell und deshalb nicht relevant".

Zellner wehrte sich gegen die Vorwürfe und betonte mehrfach, dass es ihm ausschließlich um die Baugrenze und die Stellplatzanordnung gehe: "Wenn die Stellplätze so gebaut werden, wie sie eingezeichnet sind, stellt sich meiner Meinung nach die Frage, ob jeder dann noch aus seinem Stellplatz heraus- fahren kann", so Zellner.

Auch Markus Schiffmann wehrte sich vehement gegen den Vorwurf "Klientelpolitik" zu betreiben: "Wir haben uns nicht auf das Schreiben bezogen. Uns geht es nur um die Stellplätze. Jedem anderen Antragsteller werde zentimetergenau vorgeschrieben, wie er die Stellplätze bauen müsse. Mit dieser Polemik machen wir dem Bauwerber das Leben nicht gerade leichter."

Kloo wies darauf hin, dass es "eine übliche Praxis ist, von den Festsetzungen des Bebauungsplanes zu befreien, wenn keine öffentlichen Belange berührt werden".

Trotz der zuvor hitzigen Diskussion waren sich die Fraktionen schließlich doch einig: So gab das Gremium einstimmig grünes Licht zur Nutzungsänderung im beantragten Umfang. Zwölf Stellplätze müssen nachgewiesen werden. Von den Festsetzungen des Bebauungsplanes wurde eine Befreiung bezüglich des Stellplatzstandortes befürwortet.

dli/Mangfall-Bote

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